Zwei Täter in Untersuchungshaft

Vergewaltigung auf Mallorca: Jetzt spricht der Vater des Opfers

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Vergewaltigung auf Mallorca: Festnahme
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Die mutmaßliche Vergewaltigung einer jungen Frau auf Mallorca erhitzt die Gemüter. Der Vater geht von einer "geplanten Tat aus".

Cala Ratjada/Mallorca - Seit Tagen sorgt der Fall für Schlagzeilen - in Deutschland und in Spanien. Eine 18-jährige Deutsche soll in einem Hotel auf Mallorca Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden sein. Die Täter sollen ebenfalls die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen. Zwei der Verdächtigen sitzen in Spanien ohne Kaution in Untersuchungshaft - ihnen wird "sexuelle Aggression" vorgeworfen - zwei weitere wurden nach einer Anhörung wieder auf freien Fuß gesetzt. 

Vater: „Die Medien bieten nur den Straftätern eine Plattform“

Fr.de* konnte telefonisch mit dem Vater des Opfers sprechen (Name der Redaktion bekannt), der empört und enttäuscht darüber ist, dass Medien "einem Straftäter die Plattform bieten, um sich schön darzustellen". Gemeint sind damit vielfältige Stimmen aus dem Umfeld des mutmaßlichen Haupttäters, dieser habe "eine solche Tat" wie eine Vergewaltigung gar nicht nötig. Er sei ein guter Fußballer und ein netter Kerl, war zu lesen. Auf YouTube kursiert ein "Solidaritätsaufruf" für den mutmaßlichen Haupttäter Y. Das Mädchen wird darin als "diese Schlampe" betitelt. "Nachrichten", die für das Mädchen und seine Familie wie ein Schlag ins Gesicht sein müssen: "Wie müssen gerade unheimlich viele Tiefschläge einstecken. Ich kann nicht mehr erleiden, dass das Opfer in den Dreck gezogen wird", sagt der Vater dann auch. 

Vergewaltigung auf Mallorca: Verletzungen am ganzen Körper

Bei der spanischen Polizei haben die Männer nach der fraglichen Nacht ausgesagt, dass es sich um einvernehmlichen Sex gehandelt habe. Die Aussagen der 18-Jährigen und die zahlreichen in einem Krankenhaus dokumentierten Wunden sprechen hingegen eine andere Sprache. Bei den medizinischen Untersuchungen seien Verletzungen am ganzen Körper festgestellt worden, die bestätigt hätten, dass die junge Frau Opfer sexueller Gewalt wurde, so spanische Medien unter Berufung auf Gerichtsquellen.

Der Vater erzählt vom Urlaub seiner Tochter und von der verhängnisvollen Nacht, die sie sie ihm unmittelbar danach schilderte. Die 18-Jährige war zusammen mit einer Freundin auf die Insel gereist. Zunächst hätten sich die beiden Frauen auf der anderen Seite der Insel aufgehalten, um zu feiern. Danach seien sie umgezogen in ein günstiges Hotel an der Cala Ratjada, um ein paar Tage auszuspannen. In dem 6000-Einwohner-Ort im Nordosten der Insel hätten die Mädchen dann auch die Männer kennengelernt, die später unter dem Verdacht der Gruppenvergewaltigung von der Polizei festgenommen wurden.

Mädchen zum Hotel gelockt

Die 18-Jährige habe sich mit ihrer Freundin in einer Lokalität in dem Ort an einen Vierertisch gesetzt, zwei der Männer hätten an einem benachbarten Tisch Platz genommen und sich zunächst "normal mit den Frauen unterhalten". Die 18-Jährige und ihre Freundin seien nicht betrunken gewesen, sie hätten vielleicht zwei bis drei Cocktails getrunken. Anschließend habe die Gruppe das Hotel der jungen Männer angesteuert, um  schwimmen zu gehen. "Der Pool ist dort viel besser", soll der mutmaßliche Haupttäter, der aus dem hessischen Bebra (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) stammen soll, mit Blick auf die Unterkunft der Mädchen behauptet haben. Die anderen Männer der Gruppe habe die 18-Jährige hingegen kaum gekannt. Das spätere Opfer folgte dem jungen Mann dann zum Hotel.

