"Faszinosum Ludwig II."

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Gemeinsam freuen sie sich auf eine besondere Ausstellung im nächsten Jahr im Schloss Herrenchiemsee (von links): Dr. Richard Loibl, Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte, Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner, Finanzminister Georg Fahrenschon, Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch, Landrat Josef Neiderhell, Georg Huber, Bürgermeister der Gemeinde Chiemsee, und Michael Feßler von der Chiemseeschifffahrt.

Chiemgau - Er ist der bekannteste bayerische Herrscher, Touristen aus aller Welt besuchen seine Schlösser Herrenchiemsee, Neuschwanstein und Linderhof: König Ludwig II. 

Und sein rätselvoller Tod im Starnberger See beflügelt die Phantasie der Menschen. König Ludwig II. (1845 bis 1886) fasziniert auch heute noch die Massen. Erstmals steht der Herrscher aus dem Hause Wittelsbach 2011 im Zentrum einer Bayerischen Landesaustellung. "Götterdämmerung. König Lugwig II." lautet der Titel für den Rückblick in die Geschichte. Die Ausstellung ist von Mai bis Oktober im neuen Schloss auf Herrenchiemsee zu sehen.

Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch, Finanzminister Georg Fahrenschon, Landrat Josef Neiderhell und Dr. Richard Loibl, der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte (HdBG), haben am gestrigen Freitag die Pläne vor Ort präsentiert. Auf dem altehrwürdigen Schaufelraddampfer "Ludwig Feßler" der Chiemseeschifffahrt widmeten sie sich der schillerndsten Gestalt der weiß-blauen Geschichte: jenes Monarchen, den die einen als Lichtgestalt der bayerischen Monarchie feiern und den die anderen als Regenten abqualifizieren, der seinen Herrscheraufgaben nicht nachkam und in seinem Verhalten Züge einer Geisteskrankheit offenbarte.

2011 jährt sich der Todestag des "Kini" zum 125. Mal. Aus diesem Anlass präsentiert das Haus der Bayerischen Geschichte mit der Bayerischen Schlösserverwaltung und dem Landkreis Rosenheim neue Sichtweisen auf das Leben König Ludwigs II. und auf das Land Bayern in der Umbruchszeit zu Beginn der Moderne.

Schloss Herrenchiemsee sei ein "grandioser Ort", betonte Wissenschaftsminister Heubisch. Ludwig II. habe Bayern durch seine Schlösser "unsterblich gemacht", gleichzeitig aber auch Bayern "an den Rand des Ruins" getrieben. Die "Götterdämmerung" werde sicher ein "ganz, ganz großer Erfolg". Schließlich habe das Haus der Bayerischen Geschichte gerade auch mit der Landesausstellung in Würzburg über das Wirtschaftswunder seine Kompetenz einmal mehr unter Beweis gestellt.

Die Ausstellungsmacher wollen das Leben von Ludwig II. als Drama inszenieren. Im ersten Raum - unser Bild zeigt eine Computeranimation - dreht sich alles um das Thema "Wie aus Ludwig ein König wurde".

Die "Götterdämmerung" leuchte das "Faszinosum Ludwig II." in einem seiner Schlösser aus, betonte Finanzminister Fahrenschon. Nicht die Kompetenz, nicht die Macht habe den König für die Nachwelt interessant gemacht. Bleibenden Eindruck hinterlassen habe er vielmehr mit seiner "Andersartigkeit". Fahrenschon über Ludwig II: "Er tickte einfach anders als seine Herrscherkollegen." Ihn habe eine "Aura des Besonderen" umgeben. Wegen seines Lebensstils, auch weil er sich mit zunehmendem Alter immer mehr von den Menschen abgewandt und die Einsamkeit in seinen Schlössern gesucht habe, "schieden und scheiden sich die Geister" an dem Herrscher.

Ludwig II. bleibe auch aufgrund seiner Bauten in der Erinnerung der Menschen. Seine Schlösser seien - so der Finanzminster, dem sie unterstehen - "heute noch begehbare Illusionswelten" eines faszinierenden Herrschers.

Räume sollen auch in Zukunft nutzbar sein

Sie seien ein "einzigartiger Schatz". Insbesondere Neuschwanstein und Herrenchiemsee seien eine "Klasse für sich". In seinen Schlössern habe Ludwig II. ganz allein für sich eine Art "Theaterwelt" aufgebaut. Er sei alles zusammen gewesen: Regisseur, Zuschauer und "vielleicht auch Darsteller".

Die "Götterdämmerung" bricht sich im Schloss Herrenchiemsee in Räumen Bahn, die bislang nicht zugänglich waren. Fahrenschon sprach davon, sie auszubauen und dann die Türen zu öffnen. Und nach dem Rückblick auf Ludwig II. und seine Zeit können sie Platz für weitere Ausstellungen und andere Nutzungen bieten.

Der Finanzminister betonte, dass die Landesausstellung auf Herrenchiemsee auch den Tourismus begünstigen werde. Fahrenschon sprach von einer "einmaligen Chance", den Chiemgau "mit Ludwig II. als Leitfigur" zu präsentieren.

"Das Bild Ludwigs II. ist sehr vielschichtig, aber auch überdeckt von Klischees", sagte Loibl. Der Direktor des Hauses der Bayerischen Geschichte will mit diesen Vorstellungen aufräumen und den Blick auf Ludwig II. und seine Zeit freilegen. Loibl sprach von einer "Zeit des Umbruchs": Die "alte Welt" sei zu Bruch gegangen, die neue heraufgedämmert. Bayern habe seine Selbstständigkeit aufgeben müssen und sei in einem "militaristischen Preußen" aufgegangen.

Landrat Neiderhell sprach von einer "Riesen-Freude für den Landkreis". Auch er hoffte, dass der Tourismus durch die "Götterdämerung" einen Schub erfahre - und dass die Zahl der Besucher, die sich pro Jahr auf die Herreninseln begeben, von 420000 "auf das Doppelte steigt".

Die Ausstellungsmacher wollen hochwertige Exponate zeigen und mit allen möglichen technischen Hilfsmitteln Inszenierungen in den Räumen schaffen. Sie planen, das Leben des Märchenkönigs in einer Art Drama zu erzählen - vom ersten Akt "Wie aus Ludwig ein König wurde" bis zum letzten "Wie Ludwig starb und ein Mythos entstand".

pü/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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