Hubbi und sein kalkuliertes Risiko

+

Rimsting - Der Kramerwirt von Hemhof (Hubbi Schlemer) steht wieder auf der Bühne, mit seinem dritten Stück, dem Musical "Danz Mathilda! (Für oan alloa daats glanga)" - Prädikat "sehenswert"!

Den Begriff "kalkuliertes Risiko" nimmt Hubbi Schlemer selbst mehrmals in seiner Rolle als "Claude" auf der Bühne in den Mund, aber die zwei Worte treffen auch auf sein drittes Stück zu, das Musical "Danz Mathilda! (Für oan alloa daats glanga)", das am Freitag im ausverkauften Rimstinger Gemeindesaal Premiere hatte.

"A Gaudi werds oiwei - Supersongs - was mächst mehra?" kündigte der Stückeschreiber, Sänger, Schauspieler und Regisseur an, der auch als "Kramerwirt" von Hemhof bekannt ist und dort eine Kleinkunstbühne führt.

Das Risiko - das ist klar das selbstgeschriebeneStück, und das Kalkulierte, das ist die hervorragende Band und Schlemers Bühnenpartner, fast allesamt Profis. Schlemer hat in seine Geschichte dazu passende englischsprachige Songs eingebaut, deren Texte er in Mundart übertragen hat und die sich in die jeweilige Szene passend einfügen - als gesungenes Innenleben des jeweiligen Protagonisten - Musical halt.

Weitere Aufführungen im Rimstinger Gemeindesaal im Feuerwehrhaus:

  • Freitag, 20.01.
  • Samstag, 21.01.
  • Freitag, 27.01.
  • Samstag, 28.01.
  • Freitag, 03.02.
  • Samstag, 04.02.

Einlass: 19 Uhr

Beginn: 20 Uhr

Reservierungen : 08053 / 1819

Weitere Infos: hubbi.net

Das Quartett Markus Maier am Bass, Markus Schöberl am Schlagzeug, Alex Mühlbauer am Keyboard und Erich Ruf an der Gitarre tragen in der ersten, deutlich zu langen Hälfte des Stückes (selbst Goethe wird durch kürzen besser!) massiv zum Gelingen des Ganzen bei, denn sie spielen wirklich großartig - so bekannte Nummern wie "You really got me" von Ray Davis von den "Kinks", was hier zum Banken-Song "Ihr saugts mi aus" des chronisch finanzklammen Bernd (Achim Schelhas) umgetextet ist. Dazu dürfen sie als Bar-Statisten auch an der Bühnen-Theke herumstehen - für Musiker sicher auch keine ungewohnte Tätigkeit.

Der unglückliche Held Bernd, der Spielsüchtige, der schicksalhaft der geborene Verlierer ist, hockt neben seiner ständig in sich hineinbrotzeitende Frau Mathilda (Christine Hötzelsberger), die im Laufe der Ehe deutlich zugelegt hat, was der eher schmächtige Ehegatte auch deutlich bemängelt. Als er einige Spielchen mit dem potenten Dorfbegatter und Schwager Anton (Roland Hefter) verliert, geht er auf dessen Angebot ein, falls er die Spielschulden nicht zahlen kann, ihm als Organspender zur Verfügung zu stehen, denn Anton als gelernter Metzger weiß die Innereien zu Geld zu machen.

Tatsächlich legt dann Anton ausnehmend klamaukig zur körperlichen Schuldenentnahme los, wobei Bernd sterbend auf die Melodie von "Bobby Brown" seinen Abschiedssong ins Mikro haucht.

Hubbi Schlemer als Claude und Bruder von Anton ist der moralisierende, philosphierende, schüchterne Schöngeist in diesem Kleinbürger-Gemetzel. Er versucht noch, seinen Schwager Bernd von seinem Spielwahn abzuhalten und rät zu "kalkuliertem Risiko" als Lebensmotto - aber vergebens.

Die sexy Barschlampe Lola (Chrissy Eixenberger), die sich erstmal, der eigenen Not gehorchend, mit Anton vergnügt, erkennt im zweiten Teil peu à peu die Vorzüge von Claude sowohl geistiger als auch körperlicher Art - "dieser Knackarsch" - aber bevor sie ihn erhaschen kann, ist auch Claude eine Leiche. Der vermeintliche Showdown zieht sich etwas in die Länge, bleibt zunächst als vermeintliches Ende rätselhaft, um dann nach kurzem Bühnenumbau zu einem durchaus witzig-überraschenden und turbulenten Schluss zu führen, in dem besonders Achim Schelhas nochmals - nun als Inspektor - einen weiteren fulminanten Auftritt hinlegt.

Alle Protagonisten sind mit Kopfmikrofonen ausgestattet, wobei sich die Amateure - Hubbi Schlemer und Christine Hötzelsberger - in Aussprache und Gesangsmikro-Technik wacker schlagen, aber nicht die Perfektion der drei Profis erreichen.

Auch wenn die Geschichte reichlich krude ist und zwischen derben Sprüchen Antons einerseits und eher schöngeistigen Lebenweisheiten von Claude taumelt, so hat Schlemer doch am Schluss die Kurve noch gekriegt - aber hauptsächlich dank des äußerst spielfreudigen Einsatzes der Bühnenprofis und der Musiker.

Hendrik Heuser (Oberbayerisches Volksblatt)

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Kultur

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser