Junge Musiker suchen eigene Lösungen

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Herrenchiemsee - Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich heute viele junge Musiker altbackene Sichtweisen und klangliche Ideale hinterfragen - so auch William Youn.

Lesen Sie hier den Bericht aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Die Ohren geöffnet

Das Geschwätz über junge Musiker, die angeblich interpretatorische Weitsicht vermissen lassen, ist heute weit verbreitet. Gerne wird die „gute, alte Zeit“ heraufbeschworen, obwohl sie so gut nicht immer war.

Das Gegenteil ist der Fall: Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich heute viele junge Musiker altbackene, verkrustete Sichtweisen und klangliche Ideale hinterfragen und zu eigenen Lösungen gelangen - so auch William Youn.

Dass dies auch bei den "Inselkonzerten" deutlich wurde, ist nicht minder erstaunlich, denn bekanntermaßen ist der Blüthner-Flügel nicht gerade in einem guten Zustand. Youn aber hat das tückische Instrument nicht einfach beherrscht, sondern es wahrlich zum Singen gebracht. Natürlich wusste man das schon vom vorigen Jahr, als Youn mit dem Bratscher Nils Mönkemeyer hier gastierte. Dennoch: Das Ergebnis übertraf alle Erwartungen. Auch das zeichnet Youn als großen Tastenexegeten aus. Innig oder gefühlvoll heißt bei ihm nicht sentimental. Stilles lyrisches Sinnen entwickelt ein überreiches Eigenleben - völlig ungezwungen, mit souveräner, bravouröser Anschlagstechnik. Dieser Eindruck setzte sich nach der Pause mit Robert Schumanns "Waldszenen" und den "Drei Fantasiestücken" op. 111 fort. Die tiefen Verbindungen zwischen den Komponisten wurden hörbar gemacht. Auch hier gähnte nirgends der bloße Effekt, nichts blieb eitler Selbstzweck.

Denn Youn kennt keine Selbstverliebtheit, und auch hier nahm das überreich schimmernde Piano gefangen. Innehaltend, abwägend, suchend ergründete Youn die Farbe der Stille. Und stets fand er den "richtigen" Ton. Das alles fließt und lebt, Youn ist Teil der Musik. Stürmischer Beifall und zwei Chopin-Zugaben: Weitere Gastspiele dieses großen jungen Klaviertalents wären ein Gewinn. In der Region gäbe es ja genügend wertvolle Festivals und Klassik-Reihen.

Marco Frei/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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