Halbzeit auf Gut Immling

Halfing - Die erste Hälfte des Opernfestivals auf Gut immling ist schon wieder vorbei. Die Höhepunkte waren Carmen, die Spanische und die Romantische Nacht.

„Freude, schöner Götterfunken“ – mit dieser weltberühmten Dichterzeile begann das „14. Opernfestival Gut Immling“ unter der Intendanz von Ludwig Baumann am Sonntag, 20. Juni. Im 700-Plätze-Festspielhaus erklang Beethovens 9. Sinfonie, gespielt vom Radio Sinfonie Orchester Pilsen unter der musikalischen Leiterin des Festivals, Cornelia von Kerssenbrock. Inmitten des Festspielsommers kann man sagen: Dieses geflügelte Wort passt hervorragend auf alle bisherigen Aufführungen (bis Mitte Juli), die vom göttlichen Sommerwetter ebenso verwöhnt wurden wie vom Zuspruch des begeisterten Publikums und der Kritik:

Einer ständigen Entwicklung folgend, hat sich die Vision Ludwig Baumanns, fernab der Städte große Oper zu gestalten, längst erfüllt und das Opernfestival hat sich vom Geheimtipp für Kulturliebhaber zu einem der Höhepunkte im bayerischen Festspielkalender gemausert. Dabei zielt das Festivalkonzept nicht nur auf die ausgemachten Opernliebhaber ab, vielmehr macht es Oper allen Bevölkerungsschichten zugänglich: Mit einem Gesamtpaket aus Kulturerlebnis, kulinarischem Genuss, reizvoller Landschaft und bayerischer Gemütlichkeit. Anders als in den großen Opernhäusern geht es hier kommod zu, die steife Abendrobe weicht schon mal dem Dirndl und zur Pause kann man mit etwas Glück den Sonnenuntergang im Freien genießen.

Bei der ersten Opernpremiere (25. Juni) ist Gut Immling Bayreuth ein Stück näher gerückt, denn die erste Wagner-Oper ist auf „Bayerns zweitem grünen Hügel“ zu sehen: „Der fliegende Holländer“, Richard Wagners romantische Oper über den verfluchten Holländer, den nur die wahre Liebe einer Frau, Senta, erlösen kann.

Bühnenbildner ist der Unternehmer Claus Hipp, Regisseurin Verena von Kerssenbrock mischt in ihrer Inszenierung Elemente des 18. und 20. Jahrhunderts. Es spielen die Münchner Symphoniker unter Cornelia von Kerssenbrock. Den Holländer singt der gefeierte russische Bariton Dimitri Kharitonov, die Senta Inga Balabanova bzw. alternierend Hélène Bernardy, ihren Vater Daland Bass Marek Gasztecki, den liebenden Erik Ralf Willershäuser, die Mary Snejinka Avramova vom Münchner Gärtnerplatztheater und den Steuermann Giorgio Valenta. Einen Tag darauf folgte die Spanische Nacht, eine stimmungsvolle Feria mit andalusischen Pferden, bei der auf Gut Immling dank Paella, Sangria und mediterranen Abendtemperaturen wahrhaft spanische Atmosphäre herrschte. Das Programm hatte Star-Reiterin Andrea Kahn zusammengestellt – mit vielen ihrer Reiter-Kollegen, der mitreißenden Flamenco-Gruppe „La Puerta Flamenca“ und Immlings Sängern.

Beim sonntäglichen Atelierkonzert bei Künstlerin Antje Tesche-Mentzen in Hafendorf begeisterte der russische Pianist Alexander Mogilevsky, viel gerühmter Partner von Weltstar Martha Argerich, mit Werken von Haydn, Schumann, Chopin und Prokofjev. Der Sohn der Künstlerin, Tassilo Tesche, ist bei der zweiten Opernpremiere auf Gut Immling zugleich Bühnenbildner und Regisseur: Er inszenierte Georges Bizets Oper "Carmen" (Premiere war am 3. Juli) im Zirkus-Milieu. Die Titelrolle singt die in Istanbul geborene und in Nizza lebende Mezzosopranistin Karine Ohanyan, die vom Publikum und von der Kritik ob ihrer starken Interpretation zu Recht gefeiert wird. Zitat aus dem „Münchner Merkur“:

„Besonders wenn man eine so intelligent gestaltende Titelheldin wie Karine Ohanyan hat, die geschickt allen Carmen-Klischees aus dem Weg geht. Die in Frankreich lebende Sängerin mit armenischen Wurzeln bringt dabei darstellerisch wie stimmlich alles mit, was die Rolle braucht. Ganz ohne gewollt laszive Verrenkungen baut Ohanyan auf subtile Rhetorik und die sinnliche Kraft ihres Mezzos, unter dessen samtiger Oberfläche ein kleiner Vulkan zu brodeln scheint. Keine Frau, die sich den Männern an den Hals wirft, sondern eine, die sie schon mit kurzen Blicken zu locken versteht.“ Die Partie der Micaela ist mit der jungen Rosenheimerin Sieglinde Zehetbauer besetzt, den Torero Escamillo singt der georgische Tenor Michael Bachtadze, der verliebte Don José trägt den sprechenden Namen Gustavo Casanova, Mercedes ist Melanie Arnhold, Frasquita wird gesungen von Xerach Alonso, die bereits beim „2. Internationalen Lions-Gesangswettbewerb Gut Immling“ das Publikum begeistert hat.

Kapsung Ahn, der Gewinner des 1. Gesangswettbewerbs, ist in der Doppelrolle des Morales und Dancairo dabei, Alik Ibrahimov singt den Remendado. Auch hier spielen die Münchner Symphoniker unter Cornelia von Kerssenbrock, und es singt der große Festivalchor Gut Immling sowie der Kinder- und Jugendchor Gut Immling. Dank des heißen Sommerwetters konnte nach der „Spanischen Nacht“ auch der „Romantische Liederabend“ am 8. Juli Open Air stattfinden. Es war ein Abend für Kenner, die dazu den perfekten romantischen Immling-Sonnenuntergang bekamen!Das Festival erfuhr dieses Jahr eine hohe mediale Aufmerksamkeit. So gab es im TV drei Beiträge des Bayerischen Fernsehens, zwei von SAT 1 Bayern, im Rundfunk Kritiken bei BR Klassik, Vorberichte z. b. bei SWR, und die Printmedien nahmen gern Bühnenbildner Claus Hipp zum Anlass für Berichte oder sie porträtierten Mitglieder des viel gelobten Festivalchors Gut Immling.

Pressemeldung Opernfestival Gut Immling

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © pa

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