Dort angekommen, soll der junge Mann die 18-Jährige zu seinem Zimmer gelockt haben, indem er vorgab, noch seine Straßenhose wechseln zu wollen und eine Badehose anzuziehen. Als das Mädchen mit ihm das dunkle Zimmer betrat, sei sie sofort gepackt und festgehalten worden. Mindestens ein Mann hätte dort gewartet. Dort soll es dann zu der Gruppenvergewaltigung gekommen sein. Das Mädchen habe in der Dunkelheit kaum etwas erkennen können, doch dort seien die Täter über sie hergefallen. 

Die Aussagen der Beschuldigten von einvernehmlichem Sex klingen daher wie Hohn in den Ohren des Vaters: "Wenn mehrere Männer eine Frau festhalten, dann ist das kein einvernehmlicher Sex." Für ihn ist klar: "Sie wurde in eine Falle gelockt. Das war eine geplante Tat."

Eine unmissverständliche Drohung

Y. habe dem Mädchen unmittelbar nach der Vergewaltigung unmissverständlich mit den Worten gedroht: "Wenn du darüber redest, fügen wir dir richtig Schmerzen zu!" Dennoch sei das Mädchen geistesgegenwärtig genug gewesen, umgehend Anzeige zu erstatten. Die Polizei sei dann sehr handlungsschnell gewesen. Zu der Vergewaltigung soll es in der Nacht auf den 4. Juli in den frühen Morgenstunden gegen zwei oder drei Uhr gekommen sein. Die mutmaßlichen Täter wollten noch am selben Morgen zurück nach Deutschland fliegen. Sie wurden dann am Flughafen von der spanischen Polizei gestellt.

Zwei der Männer sitzen weiterhin in Spanien in U-Haft. Das Mädchen ist hingegen seit Sonntag wieder in Deutschland. Für die Frage, wie es ihr geht, braucht man nicht allzu viel Phantasie. Die 18-Jährige habe heute einen Termin beim Psychologen. Außerdem müsse sie diverse Tabletten nehmen. Man wisse ja nicht..

Die Familie steht weiter mit der Polizei in Spanien in Kontakt. Für deren Arbeit ist der Vater des Mädchens voll des Lobes. Besonders eine Beamtin vor Ort, die fließend deutsch und spanisch sprechen konnte, sei in der Situation sehr hilfreich gewesen: "Riesen Dank an diese Frau!"

Vater geht von einer Verurteilung aus

Zuletzt tauchten Zeugenaussagen von zwei jungen Frauen auf, die den Angaben der 18-Jährigen zum Geschehen in der Nacht zu widersprechen scheinen. Die Zeuginnen nehmen die Hauptverdächtigen in Schutz, geben ihnen Alibis. Eine Gruppenvergewaltigung könne gar nicht passiert sein, sagten sie gegenüber dem Fernsehsender RTL. Zwei Männer aus der Gruppe der Verdächtigen seien bis morgens um vier mit ihnen am Strand gewesen. Einer von ihnen habe eine Abfuhr widerspruchlos akzeptiert, der andere Mann habe sogar im Zimmer dieser jungen Frauen übernachten dürfen und diese "in Ruhe gelassen".

Der Vater der 18-Jährigen kann sich solche Aussagen nicht so recht erklären. Natürlich sei es möglich, dass sich die Verdächtigen gegenüber den anderen Mädchen und zu einem anderen Zeitpunkt korrekt verhalten hätten, das ändere aber nichts an dem, was seiner Tochter widerfahren sei. Er ist sehr zuversichtlich, was die weiteren Ermittlungen der spanischen Polizei angeht: "Es ist 100-prozentig beweisbar, dass die Beiden das sind."

Tobias Möllers

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