Sex-Skandal: Süssmuth fordert Entschuldigung

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Rita Süssmuth fordert eine Entschuldigung für die Opfer sexuellen Missbrauchs an der Odenwaldschule.

Frankfurt - Im Skandal um sexuellen Missbrauch an der Odenwaldschule hat die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth eine Entschuldigung gefordert. Ihr geht es dabei um Glaubwürdigkeit.

Sie forderte den früheren Schulleiter Gerold Becker auf, sich direkt bei den Opfern zu entschuldigen. “Es kommt auf das persönliche Gegenüber von Täter und Opfer an. Das mag viel verlangt sein, ist aber dann auch glaubwürdig“, sagte Süssmuth der “Frankfurter Rundschau“. Die 73-Jährige soll Anfang Juli den Vorsitz einer externen Aufarbeitungskommission an dem renommierten Internat übernehmen.


Becker, der von 1969 bis 1985 an der Schule tätig war, hatte im März in einem Brief an die Schulleitung sexuelle Verfehlungen zugegeben, darin aber nur eine allgemeine Entschuldigung ausgesprochen. Das sei “zu wenig“, sagte Süssmuth.

Chronologie der Missbrauchsfälle

28. Januar 2010 - Bistum Berlin: Am Berliner Canisius-Kolleg der Jesuiten werden erste Verdachtsfälle bekannt, es folgen Dutzende weitere. © dpa
1. Februar - Bistum Hamburg: Ehemalige Schüler von Sankt Ansgar in Hamburg geben an, Opfer eines Jesuiten-Paters geworden zu sein. © dpa
1. Februar - Bistum Freiburg: Ein zuvor in Berlin tätiger Lehrer soll auch am Jesuiten-Kolleg St. Blasien Schüler missbraucht haben. © dpa
1. Februar - Bistum Hildesheim: Vorwürfe gegen Pater in Hildesheim und Göttingen werden bekannt, es folgen Fälle in Hannover. Im Bild: Die Basilika in Hannover, in der Regionaldechant Propst Martin Tenge eine Erklärung von Bischof Norbert Trelle zu den Missbrauchsfällen durch Jesuiten-Pater verliest. © dpa
5. Februar - Bistum Köln: Es wird erstmals über Missbrauchsfälle am Bonner Aloisius-Kolleg berichtet. Im Bild: Eine Nachtaufnahme des Kölner Doms. © dpa
9. Februar - Bistum Aachen: Ein Sonderbeauftragter der Kirche ermittelt nach Missbrauchs-Anschuldigungen gegen zwei Priester. Im Bild: Der Dom von Aachen © dpa
12. Februar - Bistum Paderborn: Die Kirche bestätigt, dass Geistliche in Werl Kinder missbraucht haben sollen. Im Bild: Die Gau-Kirche der Liborius Pfarrei im Bistum Paderborn © dpa
19. Februar - Bistum Mainz: Am Internat Biesdorf der Missionare von der Heiligen Familie wird Missbrauch durch einen Ordensmann bekannt. Im Bild: Der Mainzer Dom im nächtlichen Nebel © dpa
21. Februar - Bistum Augsburg: Gegen Mitarbeiter des ehemaligen Heims der Salesianer Don Bosco in Augsburg gibt es Missbrauchsvorwürfe. © dpa
21. Februar - Bistum Rottenburg: In Oggelsbeuren soll es in einem Kinderheim der Vinzentinerinnen Missbrauchsfälle gegeben haben. Im Bild: Gebäude der Stiftung Liebenau im Bistum Rottenburg © dpa
21. Februar - Bistum Essen: Frühere Mitarbeiter der Behinderten- Einrichtung Franz-Sales-Haus Essen sollen Zöglinge missbraucht haben. Im Bild: Ein Gottesdienst im Dom in Essen © dpa
22. Februar - Bistum München: Der Leiter der Schule im oberbayerischen Benediktinerkloster Ettal räumt Missbrauchsfälle ein. © dpa
22. Februar - Bistum Würzburg: Nach Missbrauchsvorwürfen wird ein Priester im Würzburger Franziskanerkloster beurlaubt. Im Bild: Der Turm der Neubau-Kirche in Würzburg © dpa
23. Februar - Bistum Speyer: Ein Pater soll am Gymnasium Johanneum in Homburg/Saar sexuelle Handlungen an Jungen vorgenommen haben. Im Bild: Der Dom zu Speyer © dpa
28. Februar - Bistum Münster: Ein Pater in Münster-Hiltrup gesteht den sexuellen Missbrauch an Internatsschülern. Im Bild: Die Sankt Clemens-Kirche in Münster-Hiltrup © dpa
3. März - Bistum Limburg: Mehrere Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester werden bekannt. Im Bild: Gottesdienst im Georgs-Dom in Limburg © dpa
4. März - Bistum Fulda: Verdachtsfälle betreffen einen Priester und einen kirchlichen Mitarbeiter. Im Bild: Der Dom in Fulda mit Schildern im Vordergrund © dpa
4. März - Bistum Regensburg: Nach Mitteilung des Bistums hatte es auch Fälle bei dem weltberühmten Knabenchor Regensburger Domspatzen gegeben. Im Bild: Ein Konzert der Regensburger Domspatzen in der Sacred Heart Cathedral in Pretoria. © dpa

An der für ihre Reformpädagogik bekannten Einrichtung waren einer Untersuchung zufolge von Ende der 1960er bis Anfang der 1990er Jahre etwa 50 Schüler missbraucht worden. Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen alle Ermittlungsverfahren wegen sexueller Übergriffe eingestellt - auch gegen Becker, der als Haupttäter gilt. Die Taten sind verjährt oder die Beschuldigten bereits tot.

“Die Opfer, deren Fälle juristisch nicht mehr geahndet werden können, sollten doch auch zu ihrem Recht kommen können“, sagte Süssmuth der Zeitung. Ob es seitens der Schule zu einer Entschädigung der Missbrauchsopfer kommen werde, wisse sie noch nicht zu sagen. “Aber wir müssen Lösungen etwa für Menschen finden, die so schwer traumatisiert sind, dass sie nicht arbeiten können.“

dpa

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