„Free Solo“: Frei und so verwundbar

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Traunstein (ma) - Extremkletterer Alexander Huber aus Traunstein hat einen Bildband über die wohl verrückteste, aber mit Sicherheit auch faszinierendste Spielart des Kletterns veröffentlicht: "Free Solo", das Klettern ohne Seil, ohne Sicherung, ohne technische Hilfsmittel - einfach frei!

Oft viele 100 Meter hängt der Kletterer in schwierigen Routen über dem Grund, konfrontiert mit dem Tod, vor dem ihn nur die Kraft seiner Finger schützt. Wenn der Traunsteiner Extremkletterer Alexander Huber darüber schreibt, findet er Sätze, die das genaue Gegenteil beschreiben: "Free Solo, die Freude am intensiven Leben" heißt es in seinem neuen Buch über das Klettern ohne Seil. Er beschreibt es als eindrücklichste Erfahrung seiner Lebendigkeit, als unmittelbarste Möglichkeit des Einstiegs in die Vertikale, als Auseinandersetzung mit der unveränderten Urkraft der Natur. "Ich bin frei und doch so verwundbar."

Der Eindrücklichkeit dieser Erfahrung kann sich der Leser und Betrachter der großformatigen Fotos in dem üppig bebilderten Band nicht entziehen. Er blickt in konzentrierte, in angststarre, in euphorisch gelöste Mienen; er entdeckt Körper, die völlig verloren an riesigen Granitwänden kleben; er sieht Finger, die kaum in einem winzigen Loch des Felsens verschwinden und an denen doch ein ganzes Menschenleben hängt.

Nicht allein die beeindruckenden Fotos und die bislang kaum aufgearbeitete Geschichte des Solo-Kletterns, wie Huber sie liefert, machen das Buch attraktiv. Es sind vor allem die Texte, in denen er andere Kletterer zu Wort kommen lässt. Sie geben dem ungesicherten Klettern Namen und Gesichter, erzählen von Freude und Verzweiflung. Der Leser bekommt direkte Eindrücke in das Leben und die Angst dieser extremen Menschen, ohne dass sich die Distanz verringerte: Der Deutsche Wolfgang Güllich, die Amerikanerin Steph Davis, der Franzose Alain Robert, sie bleiben fern.Alexander Huber selbst schreibt über seinen "langen Weg" zum Free Solo. Er schreibt über "schwarze Gedanken" die ihm in der Nacht vor der Solo-Durchsteigung der 500 Meter hohen Nordwand der Großen Zinne in den Dolomiten durch den Kopf gehen. Die Frage, wie es sich wohl anfühlt, wenn der Griff ausbricht, der Körper in die Tiefe rast und unten im Schuttkar zerschlagen liegen bleibt. Dem Leser bleibt zumindest ein wohliger, voyeuristischer Schauer. Vielleicht nähert er sich darüber hinaus den Gedanken des Menschen näher, der einsam an fünf Fingern in der Wand hängt, einem Symbol für die Vergänglichkeit aber auch den Selbstbehauptungswillen allen Lebens. Alexander Huber schreibt: "Mehr als bei anderen Erlebnissen bleiben diese Eindrücke durch die zwangsläufige Auseinandersetzung mit dem Tod tief in der Erinnerung verankert. Es sind Eindrücke aus einer anderen Wirklichkeit. Alexander Huber, Free Solo, BLV Buchverlag, München 2009, 160 Seiten mit 107 Fotos, 29.90 Euro

hon

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Heinz Zak/blv

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