"Django 3000" füllt den Mühldorfer Haberkasten mit Balkan-Beat und Gypsy-Pop auf höchstem Niveau

"Django 3000": Zigeunerparty auf bayerisch

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Teufelsgeiger Florian Starflinger suchte das Bad in der Menge...

Mühldorf - "Summa is, wennd Heidi kimmt und de Leit zum Danzn bringt": Wenn es nach dieser Textzeile ginge, dann stand Mühldorf am Samstag kurz vor der Sommersonnenwende.

Denn es wurde getanzt im Haberkasten, knapp 500 Paar Beine bewegten sich zum Gypsy-Sound von "Django 3000" - ausverkauftes Haus! Das bringen nur wenige musikalische Gäste in Mühldorfs Kulturtempel hin.

Warum es "Django 3000" schafft, liegt aber auf der Hand. Geniale Musiker, die eineinhalb Stunden lang beste Laune verbreiten und das mit einem Stil, der sich so überhaupt nicht in eine Schublade pressen lässt: Treibende Balkan-Beats, gitarrenlastige Rockn'Roll-Songs und Gypsy-Swing lassen kaum Zeit zum Luftholen, treiben die Masse an, die die Einladung zum Tanzen von Beginn an umsetzt.

Kopf der Djangos ist Sänger und Gitarrist Kamil Müller. Seine herrlich rauchig-bassige Stimme zigeunert sich durch den ganzen Abend. Schon zum Auftakt bei "Django, Django" hat er die Zuhörer fest in Griff. Sie lassen sich nicht zweimal bitten, wenn er die Menge auffordert "Rücki Werch!" Schnell reckt die Menge die Hände hoch und antwortet mit einem lautstarken "Hey!".

Und Kontrabassist Michael Fenzl kann sich eigentlich die Frage sparen: "Seid's Ihr wuid?" Die Menge ist es. Doch es ist schwer mit den vier Strizzis aus dem Chiemgau mitzuhalten. Fenzl bearbeitet seinen Kontrabass, das man mit dem armen Instrument fast Mitleid haben möchte. Der Leningrad-Cowboy springt in wildester Rockabilly-Manier umher, führt aber dennoch souverän den fetten Bass, der den soliden Teppich ihrer Vagabundenmusik bildet.

Django3000 im Mühldorfer Haberkasten

Müller zupft dazu seine Gitarre, doch das i-Tüpfelchen setzt ein ums andere Mal Florian Starflinger mit seiner Geige. Er steht mal dort, mal da auf der Bühne, kommuniziert mit dem Publikum, ohne dass darunter die perfekte Beherrschung seines Instruments darunter leiden würde. Zwischendrin greift Rasputins Doppelgänger zur Gitarre oder lässt Balaleika-Klänge durch den Haberkasten wirbeln.

...die Zigeuner-Deandln die Nähe zu Sänger Kamil Müller.

Bayerische Mundart gepaart mit modernem Sound: Seit Spider Murphy Gang weiß man, dass das funktioniert. Auch LaBrassBanda hat dies in Perfektion umgesetzt - und dabei bereits Balkan-Beats und Ska in die Musik einfließen lassen. Und es wundert nicht, dass es abermals Chiemgauer sind, die dieses Konzept von Stefan Dettl und Co. ähnlich erfolgreich umsetzen. Die vier Djangos gehen zwar musikalisch in die selbe Richtung, orientieren sich aber mit Kontrabass und Geige an Django Reinhardt, Vertreter des Gypsy-Swing und das große Vorbild: Liedtexte in bayerischer Mundart gepaart mit innovativem Gypsy-Sound, für den am Schlagzeug Jan-Philipp Wiesmann rhythmisch die Strippen zieht. Kein Wunder, dass sich das im März 2012 unter dem Bandnamen "Django 3000" erschienene Debütalbum in den deutschen Albumcharts platzieren konnte.

"Danz, Dirndei, danz", fordert "Django 3000" die 500 Besucher auf, Bassist Michael Fenzl rappt "Disco, Disco, Party, Party". Geiger Florian Starflinger sucht das Bad in der Menge, im Gegenzug dürfen ausgesuchte Mädels auf die Bühne, teilweise im Zigeuneroutfit, um ihre bekannteste Nummer "Heidi" zu spielen. Der Höhepunkt des Abends, dem die Truppe schließlich noch das tieftraurige "Schwarze Augen" als Zugabe folgen lässt. Dann ist das Lagerfeuer aus, die Party zu Ende. Doch der Anfang eines schönen Sommers ist gemacht.

Josef Enzinger (Mühldorfer Anzeiger)

Quelle: rosenheim24.de

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