Szenen eines Geburtstags

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Adam (Benjamin Huber) und Maureen (Elena Schmid) turteln

Feldkirchen-Westerham - Komödie "Glückliche Zeiten" voller Sprüche: "Neulich hat er mich Fettsack in Strumpfhose genannt" beklagt sich die magersüchtige Stephanie über ihren Ehemann Glyn, der es mit der Treue nicht so genau nimmt.

Derlei deftige und oftmals sehr amüsante Sprüche sind in Sir Alan Ayckbourns Komödie "Glückliche Zeiten", die das Kleine Theater der VHS-Feldkirchen-Westerham im Alten Westerhamer Kinosaal zeigte, in großer Anzahl zu finden.

Die junge, engagierte Regisseurin Christine Ackermann (Assistenz Elfriede Grabowsky) wusste die sprachlichen Reize in einer mitreißenden, kurzweiligen Inszenierung auszukosten und gemeinsam mit ihren Schauspielern die einzelnen Rollen-Charaktere detailiert auszuarbeiten. So sorgten die passenden Musikeinspielungen und das dreigeteilte Bühnenbild (Adi Tutsch, Günther Grabowsky) bei der Premiere für reibungslose übergänge von einer Szene zur nächsten und ließen so ein harmonisches Ineinanderfließen von vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Ereignissen entstehen.

Geradezu urkomisch waren die Verwandlungskünste von Schauspieler Markus Völkel, der vier verschiedene Kellner mit unterschiedlichen Kostümen und Dialekten verkörperte und mal als musikalischer Transvestit, dann als freundlicher Restaurantbesitzer oder schließlich als mürrischer Spießer auftrat.

Sehr authentisch wirkte auch das Spiel von Susan Franke, die ihrer Stephanie eine charakterliche Mischung aus naiver Schüchternheit und dem Willen zur Selbstsicherheit verlieh. Gerade auch im unharmonischen Austausch mit Ehemann Glyn (überzeugend: Thomas Hartmann) entstanden recht lebensechte Dialoge.

Ein bizarres und darum desto komischeres Pärchen gaben Benjamin Huber in der Rolle des Adam und Elena Schmid als Friseurin Maurin ab. Die beiden hielten den Zuschauer durch ihr frisches Agieren mit flotter, moderner Konversation stets auf Trab und setzten aussagekräftige körpersprachliche Mittel ein.

Herrliche Glanzpunkte setzte zudem Sonja Harig, die in die Rolle des abgeklärten, hochnäsigen und scheinbar perfekten Geburtstagskindes Laura mit einem Faible für echten Schmuck und für Hunde geschlüpft war und nie um einen großkotzigen Spruch verlegen war: "Gibt es denn eine logische Begründung dafür, warum Eltern automatisch ihre Kinder lieben müssen?". Bei so einer emanzipierten Frau hatte es der arme Gerry (schwungvoll Walter Becke) natürlich alles andere als leicht und musste seine Gedanken mit viel, viel Alkohol ertränken.

Besonders erfreulich war, dass Ackermanns einfallsreiche, durchdachte Inszenierung nie an Tempo einbüßte und zu keiner Zeit langatmig anmutete.

Quelle: rosenheim24.de

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