Die "Spider Murphy Gang" spielt im Stadtsaal nicht nur alle Hits, sondern erinnert auch an ihre Wurzeln

Kein Ende in Sicht

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Ein riesengroßer Spaß: Barny Murphy im Mühldorfer Stadtsaal.

Mühldorf - "Wollts ihr noch mehr Rock'n'Roll?", will Günther Sigl wissen. Das laute "Ja" des Stadtsaal-Publikums entlockt ihm ein Lächeln: "Mia spuin eh nix anders."

Und das seit 35 Jahren, als in einer Kneipe in Schwabing die "Spider Murphy Gang" das erste Mal aufgetreten ist. Wo genau? "In der Siegesstraße Nummer 39 ist der bayerische Rock'n'Roll geboren", klärt der 65-jährige Sigl auf - und schon rockt die Truppe los, die zum "Rock-'n'-Roll- Rendezvous" nach Mühldorf eingeladen hatte.

Hits aus über drei Jahrzehnten spielen sie, eine herrlich eingespielte Truppe steht auf der Bühne. Zugegeben: Günther Sigls einst volles Haar wird immer grauer und dünner und auch unter der roten Mütze von Lead-Gittarist Barny Murphy versteckt sich schon eine lichte Stelle im Haar. Doch immer noch leben die Münchener ihre Musik, selbst im dezenten Akustikmantel, aus dem das Können der sieben Musiker richtig ins Scheinwerferlicht tritt.

Die Band verneigt sich dabei musikalisch vor den Urvätern des Rock'n'Roll; verhehlt nicht, wo ihre Wurzeln liegen, wenn sie Chuck Berrys "Johnny Be Goode" tieftragend in D-Moll spielen oder Presleys "That's Allright Mama" fließend in "Schickeria" übergehen lassen. Oder schließlich mit "Rock Around The Clock" eine Hommage an den großen Bill Haley hören lassen.

Allen voran Otto Staniloi, dem die Freude an seinem Spiel von den Lippen abzulesen ist, wenn er in einer Spielpause fröhlich die Lieder mitsingt. Doch meistens brilliert er an seinen Blasinstrumenten, wechselt dabei von der Querflöte - herrlich verträumt bei "Johnny Be Good" und Jethro-Tull-mäßig bei "Going Up The Country" von "Canned Heat" - über Bass- und Tenor-Sax - sentimental hauchend bei der Ballade über "Rosmarie" - zum Sopransax - fast melancholisch bei "Pfüat Di Gott, Elisabeth". Ja, selbst zur Gitarre greift er, auch wenn das bei "Rock'n'Roll Music" mit technischen Schwierigkeiten einhergeht, die Sigl und Co. routiniert weglächeln.

Die rein auf Akustikgitarren basierende Musik an diesem Abend zehrt vom treibenden Klavier des Boogie-Woogie-Genius Ludwig Seuss, der nach der Pause auch die Gelegenheit bekommt als Solist einen Boogie zu hämmern und später auch zum Akkordeon greift. Und vom zurückhaltenden Spiel von Drummer Pauls Sax, der maximal seine Brushes gegen Roots austauscht, wenn es mal etwas lauter werden soll.

Ganz andere Töne dann bei Renate: Seuss mit dem Akkordeon, Staniloi mit der Tuba und Sigl mit der Ukulele. Schließlich hat man, so Sigl, früher nicht nur den amerikanischen Radiosender AFN gehört, sondern wurde auch mit Bayern 1 zugedröhnt.

Spider Murphy Gang im Stadtsaal

Im Stil der Neuen Deutschen Welle kommt dann "Ich schau Dich an" daher. Natürlich auch wieder mit einem Solo vom glänzend aufgelegten Barny Murphy, der jede noch so kurze Pause nutzte, um einer Zigarette zu begegnen. Und obwohl es draußen schon schneit: Ein bisserl Biergarten-Feeling, Chinesischer Turm oder Englischer Garten hält trotzdem Einzug im Staadtsaal, als Sigl den "Sommer in der Stadt" besingt oder dass er am liebsten "Unterm Kastanienbaum" sitzt.

Zwischendrin immer wieder nette Geschichten von Günther Sigl, von den wilden Zeiten, als er noch lange Haare und Barney Murphy einen Afro trug. Und natürlich haben sie Gras geraucht - Sigl bedient jedes Klischee, schließlich seien sie eine "in Bayern weltberühmte Rockband", was die Gang mit "Bayerischer Band" dann lautstark unter Beweis stellt. Ja, und es wäre natürlich ein Skandal gewesen, wenn nicht auch die Rosi mit der berühmtesten Telefonnummer der Welt ihre musikalische Plattform erhalten hätte.

In München steht eben immer noch ein Freudenhaus - auch nach 35 Jahren. Und wahrscheinlich noch mindestens so lange, wie es die Spider Murphy Gang gibt.

Josef Enzinger

Quelle: rosenheim24.de

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