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Wasserburg - Die Wasserburger Rathauskonzerte laden ein. Zum ersten Mal wird in Wasserburg ein Werk von Karl Amadeus Hartmann gespielt.

Im Rahmen des 4. Abonnementkonzertes der „Wasserburger Rathauskonzerte“ am 23. Oktober 2010 wird zum ersten Mal in Wasserburg ein Werk des bedeutendsten deutschen Symphonikers des 20. Jahrhunderts, Karl Amadeus Hartmann (1905 – 1963), erklingen. Der in Wasserburg geborene Dirigent und einer der international profiliertesten Kenner des Oeuvres Hartmanns, Andreas Hérm Baumgartner, dirigiert das Kammerorchester der Bayerischen Philharmonie (außerdem auf dem Programm: Franz Schuberts „Der Tod und Mädchen“). Um sich dem Werk und der faszinierenden Persönlichkeit des großen Humanisten Karl Amadeus Hartmanns besser annähern zu können, bietet die Stadt Wasserburg in Zusammenarbeit mit der Karl-Amadeus-Hartmann- Gesellschaft e.V. eine Einführungsveranstaltung an. Der Kulturreferent des Landkreises Rosenheim Herr Dr. Klaus Jörg Schönmetzler (Musikwissenschaftler, Dramaturg, Schriftsteller) sowie der Dirigent des Abends, Andreas Hérm Baumgartner (Dirigent, Geschäftsführer der Karl- Amadeus-Hartmann-Gesellschaft e.V.), werden in einem Zweiergespräch versuchen, Hartmanns Spuren während der Jahre 1933 - 1945, also der Zeit seiner selbst gewählten „Inneren Emigration“, zu folgen.

„In diesem Jahr erkannte ich, dass es notwendig sei, ein Bekenntnis abzulegen, nicht aus Verzweiflung und Angst vor jener Macht, sondern als Gegenaktion. Ich sagte mir, dass die Freiheit siegt, auch dann, wenn wir vernichtet werden.“ Karl Amadeus Hartmann Neben dem Biographischen werden dabei die Hintergründe seiner „Gegenaktion“ gegen das Terrorregime und dessen konkrete „Verstofflichung“ im Musikalischen im Mittelpunkt stehen. Denn schon bei seiner ersten Komposition nach 1933 (also nach Hitlers Machtergreifung) änderte Hartmann radikal seine Kompositionsweise und verwendete z.B. bewusst jüdische Lieder wie das „Eliahu ha navi“. Diese und andere jüdische Melodien verschmolz er ganz mit seiner eigenen Klangsprache und verwendete sie in all seinen Werken, die bis 1945 entstanden sind. Für Hartmann war es nicht nur ein Akt demonstrativer Solidarität mit den Verfolgten des Nazi-Regimes (ganz besonders natürlich mit der jüdischen Bevölkerung), sondern eine bewusste „Gegenaktion“ gegen die Machthaber. Wählte er auch in Deutschland die „Innere Emigration“, so versuchte er unermüdlich, im europäischen Ausland Aufführungen seiner Werke zu ermöglichen. Egal ob in Prag, London, Brüssel: seine in musikalische Sprache umgesetzte politische, humanistische und solidarisierende Botschaft wurde gehört und verstanden! Für Vertriebene, politische Exilanten und geflohene Juden bedeutete die Musik Hartmanns die andere „Stimme“ Deutschlands – eine unabhängige, pazifistische, humanistische.

„Ich will keine leidenschaftslose Gehirnarbeit, sondern ein durchlebtes Kunstwerk mit einer Aussage. Es braucht nicht verstanden werden in seinem Aufbau oder seiner Technik, sondern es soll verstanden werden in seinem Sinngehalt.“ Karl Amadeus Hartmann

In der Expressivität seiner Musiksprache, die nicht selten einen schrankenlos wirkenden Selbstausdruck erlangt, in der Dichte und Intensität der Strukturen, in ihrer enormen Steigerung von Tempo und Dynamik, gewinnt Hartmanns Musik ganz eigencharakteristische Züge. Eine Intensität der Klangsprache, die man in ihrer Unmittelbarkeit sofort erkennt und nie mehr vergisst. Hartmann gelang es immer wieder, „letzte Schönheiten“ zu beschwören und seinem Motto, sein Werk solle ein Stück absoluten Lebens darstellen, gerecht zu werden: „Wahrheit, die Freude bereitet und mit Trauer verbunden ist“. Vielleicht liegt darin das Geheimnis seiner betörenden und alle Sinne ansprechenden Musik!

Es erwartet Sie ein spannender Blick in die Werkstatt dieses großen, immer wieder neu zu entdeckenden Komponisten.

Einführungsveranstaltung „Karl Amadeus Hartmann – Das eigene Sein, erlöst in Kunst“:
Beginn: 18.00 Uhr
Dauer: 1 Stunde
Veranstaltungsort: Historischer Rathaussaal Wasserburg
------- Kein Eintritt --------

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Stadt Wasserburg

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