Ganz in Weiß für Tiny Wedding

Der Trend bei Hochzeitstorten

Torten mit essbaren Blüten
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Kleine Torten mit essbaren Blüten sind mittlerweile gefragter als klassische Torten in Herzform. Foto: Heike Krohz/suess-und-salzig.de/dpa-tmn
Cleaner und neutraler Look
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Ganz in Weiß: Ein cleaner und neutraler Look ist bei Hochzeitstorten besonders angesagt. Foto: Heike Krohz/suess-und-salzig.de/dpa-tmn
In warmen Tönen gehalten
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Klein, fein und einstöckig: Diese Torte ist in warmen Tönen gehalten und mit essbaren Blüten verziert. Foto: Heike Krohz/suess-und-salzig.de/dpa-tmn
Warme Erd- und Orangetöne
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Warme Erd- und Orangetöne sind bei Hochzeitstorten gerade gefragt. Foto: Julia Basmann Photography/dpa-tmn
Heike Krohz
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Heike Krohz ist Inhaberin des Torten- & Patisserieservice «Suess und salzig». Foto: Kitty Fried/lilla-f.de/dpa-tmn
Candy-Table
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Ein Candy-Table mit Törtchen bietet Hochzeitsgästen mehr Auswahl als nur eine riesige Torte. Foto: Heike Krohz/suess-und-salzig.de/dpa-tmn

Sie ist nach der Braut DER Hingucker auf jeder Hochzeit. Aber muss sie meterhoch sein? X-Stockwerke besitzen? Nein, sagt eine Konditormeisterin. Der Trend geht zur kleinen, aber feinen Hochzeitstorte.

Süßen (dpa/tmn) - Der Vintage- und Boho-Style war lange ein beliebtes Thema beim Heiraten - auch bei der Gestaltung der Hochzeitstorte. Ob er sich fortsetzt, lässt sich schwer vorhersagen.

«Denn es ist pandemiebedingt beinahe eine komplette Hochzeits-Saison ausgefallen», sagt Heike Krohz, Konditormeisterin aus Süßen (Baden-Württemberg).

Die Inhaberin des Torten- & Patisserieservice « Suess und salzig» hat allerdings beobachtet, wie der Trend zur Tiny Wedding durch die Coronazeit regelrecht befeuert wurde. «Genau wie das Wohnkonzept vom Tiny House ist sie nicht klein und günstig, sondern klein und fein», sagt sie im Interview.

Frage: Ist Tiny Wedding aus der Not heraus entstanden, weil unter Corona-Bedingungen nur in kleinstem Rahmen gefeiert werden darf?

Krohz: Tiny Wedding ist mehr als eine Notlösung. Der Trend zur kleinen Hochzeit hat schon vor Corona begonnen, hat aber durch die Pandemie eine ganz neue Bedeutung erlangt. 150 Hochzeitsgäste zu haben, ist zwar toll. Aber mit wenigen Gästen entsteht mehr emotionale Nähe. Das hüllt die Hochzeitsgesellschaft wie in einen Kokon - einen Kokon aus Wertschätzung und liebevollem Miteinander. Das Brautpaar hat mehr Zeit für den einzelnen Gast, für den dann auch ein höheres Budget zur Verfügung steht. Alles wird exklusiver.

Frage: Wirkt sich das auch auf die Hochzeitstorte aus?

Krohz: Ja, das Tiny Wedding-Konzept hat auch auf die Torten abgefärbt. Statt mehrstöckigen Torten sind eher Sweet Candy Table mit einer maximal zweistöckigen Torte gefragt. Sie ist der Eyecatcher auf dem süßen Tisch, gern eingerahmt von Cake Pops, Cupcakes oder Macarons. Meist ist die eigentliche Torte sogar nur einstöckig - dafür aber richtig hoch, etwa 13 bis 15 Zentimeter. Zum Vergleich: Eine normale Torte ist meist 4 bis 5 Zentimeter hoch.

Frage: Das wird doch sicher schwer, sie in Herzform zu gestalten?

Krohz: Torten in Herzform, wie das klassische Erdbeer-Herz, sind völlig out. Stattdessen sind reduzierte Formen angesagt, meist rund - mit modellierten Blüten. Auch frische Blumen werden häufig eingesetzt. Das müssen aber die richtigen sein.

Frage: Was kann man mit frischen Blumen auf der Torte falsch machen?

Krohz: Giftige Blumen wie Ranunkeln, Rittersporn, Christrosen, Hortensien oder Maiglöckchen haben auf einer Hochzeitstorte nichts zu suchen. Genauso wenig wie pestizidbehandelte. Wenn echte Blumen auf einer Torte landen, dann sollten es nur Bio-Blüten sein oder sogenannte Slow Flowers. Das sind Blumen, die nicht importiert werden, sondern auf Nachhaltigkeit beruhen, also ohne Pestizide und Kunstdünger angebaut sowie regional vermarktet werden - und immer nur Sorten, die gerade Saison haben.

Es gibt auch essbare Blüten, wie Rosen, Cosmea, Flieder, Löwenmäulchen, Ringelblumen, Kornblumen oder Veilchen, die Cake Designer in die Torte einarbeiten können.

Frage: Und wo bekommt man essbare Blüten her?

Krohz: Es gibt spezielle Gärtnereien, die sich auf die Züchtung essbarer Blüten für die Gastronomie spezialisiert haben. Oder man wird selber zum Gärtner. In unserem Garten züchten wir mittlerweile diverse Sorten, unter anderem circa 50 verschiedene Rosen - natürlich alle ungespritzt. Die kommen dann auf den Hochzeitstorten zum Einsatz.

Frage: Gibt es eine Farbe, die bei den Torten-Wünschen dominiert?

Krohz: Der Trend zu «All in White» hat durch Corona noch zugelegt. Er steht für Reinheit, Sauberkeit, Gesundheit. Außerdem ist Senfgelb gefragt sowie warme Erd-, Orange- und Rosa-Töne.

Frage: Ist eine ganz weiße Torte nicht ein bisschen langweilig?

Krohz: Überhaupt nicht. Man kann wunderbar mit unterschiedlichen Strukturen, Texturen und Materialien arbeiten. So kann die Torte so modelliert werden, dass sie wie Stoff oder Leinen aussieht, auf dem sich weiße Blüten wie Dahlien oder Rosen ranken.

Frage: Was halten Sie von dem Brauch, ein Stück von der Hochzeitstorte einzufrieren und es am ersten Hochzeitstag zu essen?

Krohz: Jeder wie er mag. Aber ich halte nichts davon. Was ein Jahr in der Tiefkühltruhe war, wird ja auch nicht besser.

Frage: Wann sollte man die Hochzeitstorte bestellen?

Krohz: Immer so frühzeitig wie möglich, auch wenn es ein Jahr im Voraus ist. Wer im Dezember plant, im Sommer zu heiraten, sollte sich beeilen. Ich habe bereits jetzt Anfragen bis in den Oktober 2021 hinein. Dazu kommen 20 Vorbestellungen für verschobene Hochzeiten aus 2020.

© dpa-infocom, dpa:201215-99-702770/2

Webseite "Suess & Salzig"

Rubriklistenbild: © Heike Krohz

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