„Dinner for one“ im Kultur- und Kongresszentrum

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"I'll do my very best", verspricht Butler James Miss Sophie, als er sie aus dem Eßzimmer hinausbegleitet.

Rosenheim - Wer kennt ihn nicht, den berühmten Sketch „Dinner for one“? Jetzt brachte die „American Drama Group Europe“ das Stück auf die Bühne des Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrums.

„The same procedure as last year?“, fragt James, der Butler, und Miss Sophie antwortet im Brustton der Überzeugung: „ The same procedure als every year!“ Wer kennt ihn nicht, den berühmten Sketch „Dinner for one“, der seit seiner Premiere 1967 im NDR, jedes Jahr zu Silvester die deutschen Fernsehzuschauer erfreut? Der englische Komiker Freddy Frinton in der Rolle des Butlers war auch der eigentliche Schöpfer der Geschichte um den 90. Geburtstag von Miss Sophie, dargestellt von May Warden.

Jetzt brachte die "American Drama Group Europe" das Stück auf die Bühne des Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrums, und wieder einmal bewahrheitete sich die Erkenntnis, dass "live on stage" - wie es so schön heißt - eben unvergleichbare Theaterqualität hat, natürlich mit entsprechend gelungener Inszenierung und talentierten Schauspielern.

Für beides steht diese englischsprachige Theatertruppe. Unter der Regie von Grantly Marshall war Richard B. Clodfelter als Butler James seinem Vorgänger absolut ebenbürtig, und Anna Cramer verkörperte eine würdige Miss Sophie. Sicher dauerte ihre Verwandlung zur 90-jährigen Dame in der Maske stundenlang, ist sie doch in Wirklichkeit eine bildhübsche junge Schauspielerin.

Der Klassik- und Jazzpianist Paul Flush gab dem Spektakel die "besonderen Noten" in stimmiger Begleitung, fein abgestimmt auf das Geschehen. Zu Beginn machte Butler James einen kleinen Abstecher ins Publikum und holte einen jungen Besucher ans Piano. Nach zwei hingetupften Tönen auf den Tasten löste der "echte" Pianist den tapferen Amateur ab.

James konnte die Jubilarin zu Tisch geleiten und gemäß dem altbewährten Protokoll ihre imaginären Geburtstagsgäste begrüßen, die er ebenfalls zu verkörpern hatte. So ist er ein seriöser Sir Toby, ein zackiger Admiral von Schneider, als er zu seinem Leidwesen stets schmerzhaft die Hacken zusammenschlagen muss, ein fistelnder Mister Pommeroy und schließlich mit sonorer Bassstimme Mister Winterbottom.

Wichtig ist natürlich eine weitere Figur im Spiel: das Tigerfell mit Kopf als immerwährender Stolperstein des Butlers. Von Suppe über Vor-, Haupt- bis zur Nachspeise hat er das jeweils passende Getränk zu servieren und als jeder der vier Gäste auch zu trinken. Köstlich setzte Clodfelter den schnell steigenden Alkoholpegel in ausdrucksstarke Mimik und lebhafte Körpersprache um, hüpfte und tanzte, torkelte und strauchelte über den Tigerkopf. Er wirbelte mit hoch erhobenem Arm die mit Speisen belegten Platten überm Kopf, wobei das Huhn schwungvoll im Schoß des schockierten Pianisten landete. Keine Frage, dass James das Procedere bis zum Ende bewältigt und "sein Bestes gibt", so gut er eben noch kann...

Die Drama Group hatte aus dem 18-minütigen Fernsehsketch ein höchst vergnügliches Theaterstück von 40 Minuten zelebriert, und das Publikum dankte dem köstlichen Amüsement mit stürmischem Applaus.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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