Jetzt kommt die Anti-Feuer-Zigarette

Hamburg - Die Tabakindustrie führt neue Zigaretten ein. Ab 17. November dürfen nur noch spezielle Sicherheitsglimmstängel verkauft werden. Sie sollen die Raucher vor Feuer schützen. Wie das funktioniert:

Unbemerkt von den meisten Rauchern hat die deutsche Tabakindustrie mit der Einführung neuartiger Zigaretten begonnen: Nach einer EU-Verordnung dürfen ab dem 17. November nur noch Glimmstängel mit “verminderter Zündneigung“ verkauft werden. Wegen des langen Vorlaufs haben die Hersteller bereits mit der Produktionsumstellung begonnen, wie die großen Tabakfirmen am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd bestätigten.


Bei den neuen Zigaretten ist die Papierhülle an zwei Stellen verstärkt, so dass hier die Glut gestoppt wird. Dadurch sollen Feuer durch vergessene oder weggeworfene Kippen besser verhindert werden. Nach einer Schätzung der EU können so 500 bis 700 Brandtote jährlich vermieden werden.

Rauchen am Arbeitsplatz: Das sind Ihre Rechte

Um Ärger zu vermeiden, ist es für Raucher wichtig, Pausenzeiten einzuhalten. Sofern nicht vom Arbeitgeber gestattet, besteht kein Anspruch auf bezahlte Raucherpausen. Weil Rauchen eine Freizeitbeschäftigung ist, gibt es kein Recht, zusätzlich alle zwei Stunden eine Fünf-Minuten Pause einzulegen. © dpa
Arbeitgeber können von Mitarbeitern verlangen, vor Raucherpausen auszustempeln. Die versäumte Zeit muss nachgearbeitet werden. Wer sich daran nicht hält, dem droht eine Abmahnung und im zweiten Schritt sogar die Kündigung. © dpa
Paragraf 618 des Bürgerlichen Gesetzbuches schreibt grundsätzlich Schutzmaßnahmen in einem Betrieb vor. Demnach ist der Arbeitgeber verpflichtet, alles zu tun, um Gefahr für das Leben und die Gesundheit abzuwenden. Mittlerweile ist unstrittig, dass Rauchen auch anderen schadet. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass Passivrauchen schädlich ist. © dpa
Das bezieht sich auf den Arbeitsplatz eines Mitarbeiters, aber auch auf Toiletten sowie Pausen- und Bereitschaftsräume. © dpa
Im Mai 2009 hat das Bundesarbeitsgericht daher in einem Urteil (Az.: 9 AZR 241/08) den Grundsatz bestätigt, wonach jedem Arbeitnehmer ein tabakfreier Arbeitsplatz zusteht. Der Arbeitgeber muss Beschäftigte zumindest soweit schützen, wie die “Natur der Dienstleistung“ es gestattet. © dpa
Keine Frage, der Druck auf Raucher in Betrieben hat zugenommen. Das liegt unter anderem daran, dass immer mehr Arbeitgeber wirtschaftliche Nachteile des Rauchens sehen - etwa die Abwesenheit vom Arbeitsplatz während der Raucherpausen sowie längere Krankheitszeiten. © dpa
So mancher Raucher spricht inzwischen von Diskriminierung. Doch bis der Nichtraucherschutz eine so große Bedeutung erlangte, war es ein weiter Weg. © dpa
Strikte Regeln gab es zunächst nur für Betriebe, die mit brennbaren Materialien hantierten oder Fleisch verarbeiteten. Erst 2002 wurde der verbindliche Schutz von Mitarbeitern auf die übrigen Bereiche des Arbeitslebens ausgedehnt. © dpa
Fünf Jahre später verbot der Bund Rauchen in seinen Einrichtungen, öffentlichen Verkehrsmitteln und Bahnhöfen. Es folgten Regelungen der Länder, die den Tabakgenuss an Arbeitsplätzen mit Publikumsverkehr - also Gaststätten - auf verschiedene Weise einschränken. © dpa
Die heutigen strengen Vorschriften im Betrieb gelten selbst für Einzelbüros von Rauchern. Es sei denn, es handelt sich um ein Büro, das sonst niemand betritt und von wo aus kein Rauch nach außen dringt. Das dürfte in der Praxis aber nie der Fall sein © dpa
Rechtlos sind Raucher aber auch heutzutage nicht. Nicht zuletzt deshalb muss ein Betriebsrat - sofern vorhanden - bei Entscheidungen zu Rauchverboten einbezogen werden. © dpa
Chefs dürfen Rauchen nicht mit dem Argument verbieten, Mitarbeitern ihr Laster abgewöhnen zu wollen. Denn: Es ist nicht Sache des Betriebes, Raucher zu Nichtrauchern zu machen. © dpa
Daher muss es Plätze geben, an denen Rauchen gestattet ist. Genüge ist getan, wenn Qualmen lediglich außerhalb der Gebäude erlaubt wird. © dpa
Im Klartext heißt das: Raucher müssen im Zweifelsfall bei Wind und Wetter draußen stehen. © dpa

“Die Raucher werden im Alltag in der Regel nichts von der Umstellung merken“, sagte Manager Ralf Leinweber vom Hersteller BAT (Lucky Strike, Pall Mall) der dapd. In das Zigarettenpapier sind bei den neuen Produkten an zwei Stellen verstärkte Ringe eingearbeitet, in der Branche Speed Bumps genannt. An diesen Stellen kommt weniger Sauerstoff durch das Papier, die Glut sollte verlöschen, falls der Raucher nicht an der Kippe zieht. “Am Geschmack ändert sich nichts“, versicherte Reemtsma-Sprecherin Svea Schröder.

“Am Geschmack ändert sich nichts“

Die EU hatte die Umstellung bereits vor Jahren auf den Weg gebracht, aber erst ab November gilt die neue Regel ISO 12863. Weil aber die Konzerne mit der Umstellung ihrer Fabriken schon begonnen haben, werden dem Raucher möglicherweise schon jetzt neuartige Zigaretten verkauft.

In den USA sind solche Zigaretten schon lang üblich. Nach Angaben der Coalition for Fire-Safe Cigarettes, einem Zusammenschluss von Feuerwehrverbänden, Verbraucherschützern und weiteren Organisationen, fiel die Zahl der Brände durch Zigaretten danach deutlich: von 334.00 im Jahr 1980 auf 115.000 im Jahr 2008. Außerdem werden laut EU-Kommission zahlreiche Waldbrände durch Zigarettenfeuer ausgelöst.

Die Industrie machte aber klar, dass die neuen Zigaretten nicht völlig brandsicher sind und die Kunden trotzdem weiter aufpassen müssen. “Es gibt keine Zigarette, die feuersicher oder brandsicher ist, denn jeder brennende Gegenstand ist eine potenzielle Brandquelle“, erklärte der Zigarettenverband, der Zusammenschluss der Tabakfirmen in Berlin. Eine Zigarette mit “vermindertem Zündpotenzial“ sei bestenfalls eine Zigarette, “die ein höheres Potenzial hat, von sich aus zu verlöschen, wenn sie auf einem entzündlichen Material zu liegen kommen sollte“.

Die Kosten der Umstellung tragen die Hersteller. Erst am 1. Mai war der Preis pro Schachtel um 20 Cent gestiegen.

dapd

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