"Sauerland-Terrorist" soll deutschen Pass verlieren

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Atilla Selek soll die deutsche Staatsbürgerschaft verlieren.

Ulm - Einer der Terroristen der “Sauerland-Gruppe“ soll seine deutsche Staatsangehörigkeit wieder verlieren und nach seiner Haft in die Türkei abgeschoben werden.

Die Ausländerbehörde der Stadt Ulm hat die Einbürgerung des 25-jährigen Atilla Selek wegen “arglistiger Täuschung“ widerrufen, bestätigte Abteilungsleiter Roland Oed einen Bericht des SWR vom Dienstag.


“Die Verfügung ist noch nicht rechtskräftig, da Selek Widerspruch eingelegt hat“, sagte Oed. Nach seinen Angaben hatte Selek die deutsche Staatsangehörigkeit 2005 erhalten, obwohl gegen ihn ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren lief. Die Einbürgerung sei damit rechtswidrig, sagte eine Sprecherin des Innenministeriums in Stuttgart.

Die Bilder vom Terrorprozess gegen die Sauerlandgruppe

Bewaffnete Polizisten sichern die Eingänge des Oberlandesgerichts in Düsseldorf. Hier findet der Prozess gegen die Sauerlandgruppe statt.
Bewaffnete Polizisten sichern die Eingänge des Oberlandesgerichts in Düsseldorf. Hier findet der Prozess gegen die Sauerlandgruppe statt. © dpa
Der Prozess findet in einem extra abgesicherten Saal statt.
Der Prozess findet in einem extra stark abgesicherten Saal statt. © ap
Die Anwälte der Terrorverdächtigen Rosenkranz und Pausch auf dem Weg ins Gericht.
Die Anwälte der Terrorverdächtigen, Rosenkranz und Pausch, auf dem Weg ins Gericht. © dpa
Journalisten und Zuschauer warten auf den Einlass ins Gericht.
Journalisten und Zuschauer warten auf den Einlass zu einem der größten Terrorprozesse in der Bundesrepublik seit Jahren. © dpa
Im Gerichtssaal sitzen die Angeklagten von Polizisten bewacht hinter dickem Sicherheitsglas.
Im Gerichtssaal sitzen die Angeklagten von Polizisten bewacht hinter dickem Sicherheitsglas. Mit ihren Anwälten sprechen sie durch die Scheibe. © dpa
Adem Yilmaz
Die Angeklagten werden ins Gericht geführt, hier Adem Yilmaz. Anschlagsziele waren vor allem amerikanische Gebäude. © dpa
Atilla Selek im Gerichtssaal.
Atilla Selek umringt von Polizisten. Die Angeklagten wollten, dass so viele Menschen wie möglich sterben. © dpa
Fritz Gelowicz und die drei weiteren Angeklagten sitzen hinter Sicherheitsglas im Gericht.
Fritz Gelowicz und die drei weiteren Angeklagten sitzen hinter Sicherheitsglas im Gericht.  © dpa
Terrorprozess gegen Sauerlandgruppe
Der Angeklagte Daniel Schneider spricht mit seinem Anwalt. © dpa
Offenbar hat Daniel Schneider beim Terrorprozess Grund zu lachen.
Offenbar hat er beim Terrorprozess noch Grund zu lachen. © dpa
Hinter Gittern, Mauern und kameraüberwacht wird den Terrorverdächtigen der Prozess gemacht.
Hinter Gittern, Mauern und kameraüberwacht wird den Terrorverdächtigen der Prozess gemacht. © dpa
Richter Ottmar Breidling führt die Verhandlung gegen die Sauerlandgruppe.
Richter Ottmar Breidling führt die Verhandlung gegen die Sauerlandgruppe. © dpa
Allein die Anklageschrift umfasst 40 Seiten. Hier die Ermittlungsakten.
Allein die Anklageschrift umfasst 40 Seiten. Hier die Ermittlungsakten. © dpa
In diesem Ferienhaus in Oberschledorn wurden die Terrorverdächtigen festgenommen.
In diesem Ferienhaus in Oberschledorn im Sauerland wurden die Terrorverdächtigen festgenommen. © ap
Im September 2007 wird ein Verdächtiger abgeführt.
Im September 2007 wird einer von ihnen abgeführt. © ap
Die Polizei stellte bei der Festnahme mit Chemikalien gefüllte Kanister sicher.
Die Polizei stellte bei der Festnahme mit Chemikalien gefüllte Kanister sicher. © ap

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Chemiehändler versorgte "Sauerland"-Gruppe

Die “Sauerland-Gruppe“ hatte 2007 schwere Terroranschläge auf Diskotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland geplant. Im März verurteilte das Oberlandsgericht Düsseldorf die Terroristen Fritz Gelowicz und Daniel Schneider zu je zwölf Jahren Gefängnis, den Mitangeklagten Adem Yilmaz zu elf Jahren. Atilla Selek erhielt wegen Unterstützung der Terrorgruppe fünf Jahre Haft. Die Rädelsführer Gelowicz, Schneider und Yilmaz waren am 4. September 2007 im Sauerland festgenommen worden. Selek wurde zwei Monate später in der Türkei gefasst. Selek ist türkischstämmiger Deutscher und wurde in Ulm geboren. Er soll eine Ausbildung als Autolackierer gemacht und später Gebrauchtwagen verkauft haben.

Hintergrund des Widerrufs der Staatsangehörigkeit ist möglicherweise eine Informationspanne zwischen den beteiligten Behörden: Selek hatte bereits 2004 seine Einbürgerung beantragt. Die Stadt Ulm hatte den Vorgang daraufhin geprüft und keine Einwände. Parallel gab es bei Landeskriminalamt und Verfassungsschutz aber mehrere Hinweise über die Nähe Seleks zur Ulmer Islamistenszene sowie ein Ermittlungsverfahren der bayerischen Polizei gegen ihn. Ob diese Erkenntnisse nicht an das zuständige Ausländeramt weitergegeben oder dort bei der Einbürgerung nicht berücksichtigt wurden, ist unklar. Das Stuttgarter Innenministerium, die Ulmer Ausländerbehörde und das Tübinger Regierungspräsidium wollten sich dazu nicht äußern.

dpa

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