Leidenschaft für das Abstrakte

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"Blues 1 bis 3" von Inga Aru, Öl auf Leinwand.

Wasserburg (OVB) - Großformatiges, aber auch Serien weniger raumgreifender, sehr interessanter Malereien, farbintensiv und voller künstlerischer Intension, sind derzeit in der Galerie im Ganserhaus in Wasserburg zu sehen.

Ein Künstlerpaar aus dem Norden zeigt dort seine Arbeiten noch bis 22. November. Während sich der aus Lübeck stammende Maler, Grafiker und Bildhauer Wolfgang Gramm der konsequenten abstrakten Malerei verschreibt, zeigen die Arbeiten von Inga Aru neben gegenstandslosen Interpretationen vermehrt Variationen des weiblichen Körpers, den sie auf interessante Weise komponiert.

Die Künstlerin wurde 1964 in Tallinn, Estland, geboren. Nach der Ausbildung in einem Architekturbüro folgte das Studium der Malerei an der Kunstakademie in Tallinn mit dem Magisterabschluss im Jahr 1991. Neben der Malerei und Grafik verschreibt sie sich der Skulptur, die im Rahmen dieser Ausstellung aber nicht zu sehen ist. Inga Aru kann auf zahlreiche Ausstellungsprojekte im Baltikum, Skandinavien, Deutschland, Österreich, Tschechien, Russland, den USA, Japan und Korea zurückblicken. Seit 1993 lebt und arbeitet die Künstlerin in Deutschland.

Betrachtet man ihre Arbeiten näher, entdeckt man eine Malerin, deren Werk Abstraktes und Figurales mit großer Sensibilität verbindet. In expressiv angelegten Farbflächen tauchen plötzlich Elemente der Realität auf. Immer weiter entfernt sich Inga Aru vom Modell, von einer Personifizierung, die sich im Allgemeinen in den Gesichtszügen widerspiegelt, verliert sich in einer Skizzenhaftigkeit, die eine Eigeninterpretation des Betrachters verlangt. Immer wieder greifen realistische Elemente in das überwiegend abstrakte Geschehen ein. Es verbleibt eine Körperlichkeit, deren Ausdruck verblüfft. Wenige, aber gezielt platzierte Linien, kombiniert mit flächigen Farbfeldern, ergeben ein ausdrucksstarkes Ganzes, das die Konzentration auf das Wesentliche beinhaltet. Gerne wählt sie Formate, wie das Quadrat in der Serie "Augenblick X - XIII", in die sich die Frauenfiguren in eleganten Bewegungen einfügen. Extrem gewählte Formate und eine nicht vorhandene Räumlichkeit versetzen die Figuren oftmals in einen schwebenden Zustand. Teils gesichtslos liegt der Ausdruck stark im Körperlichen. Figurale oder abstrakte Elemente wiederholen sich einige Male, erscheinen dem Betrachter vertraut. Allerdings, ein sich kontinuierlich durch ihr Werk ziehender Malstil lässt sich kaum erkennen, vielmehr versucht sich die Künstlerin in immer wieder neuen Herausforderungen, die sich aus einem tiefen Empfinden heraus entwickeln.

Der rein abstrakten Malerei hingegen hat sich Wolfgang Gramm verschrieben, dessen meist großformatiges Werk von einer intensiven Farbigkeit geprägt ist. Eine tragende Rolle spielt hierbei die aufwendige Lasurtechnik. Dicke Pinselstriche in kräftigen Farben überlagern einander. Sie wirken impulsiv, dynamisch, voller Energie.

Aus "Reisebilder 1 bis 4" von Wolfgang Gramm, Öl auf Leinwand.

Wolfgang Gramm wurde 1952 in Lübeck geboren. Der gelernte Grafiker, Maler, Bildhauer und Galerist ist Gründer der "Nord Art", einer der größten Kunstausstellungen Nordeuropas für zeitgenössische Kunst. Er zählt heute zu den besonders konsequenten abstrakten Malern in Schleswig-Holstein.

Die Leidenschaft des Künstlers für das Abstrakte zeigt sich facettenreich. In groß angelegten Formaten entstehen Werke voller Farbintensität und kompositioneller Eigenart, deren Kraft sofort auf den Betrachter überspringt. Die Umsetzungen von Gedanken und Empfindungen, vielleicht beeinflusst von einer Landschaft, alles scheint möglich und erschließt sich dem Betrachter in eigenen Assoziationen. Vieles scheint daher im Unbewussten zu entstehen.

Ausschließlich auf die Fläche bezogen, komponiert Wolfgang Gramm seine wilden Farbflächen. Horizontal, vertikal oder in die Diagonale gezogen, ergeben sich abstrakte Kompositionen, deren Dynamik variiert. Mal ausgeglichen, mal auf Konfrontation ausgelegt, geben die Bilder den Emotionen des Betrachters freien Lauf. Eine konkrete Vorstellung ist möglich, bedeutet Zufriedenheit, vor allem darüber, dass eine Arbeit das eigene Empfinden und Denken erweitert.

Eva Mayer/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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