"Freispruch" - Rosenheimer Poetry-Slam in der Vetternwirtschaft

Keiner weiß, was kommt

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Sprang kurzfristig ein und begeisterte das Publikum mit dem "Nacktbadetag": Mani Eder beim Rosenheimer Poetry-Slam in der Vetternwirtschaft.

Rosenheim (OVB) - Eine moderne Art der Unterhaltung erlebten die Zuhörer beim zweiten Rosenheimer Poetry-Slam in der Vetternwirtschaft.

Bei dieser modernen Form des Dichterwettstreits tragen die Teilnehmer selbst geschriebene und gedichtete Texte vor. Jeder Poet hat in der Vorrunde acht, im Finale fünf Minuten Zeit. Form und Inhalt dieser Texte können die Slam-Teilnehmer frei wählen. Klassische Gedichte kommen genauso vor wie moderne Literatur und Sprachkunst, moderne Lyrik, Kabarett oder Comedy. "Es gibt keine Tabus", sagt "Slam-Master" (Schiedsrichter) Mani Eder. Das Publikum entscheidet mittels Applaus, wer in das Finale kommt. Das Spannende bei einem Poetry-Slam-Abend: Niemand weiß, was auf dem Programm steht.

Weil sich beim zweiten Rosenheimer Poetry-Slam allerdings nur zwei Teilnehmer angemeldet hatten, mussten die Veranstalter improvisieren. Die beiden "Slam-Master", Mani Eder und Ditar Kalaja, beteiligten sich ebenfalls an dem Wettbewerb.

Von einer imaginären, jungen Frau aus der Nachbarschaft erzählte Günther Makulik. Seine überspitzte Geschichte handelte von den außergewöhnlichen Lebensgewohnheiten des "Esoterik-Schwammerls", das im Bioladen einkauft und die Kinder auf den Waldorfkindergarten schickt. Nach der Analyse des "Bio-und-Öko"-Lebensstils entschied sich Makulik zum Schluss: "Ich bleibe lieber ein bodenständiger bayerischer Buddhist."

In Weihnachtsstimmung war Mani Eder. Er berichtete in rasendem Tempo eine Geschichte von Gurus, atomkraftbetriebenen Wärmflaschen, unbezahlbaren Orchideen und Lamm-Ragout. Eder trug seine Verse so schnell vor, dass einige Zuhörer Schwierigkeiten hatten, den Details aufmerksam zu folgen.

Justus Dallmer führte ein Interview mit einem überzeugten Verfechter der Westtangente. Während die eine Hälfte Dallmers, der Journalist, immer wieder vergeblich versuchte, das Gespräch auf das zentrale Thema, die Notwendigkeit der Umgehungsstraße, zu lenken, endete Dallmers zweite Hälfte, der Verfechter des Induvidualverkehrs, schließlich damit wie wichtig die Atomkraft sei.

Ruhig wurde es, als Ditar Kalaja seine Zeilen zum Thema "Zeit" vortrug, die zum Nachdenken anstoßen sollten. Ein starker und vor allem gewagter Kontrast zum Vortrag von Justus Dallmer.

In der zweiten Poetry-Slam-Runde erzählte Mani Eder von einer Fahrt im IC "Hartmut Mehdorn". Er trieb alle Ärgernisse des durchschnittlichen Bahnfahrers auf die Spitze. Die Fahrt begann mit drei Minuten Verspätung, aus denen erst 20 Minuten und später zwei Stunden wurden. Mit der Evakuierung der gesamten Fahrgäste und des Personals endete die Fahrt.

Zum Kreischen brachte Eder das Publikum mit einem Traum. Am Nacktbadetag befand er sich in der Umkleidekabine im Freibad und versuchte sich zu entkleiden. Es gelang ihm aber nicht, immer wieder kam eine neue Badehose in einer anderen Farbe zum Vorschein, begleitet von verschiedenen Geldscheinen in sämtlichen Beträgen, 50, 100 und 250 Euro. Schließlich gelang es ihm doch, sich vollständig für den Nacktbadetag auszuziehen, als plötzlich Pamela Anderson und der Fernsehserienarzt Dr. Gregory House vor ihm standen. Und dann: doch nur ein Traum. Eder wacht auf, das Publikum tobt.

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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