Hilfreich bis unsinnig

Was können Medizin-Wearables?

Vielleicht ein etwas hoher Ruhepuls, ansonsten ist beim Träger dieser Sportuhr mit der Herzfrequenzmessung aber offenbar alles in Ordnung. Foto: Andrea Warnecke
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Vielleicht ein etwas hoher Ruhepuls, ansonsten ist beim Träger dieser Sportuhr mit der Herzfrequenzmessung aber offenbar alles in Ordnung. Foto: Andrea Warnecke
Auch die Apple Watch kann die Herzfrequenz messen, Bewegungsdaten sammeln und - noch nicht in Europa - per EKG die normale Herzfunktion feststellen. Foto: Andrea Warnecke
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Auch die Apple Watch kann die Herzfrequenz messen, Bewegungsdaten sammeln und - noch nicht in Europa - per EKG die normale Herzfunktion feststellen. Foto: Andrea Warnecke
Stethoskop, Blutdruckmessgerät und EKG: Manche Gesundheitswearables - hier das BPM Core von Withings - packen viele Funktionen in ein Gerät. Foto: Andrea Warnecke
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Stethoskop, Blutdruckmessgerät und EKG: Manche Gesundheitswearables - hier das BPM Core von Withings - packen viele Funktionen in ein Gerät. Foto: Andrea Warnecke
Die Blutdruckmanschette kennt man ja. Neu ist bei Geräten wie Withings BPM Core allerdings der Kontakt zur EKG-Messung, den Nutzer mit den Fingern berühren müssen. Foto: Andrea Warnecke
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Die Blutdruckmanschette kennt man ja. Neu ist bei Geräten wie Withings BPM Core allerdings der Kontakt zur EKG-Messung, den Nutzer mit den Fingern berühren müssen. Foto: Andrea Warnecke
Die Sensoren der Sportuhren großer Hersteller sind in der Regel ziemlich ausgereift, sagen Experten. Die Messgenauigkeit von Profigeräten aus dem klinischen Umfeld erreichen sie aber nicht. Foto: Andrea Warnecke
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Die Sensoren der Sportuhren großer Hersteller sind in der Regel ziemlich ausgereift, sagen Experten. Die Messgenauigkeit von Profigeräten aus dem klinischen Umfeld erreichen sie aber nicht. Foto: Andrea Warnecke
Withings Sportuhr Move ECG zeigt nicht nur die Zeit an oder misst Bewegungsdaten. Das Gerät kann auch einfache EKG messen. Foto: Andrea Warnecke
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Withings Sportuhr Move ECG zeigt nicht nur die Zeit an oder misst Bewegungsdaten. Das Gerät kann auch einfache EKG messen. Foto: Andrea Warnecke
Manche Wearables machen ihren Nutzern recht große Versprechungen. Dieser Bauchgurt etwa will Trägerinnen zahlreiche Vitaldaten ihres ungeborenen Kindes verraten. Foto: Andrea Warnecke
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Manche Wearables machen ihren Nutzern recht große Versprechungen. Dieser Bauchgurt etwa will Trägerinnen zahlreiche Vitaldaten ihres ungeborenen Kindes verraten. Foto: Andrea Warnecke
Dieser Gürtel soll werdenden Müttern mit ausgefeilten Sensoren den Puls und andere Aktivitäten ihres ungeborenen Kindes verraten. Foto: Andrea Warnecke
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Dieser Gürtel soll werdenden Müttern mit ausgefeilten Sensoren den Puls und andere Aktivitäten ihres ungeborenen Kindes verraten. Foto: Andrea Warnecke

Die Uhr misst den Puls, das Blutdruck-Messgerät funkt Daten ans Smartphone. Immer mehr vernetzte medizinische Geräte kommen auf den Markt - teils mit konkretem Nutzen, andere mit fantastischen Versprechungen. Aber woran erkennt man gute Wearables?

Las Vegas (dpa/tmn) - Blutdruckmessgeräte kennen wohl die meisten. Manschette, Schlauch, Messgeräte, manche haben einen kleinen Computer eingebaut. Doch das war gestern, wie etwa ein Blick auf die Ausstellungsstücke auf der Elektronikmesse CES im Januar in Las Vegas zeigte.

Das Blutdruckmessgerät der Zukunft ist vernetzt und kann dazu noch ein EKG schreiben und die Herzklappen überwachen. Das BPM Core genannte Gerät eines französischen Herstellers ist nur ein Beispiel für die Entwicklung der Medizintechnik-Branche in Richtung Wearables, tragbare Technik also. Gesundheitsgeräte werden zunehmend kleiner, vernetzter und vielseitiger.

