"Denkzettel": Literaturleine am Ludwigsplatz

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Rosenheim - "Was ist hier denn los?", fragen sich derzeit die Passantem in der Rosenheimer Innenstadt. Eine Wäscheleine steht mitten auf dem Ludwigsplatz.

Zur Einstimmung auf den Ersten Mai gibt es bis 30. April auf dem Rosenheimer Ludwigsplatz eine Kunstaktion von J. Müller unter dem Motto „Denkzettel – eine Mühsam(e) Literaturleine “. Im Rahmen der Kunstaktion gibt es Gedichte von Erich Mühsam zum Lesen, Pflücken, Nachdenken und Handeln.

Der Dichter Erich Mühsam (1878 bis 1934) war am Sturz der bayerischen Monarchie sowie der Gründung der anarchistischen Münchner Räterepublik führend beteiligt und verbrachte danach mehrere Jahre in Festungshaft. Von seinem Wirken im Raum Rosenheim zeugt u.a. das Gedicht „Bayerisches, Allzubayerisches“ von 1926, in welchem er satirisch die offene Zusammenarbeit des konservativ-königstreuen Bürgertums mit völkisch-nationalistischen Kräfte kritisiert. Der Antimilitarist, Antifaschist und Radikaldemokrat wurde in der Nacht des Reichstagsbrands verhaftet und in der Nacht vom 9. auf den 10. Juli 1934 von der bayerischen SS-Wachmannschaft des KZ Oranienburg ermordet.

Gemäß des Mühsam-Mottos “Sich fügen heißt lügen“ sind viele seiner Gedichte auch heute, 75 Jahre nach seinem Tod, noch aktuell. Sie können anspornen, alle Formen von Herrschaft, Unterdrückung und Ausbeutung zu kritisieren und für eine solidarische Gesellschaft jenseits von Nation, Rasse, Geschlecht und kapitalistischer Verwertungslogik einzutreten. Dies sollte immer und überall geschehen, nicht nur am Ersten Mai. Dieser traditionelle Arbeiterkampftag bietet sich jedoch an, für eine befreite Gesellschaft auf die Straße zu gehen. Seit dem Jahr 1890 kämpfen die Arbeiter auf der ganzen Welt am ersten Mai für bessere Lebensbedingungen und gegen die kapitalistische Ausbeutung.

Ausschlaggebend für dieses Datum waren die Streiks um den Achtstundentag in den USA bei denen Streikende in Chicago von der Polizei erschossen wurden. Am 1. Mai werden auch in Rosenheim Demonstrationen stattfinden. In dem Aufruf zur Demonstration um 12:30 Uhr an der Brixstraße/Ecke Rathausstraße heißt es: „Lasst uns am Ersten Mai 2010 den Kampf um die Erfüllung der Bedürfnisse der Einzelnen und für ein selbst bestimmtes Leben auch auf die Rosenheimer Straßen tragen! Denn als Gesellschaftsverhältnis ist der Kapitalismus zwar global. Aber er ist von Menschen gemacht und kann deshalb von uns auch überwunden werden!“. Vielleicht inspirieren die Gedichte von Erich Mühsam ja nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Handeln. re

Quelle: rosenheim24.de

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