Fast vergessene Malerinnen im Heimathaus

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"Mädchen mit Obstschale", ein Pastell von 1935 von Hedwig Pilartz-Emmel.

Wasserburg - Eine kleine, aber feine Ausstellung mit dem Titel "Unbekannte Talente" findet derzeit im Wasserburger Heimatmuseum statt.

Gezeigt werden Kohlezeichnungen, Aquarelle, Pastelle und ölgemälde, die zwischen Vorkriegszeit und Wirtschaftswunderjahren entstanden sind.

Als "Unbekannte Talente" präsentiert Kurator Ferdinand Steffan Künstlerinnen des vergangenen Jahrhunderts, in deren Lebensmittelpunkt die Innstadt und ihr Umland standen. Gänzlich unbekannt sind die Wasserburger Malerinnen natürlich nicht. Namen wie Maximiliane Ovenbeck (1910 bis 1960), Hedwig Pilartz-Emmel (1897 bis 1978) oder Elisabeth Stöcke (1904 bis 1956) sind durchaus geläufig, wenn auch meist in anderem Zusammenhang. Das künstlerische Schaffen der Frauen aber geriet in Vergessenheit, zumal sich viele ihrer Werke heute im Privatbesitz befinden.

Entstanden ist die Ausstellung im Zusammenspiel mit einer Forschungsarbeit. Anstoß gab unter anderem der künstlerische Nachlass von Maria Wilhelmine Schrader (1880 bis 1932). Die gebürtige Hamburgerin, die sich Marianne nannte, besuchte die Akademie in München. Später lebte die Malerin bis zu ihrem Tod in Kling. Ein Großteil ihrer Werke wurde im letzten Jahr dem Heimatmuseum vermacht - für Kurator Steffan ein willkommener Anlass, um sich der Biographie der Künstlerin zu widmen.

Da lag es nahe, auch in Leben und Werk anderer Malerinnen aus dem Raum Wasserburg einzutauchen, um ein möglichst breites Spektrum zu erhalten. Ferdinand Steffan hat daraufhin akribisch die Biographien von acht weiteren Künstlerinnen recherchiert. Aus deren familiären Umfeld konnten dann weitere Leihgaben für das Ausstellungskonzept gewonnen werden.

Im Schatten ihres Mannes gestanden

Entstanden ist eine mit Sachverstand und Sorgfalt umgesetzte Sonderausstellung. Neben der individuellen künstlerischen Entwicklung wird darin viel von den Stilrichtungen der damaligen Zeit reflektiert. Ausgehende Spätromantik, Naturalismus und Expressionismus harmonieren neben Neuer Sachlichkeit. Landschaften im Stil der Chiemseemalerei finden sich neben Stillleben, Karikaturen und Portraits.

Bemerkenswert ist auch die Weiterentwicklung einzelner Malerpersönlichkeiten. Elisabeth Stöcke beispielsweise wendete sich immer mehr dem Spirituellen zu. Subtile, esoterische Elemente zeichnen ihre späteren Bilder aus.

Die künstlerische Qualität der Werke aber wird deutlich im Ergebnis, nämlich dann, wenn Talent und akademische künstlerische Ausbildung aufeinandertreffen. Die gezeigten Exponate überraschen nicht nur mit unterschiedlichster Stilistik. Allen gemeinsam ist ein besonderes Auge für das Sujet und die handwerkliche Perfektion, wenn es um Farbe, Perspektive und Ausdruck geht.

Auch wenn Hedwig Pilartz-Emmel wohl zeitlebens im Schatten ihres Mannes Josef Pilartz gestanden haben dürfte, zeigen ihre Pastellportraits die beinahe perfekte Synthese zwischen Anmut und Ausdruck. Selbst wenn die Malerinnen Wasserburgs wohl aus der Erinnerung entschwunden sind, ihr künstlerisches Werk ist dem ihrer bekannten männlichen Kollegen durchaus ebenbürtig. Die Ausstellung im Heimathaus erbringt dazu den Beweis.

Quelle: rosenheim24.de

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