Unter Alltagsbedingungen messen

Viele Hersteller mit vielen Geräten für noch mehr Anwendungsfälle kämpfen um die Gunst der Käufer. "Bislang waren das eher Nischenprodukte, aber seit einigen Jahren werden die Produkte auch im Medizinbereich zunehmend kommerzialisiert", hat Oliver Amft festgestellt. Er ist Professor und Leiter des Lehrstuhls für Digital Health an der Universität Erlangen-Nürnberg und sieht den Einsatz von Gesundheitswearables zunächst einmal positiv.

Mit bisherigen Diagnosemethoden konnten Mediziner Messdaten ihrer Patienten überwiegend unter Laborbedingungen erheben. "Die Wearables gehen weiter, weil sie die Möglichkeit bieten, Vitalfunktion, Verhalten und Einfluss von Umweltfaktoren im Alltag zu messen", sagt er. Mit der richtigen Technik könnten Ärzte viel genauer hinsehen und etwa den Blutdruck eines Patienten über Tage und Wochen beobachten.

Prüfen, dokumentieren, entwarnen

Auch Marcel Weigand, Vorstandsmitglied im Aktionsbündnis Patientensicherheit, sieht viele praktische Anwendungsfelder. Kardiologen könnten in den per Wearable und App gesammelten Daten schneller Hinweise auf Herzrhythmusstörungen finden, Diabetiker ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig prüfen und automatisch dokumentieren.

Auch der Wohlfühl-Effekt darf nicht vernachlässigt werden. Fühlt sich etwa ein Herzpatient nicht gut, und die Technik am Handgelenk kann Entwarnung geben, macht das manchen Besuch in der Notaufnahme vielleicht unnötig.

Wie genau sind die Geräte?

Solche Sportuhren, Blutdruckmesser und weitere Geräte gibt es mittlerweile schon für Preise ab knapp über 120 Euro aufwärts. Aber kann man sich auf ihre Messungen verlassen?

Oliver Amft, von Haus aus Elektrotechniker, spricht den Geräten am Markt eine gewisse Genauigkeit zu. Geräte großer Hersteller von Sportuhren, Fitness-Armbändern und ähnlichen Geräten seien sehr gut validiert in ihrem bestimmten Anwendungsbereich. Der Herzschlag etwa könne damit gut erfasst werden. "Mit gut meine ich nicht so genau wie unter klinischen oder Laborbedingungen", schränkt er allerdings ein. Viele der angebotenen Wellness-Wearables seien als Ergänzung zur Gesunderhaltung geeignet - aber eben nicht so präzise wie wesentlich teurere Spezialgeräte.

Zulassungen als Medizinprodukt

Und egal, wie gut sie nun messen oder nicht: Einen Arztbesuch könne das Tragen solcher Geräte nicht ersetzen, sagt Gesundheitswissenschaftler Marcel Weigand. Vielleicht können sie aber zu einem nötigen Arztbesuch animieren.

Aber wie findet man nun heraus, welche Gerät taugt und welches nicht? Das ist gar nicht so einfach, erklärt Oliver Amft. Er rät, auf Zulassungen als Medizinprodukt zu achten. Die sind aber noch eher selten. Einige Hersteller werben etwa mit einer Zertifizierung durch die US-Behörde FDA. Laut Amft ein "ganz guter Hinweis auf eine gewisse Leistungsfähigkeit". Allerdings solle man solche Siegel nicht überbewerten.

Validierungsstudien einsehen

Eine fehlende Zertifizierung muss wiederum kein Hinweis auf schlechte Qualität sein. "Schauen Sie auf die Validierungsstudien", rät Oliver Amft. Manche Hersteller gehen damit sehr offensiv um und belegen die Funktionsversprechen ihrer Geräte. Hält sich ein Unternehmen auf der Website oder auf Nachfrage bedeckt, greift man lieber nicht zu.

Und dann sind da noch die Geräte von eher zweifelhaftem Nutzen. Stichwort Baby-Monitor, den sich werdende Mütter um den Bauch schnallen sollen. Immer dann, wenn ein Hersteller behauptet, sein Gerät könne diverse Krankheitsbilder oder Gesundheitsdaten ermitteln, ist Vorsicht angesagt, sagt Amft. "Da werden Sie schnell feststellen, dass da zu viel behauptet wird, aber wenig nachweisbar ist."

So sieht das auch Marcel Weigand: "Es wäre vermessen, wenn ein Fitnessarmband behaupten würde, dass darüber Krankheiten erkannt und behandelt werden können", sagt er über Geräte, die angeblich sehr viele Dinge auf einmal können.

Schlimmer noch: Solche Produkte und ihr Einsatz können eher einen gegenteiligen Effekt haben, sagt Weigand und warnt davor, sich ohne Anlass hochzurüsten - nicht nur aus Datenschutzgründen. "Manche Produkte erzeugen eher eine andere Krankheit, nämlich Hypochondrie", sagt der Gesundheitswissenschaftler. "Ich glaube nicht, dass es der Gesundheit zuträglich ist, wenn man ständig das Gefühl hat, jedes Körperteil von mir wird überwacht."

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