Filmrolle auf einen Blick bekommen

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v.l. Sina Hentschel, Thomas Jakob Renner, Sheila Malek

München - Glück muss man haben – aber eine passende Ausbildung für ein Traumziel schadet auch nicht. So lässt sich die aktuelle Lebensphase von Thomas Jakob Renner kurz umreißen.

Der 40-jährige Münchner begann sein Berufsleben als Elektroschaltanlagen-Installateur und machte sich später in der Kommunikationsbranche im Vertrieb selbstständig. Vor fünf Jahren schloss Renner eine Ausbildung an der privaten Münchner Schauspielakademie ab und hatte bereits 2004 in der Fernsehserie Pfarrer Braun mit Ottfried Fischer eine Rolle.

Der Münchner Regisseur Klaus Lemke, der 1967 mit „48 Stunden bis Acapulco“ erstmals bekannt wurde, mittlerweile über 30 Filme gedreht hat und als Entdecker der Schauspieler Dolly Dollar, Wolfgang Fierek und Cleo Kretschmer gilt, dreht seine Werke meistens mit Laiendarstellern und arbeitet als unabhängiger Regisseur öfters auch fürs Fernsehen. Immer wieder ist er auf der Suche nach neuen, unverbrauchten Gesichtern, die in seine Geschichten passen. Renner, der inzwischen in Rosenheim als Gaststättenbetreiber tätig ist, sah im Internet ein Interview mit Lemke, bei dem dieser eine charakteristische Kappe trug. Lemke wohnt an der Ecke Amalien-/Schellingstraße in Schwabing, wo sich auch sein Stammcafé befindet. Renner saß im Mai in diesem Café und telefonierte, Lemke draußen. Durch Zufall gab es einen kurzen Blickkontakt, Renner erkannte den 69-jährigen Regisseur an der Kappe aus dem Interview und sprach ihn beim Verlassen des Cafés an.

„Es war sein düsterer Blick“ antwortete Lemke auf die Frage, warum er Renner spontan eine Rolle in seinem neuen Filmserie „...aber Hauptsache München“ für das Bayerische Fernsehen anbot. Lemkes aktuelles Thema ist das Leben junger Menschen in München. Sein neuer, soeben vorgestellter Film „Schmutziger Süden“ beschäftigt sich mit diesem Thema. „München ist so kaputt und verspießert“, schimpfte der Regisseur bei einem Telefongespräch mit der OVB-Redaktion, „da sind nur noch die Söhnchen von reichen Starnbergern unterwegs.“ Er will nach der abgenudelten Schickimicki-Szene eine neues, anderes München vorführen. In „Schmutziger Süden“ zieht ein junger Hamburger, der bei den dortigen Mädchen nicht landen kann, nach München und wird an der Isar zum erfolgreichen Frauenverführer.

„Dabei will ich zeigen, wie junge, hungrige Leute, die so sehr die Liebe wollen, ihrer doch nicht habhaft werden.“ Lemke möchte die jungen Mädchen der Jetztzeit zeigen, die 19, 20 Jahre alt, in der Ausbildung zur Sekretärin, mit wenig Geld ihr eigenes Leben beginnen. „Der Film ist eigentlich eine Hymne an München und die Münchner Mädchen.“ Denn: Die hiesige Subkultur, so Lemke, mache inzwischen ein ganz anderes Ding und lasse sich nicht mehr an den Ansprüchen der restlichen Republik messen – und die Münchner Schickeria sei ohnehin nur noch Legende. Als besonderes Aperçu in diesem Zusammenhang spielt in „Schmutziger Süden“ Michael Grater den Klatschreporter Michael Graeter. „Weil wir uns lange kennen, kam ich auf die Idee, ihn mitzubesetzen“, so Lemke.

Zurück zu Lemkes neuer München-Serie, die nächstes Jahr gedreht werden soll. Das Thema von „Schmutziger Süden“ wird dabei weiter verfolgt, und Thomas Jakob Renner soll darin einen „Bösen“ spielen, den Chef einer Friseurladenkette. Renner fasziniert das Projekt: „Lemke macht Filme mit Themen, die Menschen berühren – und da möchte ich mitmachen.“ Es gehe sowohl dem Regisseur als auch ihm darum, alltägliche, die Menschen belastende Themen aufzugreifen und sie schauspielerisch zu verdeutlichen, um die Problematik wieder ins Bewusstsein zu bringen.

von Hendrik Heuser/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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