Die Generation des Scheiterns

Ein paar Stühle, wenig Kulisse, mehr braucht es nicht: Die Schauspieler machten "Die Buddenbrooks" im Haus der Kultur zu einem großen Theaterabend.

Die Buddenbrooks als Schauspiel: eingerichtet von John van Düffel, zu sehen - und bejubelt - im Haus der Kultur in Waldkraiburg.

Der Roman von Thomas Mann schildert Stolz, Glanz und Kultur der Kaufmannsfamilie Buddenbrook und ihren langsamen Verfall während vier Generationen. Diese Bühnenfassung baut auf den Handlungsfäden um die Figuren der engeren Familie auf. Einen Roman diesen Umfangs zu einem Theaterabend zu komprimieren, birgt natürlich Risiken, doch die lebendige Zeichnung der Figuren vermittelt dem Zuschauer vor allem eine Vorstellung über das Denken in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Diese Fassung rückt die junge, nachrückende Generation, die die Geschäfte übernehmen soll und schließlich scheitert, in den Mittelpunkt. Thomas Mann hat, als er die Figuren seines Romans chrakterisierte, Vorbilder aus der eigenen Familie benützt; wohl deshalb sind schon im Buch die Charaktere in ihrer Lebendigkeit so gelungen. Und genau das macht auch den Charme der Buddenbrooks in Waldkraiburg aus - zusammen mit der Sprache.

Die Bühnenausstattung ist bewusst sparsam gehalten: Die Präsenz aller Schauspieler ist nämlich so stark, dass mit etwas passender Garderobe und Licht die Aura der handelnden Personen mehr als ausreichend verstärkt wird. Schnörkliges Mobiliar braucht es da nicht.

In diesem Sinn gibt Heidemarie Wenze eine hervorragende Konsulin Elisabeth, und bildet zusammen mit Klaus Mikulait als Konsul Johann Buddenbrook ein edles Gespann. Matthias Engel erscheint überzeugend als schmierig-windiger Schwiegersohn und Mitgiftjäger mit aufgesetzer Rhetorik und theatralischem Getue. In seiner Doppelrolle hervorragend: Dirk Schmidt als Bankier Kesselmaier und als Permaneder.

Die Generation des Scheiterns ist vertreten mit Jörg Walter als Luftikus Christian, der im ersten Teil so spielt, als wäre er gerade der berühmten Verfilmung entlaufen, und wirkt doch am Schluss glaubhaft ernst und tragisch. Dazu Nadine Nollau als Tony: immer echt und lebensfroh. Thomas ist derjenige, der das Scheitern neben der Mutter zu verantworten hat. Aus heutiger Sicht war er im Denken zu wenig beweglich, rückwärtsschauend und wenig kreativ. Wunderbar gespielt von Jan-Hendrik Arnke. Ein Schmunzeln nötigt die verblüffende Ähnlichkeit mit Gerhard Schröder ab, die nicht ein bisschen weggeschminkt oder wegfrisiert wird.

Keine Frage: Große Schauspieler, großes Stück, große Inszenierung. Ein einfach großer Theaterabend eben.

von Kurt Feichtinger

Quelle: rosenheim24.de

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