Grüne Jugend: Reggae-Festival und Atomausstieg

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Traunstein - Eine eigene Position zum Chiemsee Reggae Festival wurde am Samstag bei der Mitgleidersammlung der Grünen Jugend beschlossen. Stein des Anstoßes: der Musiker "Capleton"!

Bei der Mitgliederversammlung der Grünen Jugend Südost am vergangenen Samstag in Traunstein wurde eine Position zum Chiemsee-Reggae-Festival beschlossen - eine, die von der des Landesverbands der Grünen Jugend abweicht. Dieser forderte in einer Pressemeldung vom 22. Juli die Absage des Konzerts des jamaikanischen Musikers "Capleton", der wegen schwulenfeindlicher Texte stark umstritten ist.

Capleton habe zwar erklärt, keine schwulenfeindlichen Texte mehr zu singen. Dies wird von der GJ Bayern aber nicht als ausreichend erachtet. Der Sprecher der GJ Südost Alex Reitzenstein erläuterte hingegen, dass Capleton eine Erklärung abgegeben habe, dass er die einschlägigen Textzeilen nicht mehr singen werde und sich von Gewalt ausdrücklich und langfristig distanziere. Der Kompromiss sei zu begrüßen. Sabine Ponath argumentierte: „Dass Capleton nach wie vor kein Freund von Homosexualität ist, ist klar. Wichtig ist, dass er dies nicht in seiner Musik oder in öffentlichen Statements nach außen trägt, sondern dass er zu seiner abgegebenen Erklärung steht. Zum anderen muss aber auch klar sein, dass es sich für Musiker lohnen muss, wenn sie der Gewaltverherrlichung und Diskriminierung abschwören.“ Sobald ein Musiker den Reggae Compassionate Act oder ein ähnliches offizielles Statement unterzeichnet habe, müsse dies positiv bestärkt werden. Der Landeschef der bayerischen Grünen Dieter Janecek und die Traunsteiner Kreisvorsitzende Sabine Ponath betrachten die Situation deshalb anders als die Grüne Jugend Bayern.

Sabine Ponath fügte hinzu: „Die Selbstverpflichtung der Veranstalter für die Buchung von Musikern ist ein enormer Meilenstein.“ Besonders wichtig sei aus ihrer Sicht der Abschnitt, in dem die Veranstalter erklären, keine Musiker mehr einzuladen, die den Reggae Compassionate Act oder eine vergleichbare Erklärung unterzeichnet und danach dagegen verstoßen haben. Die Vachendorferin Sabine Ponath erklärte weiter: „Im Prinzip wurden unsere bisherigen Forderungen damit voll und ganz erfüllt.“ Die Mitglieder der GJ Südost stellten sich einstimmig hinter Dieter Janecek und Sabine Ponath und gegen das von der GJ Bayern angekündigte Boykott des Chiemsee-Reggae-Summer.

Abgesehen davon bestimmte vor allem die Diskussion zum Atomausstiegsbeschluss der Grünen die Mitgliederversammlung der GJ Südost. Beisitzer Benedikt Meisenecker aus Siegsdorf gab zu bedenken: „Für mich ist es ein „Ja, aber“-Beschluss. Ich hoffe, dass das auch in der Bevölkerung so ankommt.“ Ganz zufrieden sei er nämlich nicht mit dem Gesetzespaket. Maximilian Laufenböck stimmte zu: „Ich war mir am Anfang auch nicht sicher, ob man dem zustimmen kann – jetzt sind wir halt als Grüne gefordert, möglich schnell anzupacken und die Erneuerbaren schneller voran zu bringen.“ Mina Bauer aus Traunstein machte klar: „Ich unterstütze den Beschluss absolut. Dass es soweit kommt, hätte man doch vor zwanzig Jahren niemals gedacht!“ Benedikt Meisenecker warf trotzdem ein, dass ein Ausstieg laut Umweltbundesamt bis 2017 möglich sei und dies weiterhin als politisches Ziel angestrebt werden müsse.

Sprecher Alexander Reitzenstein kommentierte die Regierungskoalition: „Schwarz-Gelb hat in Sachen Energiewende die letzte Glaubwürdigkeit verloren und fehlende Kompetenz bewiesen– die nächste opportunistische und prinzipienlose 180 Grad Wende werden wir verhindern! Der Atomausstieg ist urgrün, endgültig und uneingeschränkt der Verdienst der Anti-Akw Bewegung!“ Sprecherin Katharina Aschauer aus Bad Reichenhall wies auf das weltweite Medienecho hin: „Die ganze Welt hat auf Deutschland geschaut. Wir können diese Chance jetzt nutzen und es den anderen vor machen, dass der Atomausstieg möglich und noch dazu ein Wirtschaftsfaktor ist.“ Veronika Vogel aus Ramsau stützte den Beschluss ebenfalls: „Die Grünen sind eine Anti-Atom-Initiative der ersten Stunde. Wenn wir nicht zugestimmt hätten, wäre es mit unserer Glaubwürdigkeit dahin gewesen.“

Pressemitteilung Grünen Jugend Südost

Quelle: rosenheim24.de

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