Max Raabe zu Gast im KuKo

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Max Raabe Fot

Rosenheim - "Ich bin nur wegen Dir hier", singt Max Raabe mit treuherzigem Blick im vollbesetzten Saal des KuKo in Rosenheim.

Und natürlich glauben es die Zuhörer, auch wenn der Sänger im sonst regungslosen Gesicht dabei leicht die rechte Augenbraue anhebt. Max Raabe und sein Palastorchester haben mit diesem Lied noch weitere neue Lieder ihrer aktuellen CD "Küssen kann man nicht alleine" mitgebracht. Raabe hat sie gemeinsam mit Annette Humpe geschrieben. Die Texte sind witzig und überraschend, aber auch voll heiterer Melancholie, wenn sie Max Raabe mit seiner sanften Stimme nicht nur vorträgt, sondern regungslos vor dem Standmikrofon stehend zelebriert.

Da ist der Geheimagent kein lässiger Verführer, sondern ein schüchterner Mensch, ebenso wie der Mann, der sogar von einer ICE-Schaffnerin so erotisch überwältigt wird, dass er in Ohnmacht fällt. Die Melodien dazu, besonders der Titelsong "Küssen kann man nicht alleine", sind eingängig, aber etwas zu einfach gestrickt.

Auch die Arrangements mit zu starkem Bläsersatz sind nicht so geschmeidig einschmeichelnd und swingen nicht so frisch und frech wie die alten Schlager aus den 20er- und 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Die hat Max Raabe teilweise neu ausgegraben und nach Rosenheim mitgebracht. Sie füllen den Großteil des Programms.

Die Texte sind leicht frivol und witzig wie bei "Pauline" aus dem Jahr 1928, wenn es heißt "Wenn ich Liebe brauch, geh ich zu Pauline" oder bei "Frauen brauchen immer einen Hausfreund". Beide Male stammt der Text von Fritz Rotter. Dann wieder sind die Zeilen völlig sinnfrei wie beim berühmten "Ich wollt ich wär ein Huhn" oder bei "Mein Gorilla hat 'ne Villa im Zoo" mit dem Text von Hans Albers.

Und Max Raabe singt auch die melancholisch ernsten Lieder wie "Eine Liebelei so nebenbei" oder das immer ergreifende "Irgenwo auf der Welt" von Robert Gilbert mit der Melodie von Werner Richart Heymann aus dem Jahr 1931, das wie viele andere Stücke durch die Comedian Harmonists berühmt wurde.

Unnachahmlich präsentiert Max Raabe diese Lieder mit leichtem, etwas näselndem Tenor, kaut dabei die Vokale heraus und artikuliert dennoch so klar und verständlich, wie es kein neuzeitlicher Schlagersänger schafft. Unnachahmlich verbindet er die Stücke in seiner Moderation mit hintergründigem Humor und gedrechselten Sätzen. Da darf man auch Weisheiten hören wie, dass seit Erfindung der Thermopenscheiben kein Mann mehr ein Ständchen singt, "dafür sinken die Heizkosten und die Geburtenraten".

Dazu spielt Raabes famose Kapelle mit einem Klang wie vom Grammophon oder aus dem Röhrenradio. Die Musiker und die Dame an der Geige sind keine bloße Begleitband, sondern das Palastorchester macht Max Raabe erst zum Star. Bei "Over my shoulder" aus dem Jahr 1934 hört man grandiosen Swing mit besten Improvisationen.

Am Schluss gab es einen für Rosenheim riesigen Applaus mit rhythmischem Klatschen und Fußgetrampel und natürlich einige Zugaben. Da erklangen das wiederum völlig sinnfreie "Dort tanzt Lulu" mit einem glockenspielenden Orchester und zuallerletzt das kleine sanfte, betörende "Schlaflied" von Max Raabe und Annette Humpe, das auch auf der neuen CD zu finden ist. Dieses Lied hat die Qualität, nicht vergessen zu werden.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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