Debatte bei Markus Lanz um Trikot-Geschenk 

Peter Huth fordert Rauswurf - Marcel Reif: "so ungehörig, dass es gar nicht geht!"

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Özil und Gündogan hatten Erdogan bei einem Termin in London am Sonntag Trikots ihrer Vereine FC Arsenal und Manchester City überreicht.
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Hamburg - Am Dienstagabend debattierten Fußballkommentator Marcel Reif, Journalist Peter Huth und weitere Gäste in der Talk-Show Markus Lanz über das Treffen von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem tükischen Staatsoberhaupt Recep Tayip Erdogan. Beide sehen den Besuch der Nationalspieler als Fehlverhalten. 

"Großer Gott", dachte sich Marcel Reif als er das Bild der beiden Fußballprofis mit dem Präsidenten der Türkei das erste Mal sah, bestätigt jener zu Beginn der Sendung. Er habe immer davor gewarnt und an die Öffentlichkeit appeliert, dass man politische Themen nicht auf die Nationalspieler abladen dürfe, doch bei dieser Aktion fehle ihm jedes Verständnis. Er halte vor allem Gündogan für eine "ziemlich helle Kerze auf der Torte", der ganz genau wisse, was er tue und für was Erdogan stehe. 

Sich auf ein solches Treffen einzulassen und ein Trikot mit der Signatur "hochachtungsvoll, an meinen Präsidenten" zu übergeben, sei "so ungehörig, dass es eigentlich gar nicht geht". Er erwarte von Özil und Gündogan eine Art Entschuldigung. Beide sollen sich zu ihren Fehlern bekennen und dies auch öffentlich kommunizieren. 

Peter Huth fordert Rauswurf

Der Chefredakteur der Welt am Sonntag, Peter Huth, geht noch einen Schritt weiter. "So jemand kann nicht in der Nationalmannschaft spielen!" Wer Erdogan und nicht Herrn Steinmeier als seinen Präsidenten bezeichne, sollte das Trikot der Deutschen Nationalmannschaft nicht mehr tragen. 

Es wäre sehr wohl möglich gewesen, dem Treffen fernzubleiben. So ziehe das Argument der höflichen Geste nicht. Emre Can zum Beispiel hatte Erdogan eine Absage erteilt. Außerdem handle es sich nicht um eine höfliche Geste, sondern um ein klares politischen Statement. Sowohl Gündogan als auch Özil hätten über ihre Funktion um die Person Erdogan im Wahlkampf gewusst. 

Welche Motivation hatte Özil und Gündogan?

Hier stieg auch Marcel Reif in die Unterhaltung wieder ein und betonte, sollten die beiden die Geisteshaltung von Herrn Erdogan teilen, so würden die Ausnahme-Kicker für etwas stehen, für das die Deutsche Nationalmannschaft sicherlich nicht stehe. Einen Mann, der Menschenrechte missbraucht und andere Werte missachtet, dürfe ein Deutscher Nationalspieler definitv nicht unterstützen und müsse mit den Konsepuenzen leben. 

Hintergrund: 

Özil und Gündogan hatten Erdogan bei einem Termin in London am Sonntag Trikots ihrer Vereine FC Arsenal und Manchester City überreicht. Die von Erdogans Partei veröffentlichten Bilder hatten schnell ein harsches Echo ausgelöst. Vor allem Gündogan schockierte die Fans, da er das Trikot mit den Worten "hochachtungsvoll, an meinen Präsidenten" signierte. 

Gündogan-Erklärung im Wortlaut:

Gündogan hatte kurz zuvor eine Erklärung bezüglich des Treffens mit Erdogan abgegeben: 

„Zusammen mit Mesut, Cenk und weiteren Sportlern haben wir gestern Abend eine Veranstaltung einer türkischen Stiftung in London besucht. Wir finden es gut, dass es eine Stiftung gibt, die türkische Studenten im Ausland fördert und Ihnen damit eine internationale Karriere ermöglicht. Wir haben den türkischen Staatspräsidenten am Rande der Veranstaltung getroffen. 

Aus Rücksicht vor den derzeit schwierigen Beziehungen unserer beiden Länder haben wir darüber nicht über unsere sozialen Kanäle gepostet. Aber sollten wir uns gegenüber dem Präsidenten des Heimatlandes unserer Familien unhöflich verhalten? Bei aller berechtigten Kritik haben wir uns aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten und unseren türkischen Wurzeln – auch als deutsche Staatsbürger - für die Geste der Höflichkeit entschieden. 

Es war nicht unsere Absicht, mit diesem Bild ein politisches Statement abzugeben, geschweige denn Wahlkampf zu machen. Als deutsche Nationalspieler bekennen wir uns zu den Werten des DFB und sind uns unserer Verantwortung bewusst. Fussball ist unser Leben und nicht die Politik.“

Quelle: rosenheim24.de

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