Ensemble spielt "Der eingebildete Kranke"

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Molière in der Rosenheimer „Theaterinsel“ (von links): der eingebildete Kranke (Herrmann Neuner), dahinter Toinette (Lisa Lechner) und rechts Angélique (Mira Huber).

Rosenheim - Der Rosenheimer Regisseur Toni Müller inszenierte jetzt Molières geistreiche Komödie "Der eingebildete Kranke" mit einem neu zusammengesetzten Ensemble der „Theaterinsel“.

Ursprünglich sollte die Premiere im Rosenheimer Freibadgelände über die Bühne gehen, doch bei der heranziehenden Schlechtwetterfront wich man lieber in die nahegelegene „Theaterinsel“ aus. Freilichtaufführungen sind in diesem nassen Sommer ein wahres Lotteriespiel.

Er ist ein rechter Hypochonder, der Herr Argan, dem Molière in seinem 1673 verfassten und beliebtesten Stück „Der eingebildete Kranke“ ein Denkmal gesetzt hat. Molière zeichnet in seinem letzten Werk noch einmal eine glänzende Charakterstudie und geißelt die allzu menschliche Schwäche, die Sorge ums eigene Wohlbefinden. Besonders männliche Exemplare dieser Spezies sind bis heute in keiner Weise ausgestorben. Müller zieht in seinem Vorwort im Programmheft einen Vergleich zwischen „der Schule der Frauen“ und dem „eingebildeten Kranken“. Beide Stücke inszenierte der Regisseur bereits früher.

Moliére, der bei der Uraufführung im Palais Royal in Paris die Rolle des Argon selbst spielte, brach bei der vierten Aufführung zusammen und starb wenige Stunden später. Man könnte dies als Rache der Medizin auslegen, die Molière zusammen mit dem Ärztewesen in seiner Satire heftig anprangert. Zentriert steht auf der Bühne der Theaterinsel ein großer Sessel mit voluminösen Kissen, Ruheplatz für Argon, den Herrmann Neuner mit Gestöhne, Hustenanfällen und am Stock hinkend, gleich zu Beginn in Szene setzt. Gelb ist seine Schlafmütze, grüngelb sein Teint. Seine Aggressionen lässt er an Toinette, dem Hausmädchen, aus. Lisa Lechner bringt diese pfiffige Person temperamentvoll und witzig zur Wirkung.

Dass beide Darsteller oft so lautstark agieren, ist möglicherweise dem Umstand zuzuschreiben, dass die hohen Dezibelwerte eigentlich für das Spiel im Freien vorgesehen waren. Denn wenn der Kranke auch über alle möglichen Probleme klagt, taub ist er beileibe nicht!

Mira Huber als Argans Tochter Angélique, überzeugt von Beginn, artikuliert ausgezeichnet und setzt das junge Mädchen in all ihren Emotionen authentisch in Szene. Angélique soll einen Arzt heiraten, der ihrem Vater als Quelle für seine Arzneien diene.

Monsieur Diafoirus (Christian Wahnschaffe) macht also mit Sohn Thomas (Bernhard Burgstaller als verklemmter Streber), der seine erste medizinische Prüfung bestand, seine Aufwartung bei Argan. Doch dessen Tochter findet den Sohn schrecklich und seine gedrechselten akademischen Redensarten lächerlich. Ihr Herz gehört Cléante. Alexander Rademacher ist als dieser in purpurnen Kniehosen und orangefarbenem Samthemd ein überaus schmucker, verliebter Bursche.

Argans zweite Frau Belinde (Eva Heime), eine üble Lügnerin, will mit falschen Schmeicheleien von ihrem Gatten als Alleinerbin eingesetzt werden. Ein Notar (Christian Swoboda näselt in der Persiflage dieser Figur recht übertrieben) soll ihr behilflich sein bei ihrem Plan, der ihr beinahe gelingt. Natürlich dürfen auch ein Apotheker (Robert Reichert), ausgestattet mit einem Riesenklistier, sowie ein geldgieriger Arzt, Monsieur Purgon, (Klaus Wiegand) in Erscheinung treten.

Sehr sympathisch gestaltet Günter Hendrich Argans Bruder Béralde, und köstlich agiert Anna Eder in der Rolle der zweiten Tochter Louison. Am Ende wird die Falschheit von Béline durch Toinettes List aufgedeckt und Angèlique für ihre echte Vaterliebe belohnt: Sie bekommt ihren Cléante.

Es gibt viel Amüsement in dieser Komödie und man wünscht dem Regisseur mit seinem spielfreudigen Ensemble, dass das Stück auch noch im Freien über die Bühne gehen kann.

Weitere Aufführungen sind am 12., 13., 14., und 15. August, jeweils um 20.30 im Freibadgelände vorgesehen. Bei schlechtem Wetter wird in der angrenzenden „Theaterinsel“ gespielt. Karten gibt es an der Abendkasse.

Margrit Jacobi (Oberbayerisches Volksblatt)

 

Quelle: rosenheim24.de

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