Gustav Starzmann zeigt seine Materialbilder im Traunsteiner Vermessungsamt

Das ist „der Blick in die Seele der Gesellschaft“

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Das Materialbild "Chiemseeklänge" von Gustav Starzmann ist entstanden im Jahr 2005.

Traunstein - Nein, sie haben keinen Sehfehler. Sie sehen hier die Gesellschaft mit den Augen Gustav Starzmanns. Er ist der erste Künstler, der im Vermessungsamt Traunstein seine Bilder ausstellen darf.

Lesen Sie hier den Originalartikel aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Traunstein (OVB) - Gustav Starzmann ist der erste Künstler, der im Vermessungsamt Traunstein an der Salinenstraße 4 seine Bilder ausstellen darf. Hier präsentiert er derzeit bis Anfang des nächsten Jahres 20 seiner ausdrucksstarken Materialbilder unter dem Titel "Chaos und Ordnung".

Mit dieser Ausstellung kommt Gustav Starzmann zum zweiten Mal an das Vermessungsamt Traunstein. Das erste Mal war 1982 nach seinem abgeschlossenen Studium als Vermessungsingenieur oder Geodät, wo er knapp eine Außendienstsaison hier tätig war, bevor er im Herbst 1982 in den Bayerischen Landtag gewählt wurde, dem er bis 2003 als Landwirtschafts- und Umweltpolitiker angehörte. Noch vor seinem Ausscheiden aus dem Parlament widmete er sich seiner nicht weniger intensiv verfolgten Leidenschaft, der bildenden Kunst. Ab 1999 absolvierte er verschiedene künstlerische Fortbildungen, so an der Sommeradkademie Salzburg im Bereich Malerei und Installation, in der Klasse Ilia und Emilia Kabakov sowie bei Zhou Brothers. Er lernte von Fritz Kirchner, dem Sohn des Bildhauers Heinrich Kirchner, die Gießtechnik und befasste sich bei Ute Lechner und Hans Thurner mit der Stahlbildhauerei.

Die Ausstellung in den hellen Fluren des Vermessungsamts Traunstein folgt der schon früher eingeschlagenen thematischen Richtung Gustav Starzmanns - nämlich "Chaos und Ordnung". Der Künstler bleibt der kritischen Auseinandersetzung mit der Realität treu, indem er Wegwerfmaterialien und von den Kräften der Natur geformte Überreste, wie Hölzchen, über die Jahrhunderte im Fluss abgeschliffene Steine, Wurzeln im Sinne der "arte povera" zusammenfügt und zu ästhetischen Kunstwerken gestaltet. Aus den sorgfältigen Verknüpfungen von Formen der Natur und sehr ungleichen Fundstücken und Objekten menschlicher Bearbeitung ergeben sich spannungsgeladene, aussagekräftige Materialbilder, die man nicht müde wird zu betrachten. Hinzu kommen die bewusst ausgesuchten Titel wie "Not I", "Not II", "Gehängt", "Gefangen" oder "Metamorphose", die der Fantasie des Betrachters stets neue Nahrung geben.

Wie Tobias Kunst, seit kurzem neuer Leiter des Vermessungsamt Traunstein, in seiner Einführungsrede bemerkte, könnte man sich beim Betrachten der Objekte an die Worte von Arthur Schnitzler erinnern, der sagte: "Wir versuchen wohl, Ordnung zu schaffen, aber diese Ordnung ist doch etwas Künstliches. Das Natürliche ist das Chaos."

Bei Starzmanns Bildern wird dem Besucher eine weniger befremdliche als wohl dosierte "Ästhetik des Hässlichen" geboten, ein ungewöhnlicher Blick in die Seele der Gesellschaft.

Christiane Giesen/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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