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Stimmen im Kopf gehört

Prozessauftakt in Würzburg: Dem beschuldigten Messerstecher wird Mord in drei Fällen vorgeworfen

Im Juni 2021 tötete ein Mann drei Menschen in der Würzburger Innenstadt. Jetzt begann der Prozess gegen den Messerstecher. Dieser könnte sich bis September ziehen.

Veitshöchheim – Nicht ganz ein Jahr, nachdem am 25. Juni ein vermutlich 33-Jähriger in der Würzburger Innenstadt drei Menschen mit einem Messer getötet und zahlreiche weitere Personen verletzt hat, beginnt am heutigen Freitag, 22. April, der Prozess. Aufgrund von Platzmangel wurde die Verhandlung in die Mainfrankensäle nach Veitshöchheim, nördlich von Würzburg verlegt. 27 Verhandlungstage bis September sind angesetzt worden.

Messerstecher-Prozess in Würzburg: Motiv des Täters immer noch nicht klar

Noch einmal ein Überblick, was an dem Tag im Juni in Würzburg geschah. Der Mann hatte den Ermittlern zufolge am 25. Juni 2021 in einem Würzburger Kaufhaus drei Frauen im Alter von 24, 49 und 82 Jahren mit einem Messer getötet. Zudem verletzte er vier weitere Frauen, ein damals 11-jähriges Mädchen und einen 16-Jährigen schwer. Hinzu kommen drei Leichtverletzte. Einer der Angegriffenen blieb unversehrt. Der Vorwurf der Generalstaatsanwaltschaft lautet unter anderem auf Mord in drei Fällen sowie versuchten Mord in elf Fällen. Der 33-Jährige, der ursprünglich aus Somalia stammt, soll sich in Deutschland ungerecht behandelt gefühlt haben und habe aus Rache und Hass gehandelt.

In Würzburg sind im Juni 2021 drei Menschen durch Messerangriffe ums Leben gekommen.

Bevor der Prozess richtig beginnen kann, sind viele Fragen offen. Gab es einen islamistischen Hintergrund der Tat? Der 33-Jährige soll während der Tat zweimal „Allahu Akbar“ gerufen haben. Weitere Hinweise auf Extremismus fanden die Ermittler aber nicht. „Zu keinem Zeitpunkt hat es terroristische Motive gegeben“, versichert der Anwalt des Beschuldigten, Hans-Jochen Schrepfer, im Auftrag seines Mandanten.

Messerstecher-Prozess in Würzburg: Opfer konnten sich nicht wehren

Weitere Motive könnten deshalb auch Heimtücke oder niedere Beweggründe gewesen sein. Der vermutlich 33-Jährige – genau wissen es weder die Ermittler noch der Mann selbst – soll seine Opfer willkürlich ausgesucht haben, „um seinem Plan entsprechend möglichst viele Menschen zu töten und sich für die ihm widerfahrene Ungerechtigkeit zu rächen“, betont Oberstaatsanwältin Judith Henkel. „Er war trotz der bei ihm vorliegenden paranoiden Schizophrenie von Rachsucht beherrscht.“

Weiter beschreibt sie die Geschehnisse des Tages so: „Ein Großteil der Tatopfer hatte keine Möglichkeit, den Angriff durch den Beschuldigten vorauszuahnen, sondern wähnte sich in völliger Sicherheit. Die natürliche Abwehrbereitschaft und Abwehrfähigkeit fehlten deshalb gänzlich.“ Brutal und ohne Zögern soll der Mann damals sein Messer in seine Opfer gerammt haben.

Messerstecher-Prozess in Würzburg: Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Einweisung in Psychiatrie

Der Angeklagte wollte zunächst zum Prozessauftakt nichts zu den Vorwürfen sagen. Laut Beobachtern wirkt er verloren, was auch an den Medikamenten liegen kann, die er wegen seiner psychischen Erkrankung einnehmen muss. Verteidiger Schrepfer versichert, sein Mandant habe sich für die Tat entschuldigt und empfinde Mitgefühl. „Er bedauert das Leid, das er vor allem den Opfern und den Angehörigen zugefügt hat.“ Innere Stimmen hätten ihn zu der Attacke bewegt.

Wohl erst im September wird sich herausstellen, wie es mit dem Mann weitergeht. Würde es nach dem Willen der Staatsanwaltschaft gehen, dann solle er lebenslang in einer Psychiatrie untergebracht werden. Er war zwei Gutachtern zufolge bei der Tat wohl schuldunfähig und könnte für die Allgemeinheit dauerhaft gefährlich sein. (tel mit dpa)

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand

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