Gedenken an Regierungspräsident Walter Lübcke

Vor einem Jahr: So soll sich der Mord an Walter Lübcke abgespielt haben

Vor einem Jahr: So soll sich der Lübcke-Mord abgespielt haben
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Tatort nach dem Mord: Das Wohnhaus von Walter Lübcke in Wolfhagen-Istha bei Kassel.

Zum ersten Mal jährt sich der Todestag des ehemaligen Regierungspräsidenten Walter Lübcke. Umfangreiche Ermittlungen ermöglichen nun eine genaue Rekonstruktion der Tat.

  • Umfangreiche Ermittlungen ermöglichen wahrscheinliche Tatkonstruktion
  • Stephan Ernst soll Lübcke schon Jahre vor dem Mord beobachtet haben
  • Tat bei Kassel sorgte wochenlang für Schlagzeilen

Kassel - Ein Jahr nach dem Mord an Walter Lübcke wird die Tat vor einem Gericht verhandelt. Nach Informationen unserer Zeitung soll der Prozess gegen den Kasseler Stephan Ernst bereits Mitte Juni vor dem Oberlandesgericht Frankfurt beginnen.

Stephan Ernst beobachte Lübcke schon lange vor dem Mord bei Kassel

Nach umfangreichen Ermittlungen mit mehr als 300 vom Generalbundesanwalt veranlassten Zeugenvernehmungen soll sich der Mord wie folgt abgespielt haben:


Demnach fährt Ernst mit seinem VW Caddy an jenem 1. Juni von Kassel nach Istha, was er in der Vergangenheit schon öfter getan hat. Nach den Äußerungen von Lübcke bei einer Bürgerversammlung 2015 in Lohfelden ist der Regierungspräsident Ernsts Feindbild.

Kassel: Worte von Lübcke veranlassten Täter wohl zum Mord

Lübcke hatte während einer Informationsveranstaltung zu einer geplanten Flüchtlingsunterkunft gesagt: „Es lohnt sich, in unserem Land zu leben. Da muss man für Werte eintreten, und wer diese Werte nicht vertritt, der kann jederzeit dieses Land verlassen, wenn er nicht einverstanden ist. Das ist die Freiheit eines jeden Deutschen.“

Ernst macht sich nach den bisherigen Ermittlungserkenntnissen am 1. Juni gegen 19.30 Uhr in Kassel auf den Weg ins 22 Kilometer entfernte Istha. Vor dem Mord beobachtete er bis nach 23 Uhr das Haus Lübckes, in der Nähe ist die Weizenkirmes noch in vollem Gange. Gegen 23.30 Uhr tritt Lübcke noch einmal auf seine Terrasse, um eine Zigarette zu rauchen und so den Tag ausklingen zu lassen.

Mord bei Kassel: 2. Juni gilt als offizieller Todestag von Lübcke

Wie die Bild-Zeitung jüngst schrieb, trug Lübcke eine Latzhose, die er normalerweise zu Gartenarbeiten anzog. Auf seinem iPad soll er sich ein Hotel in der Rhön angeschaut haben, zu dem er am nächsten Tag mit seiner Frau zu einem Kurzurlaub aufbrechen wollte.

Der Schein des iPads soll Ernst dazu bewegt haben, sich doch noch Richtung Terrasse aufzumachen und den Mord zu begehen. Er schießt Lübcke schließlich aus kurzer Distanz in den Kopf. Lübcke ist sofort tot, sein Tod wird allerdings erst um 2.45 Uhr im Krankenhaus Wolfhagen (Kreis Kassel) festgestellt. Auf dem Kreuz an seinem Grab steht der 2. Juni als Todesdatum.

Trotz Widerruf: Ernsts Geständnis zu Lübcke-Mord bei Kassel vor Gericht verwertbar

Die Erkenntnisse resultieren auch aus Ernsts erstem Geständnis kurz nach seiner Festnahme Mitte Juni. Das widerrief er zwar, aber seine Aussagen sind durchaus vor Gericht verwertbar. Im Januar sagte Ernst gegenüber den Ermittlern, nicht er habe Lübcke erschossen, sondern sein Komplize Markus H. – aus Versehen. H. ist ebenfalls angeklagt.

Was jeweils vor einem Jahr geschah Der Mord an Dr. Walter Lübcke hat die Region erschüttert. Der Fall sorgte über Wochen für Schlagzeilen – auch weil fast täglich etwas Neues über das Mordmotiv und den vermeintlichen Täter ans Tageslicht kam, nachdem Stephan Ernst zwei Wochen nach der Tat im Stadtteil Forstfeld in Kassel festgenommen worden war.

Mord an Lübcke: Kalenderblatt soll an Regierungspräsident von Kassel erinnern

Mit einer Art Kalenderblatt wollen wir in den nächsten Wochen an jeweils das erinnern, was genau vor einem Jahr geschehen ist. Noch kurz vor dem Mord berichteten wir im Übrigen auch über Walter Lübcke. Am 28. Mai stellte er einen Erlebnisführer für die Dönche vor. Und eine Bilanz mit ihm stand auch an. Schließlich hatte er gerade zehn Jahre als Regierungspräsident im Regierungsbezirk Kassel hinter sich.

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht sieht Mord an Walter Lübcke* als „Zäsur“.

Nach Mord an Lübcke*: Mutmaßlicher Täter Stephan Ernst wird auch für eine weitere Tat angeklagt.

Interview mit Volker Bouffier: Walter Lübcke* war „ein verlässlicher Freund“

Nach dem Mordfall Walter Lübcke aus Kassel wurden jetzt bundesweite Durchsuchungen im Zusammenhang mit Hasskommentaren gemacht. 

Vor einem Jahr wurde der Regierungspräsident von Kassel, Walter Lübcke, erschossen. Der anstehende Prozess wird aufgrund der Corona-Krise unter besonderen Bedingungen abgehalten.

Hat der hessische Verfassungsschutz dazu beigetragen, dass der mutmaßliche Helfer im Mordfall Walter Lübcke Waffen besitzen durfte? Recherchen des NDR decken eine Panne auf.

Nach dem Mord an dem Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Kreis Kassel treten Familienangehörige als Nebenkläger in dem Prozess auf. Sie wollen bei dem Auftakt am 16. Juni dabei sein.

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Walter Lübcke tritt der Flüchtling Ahmad E. als Nebenkläger auf. Sein Anwalt hat eine ganz besondere Erwartung an die Verhandlung. 

Kassel: Gut ein Jahr nach dem Mord an Walter Lübcke startet der Prozess in Frankfurt. Eine Übersicht über die Handelnden beim Mammut-Prozess.

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