Ein großes Finale beim "Festivo"

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Das letzte "Festivo"-Konzert der Saison 2010 im Preysingsaal des Schlosses Hohenaschau mit Christiane Steffens, Muriel Cantoreggi, Johannes Erkes, Zvi Meniker, Alasdair Tait und Anne Schinz.

Aschau - Christiane Steffens und Festivo-Leiter Johannes Erkes gestalteten das Finale des Aschauer Kammermusik-Festivals „Festivo“ mit einem Quartett von Carl Philipp Emanuel Bach.

Wenn es nach Zvi Meniker geht, hat Carl Philipp Emanuel Bach sein Quartett Wq 95 (H539) von 1788 nur für Klavier, Flöte und Viola komponiert. Die zusätzliche Bass-Stimme, die nachträglich für Cello ergänzt wurde, sei nicht verschollen. Natürlich bleiben bei dieser Theorie viele Fragen offen. So hatte sich die Standard-Besetzung des Klavierquartetts mit Cellostimme eigentlich ziemlich rasch durchgesetzt. Nicht zuletzt wirkt das Werk ohne Bass klanglich unausgewogen.

Das zeigte sich beim Aschauer Kammermusik-Festival "Festivo", wo Meniker das Werk mit Christiane Steffens (Flöte) und Festivo-Leiter Johannes Erkes (Viola) gestaltete. Auch diesmal saß Meniker am Hammerflügel, und leider war seine Trefferquote im langsamen Mittelsatz noch ausbaufähig. Vor allem jedoch zeigte dieses zweite Gastspiel von Meniker, mit dem das diesjährige "Festivo" ausklang, dass Meniker nur eingeschränkt ein umsichtiger Kammermusikpartner ist.

Deswegen hatte Muriel Cantoreggi in der frühen Violinsonate von Wolfgang Amadeus Mozart etwas Mühe, gegen das Hammerklavier anzukommen. Tatsächlich verrieten die "Zehn Variationen über 'La stessa, la stessissima' von Salieri" WoO 73 für Klavier von Ludwig van Beethoven und die Kammerfassung von Joseph Haydns Sinfonie Nr. 104, dass Meniker zuvorderst ein Solist ist oder, dass er im quasi-sinfonischen Klangraum besonders aufblüht. Gerade die Haydn-Sinfonie gelang mit ungeheuer viel Biss und Verve.

Noch dazu schenkte die Kammerfassung für Klavier, zwei Violinen, Flöte, Viola und Cello (Alasdair Tait) aufregend neue Einblicke in Form und Struktur dieser Sinfonie. Mit der 1987 geborenen Anne Schinz strich zudem eine Junggeigerin die zweite Violine, die man nicht nur bei "Festivo" gerne wieder erleben würde. Feinfühlig lebte sich die Stipendiatin der Münchner Philharmoniker, die zugleich im Freiburger Klaviertrio streicht, in das Ensemblespiel ein. Sie achtete sehr auf den Gemeinklang und setzte dabei nuancierte Akzente.

Flötistin Steffens begeisterte hingegen schon im Final-Presto aus dem Quartett von Bach mit äußerst präziser Artikulation, und so endete auch diesmal das "Festivo" erfolgreich. "Die Konzerte waren fast vollständig ausgelastet", konnte Erkes berichten. Das ist erstaunlich, denn: "Wir hatten diesmal neun Konzerte, im vorigen Jahren waren es sieben." Trotzdem seien mehr Karten verkauft worden als 2009, so Erkes auf Nachfrage. Bis auf die Gastspiele des russischen Pianisten Valéry Afanassiev wurden künstlerisch einmal mehr große Konzertabende geboten, die im Gedächtnis bleiben.

Die Premiere, dass heuer mit dem Hammerklavier der Originalklang gepflegt wurde, soll künftig regelmäßig fortgesetzt werden. "Wenn es um die historische Aufführungspraxis geht, gibt es bei uns in der Region noch Nachholbedarf", meint Erkes. Im nächsten Jahr könnte ein Abend mit Cembalo oder auch Barockvioline auf dem Programm stehen. Dagegen möchte Erkes die Abende mit Klavier etwas reduzieren. Ob hingegen auch die zeitgenössische Musik wieder stärker angeboten wird, ließ Erkes offen. Wünschenswert und notwendig wäre es jedenfalls.

Quelle: rosenheim24.de

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