EHEC: Gemüseproduzenten gehen in die Offensive

Bonn - Angesichts wachsender Skepsis der Verbraucher durch die EHEC-Krise gehen die deutschen Obst- und Gemüseproduzenten in die Offensive. Mit Tests wollen sie den Kunden beweisen, dass ihre Ware EHEC-frei ist.

Große Erzeuger haben Stichproben ihrer Produkte testen lassen und meldeten nach entsprechenden Laborbefunden ihr Obst und Gemüse als “EHEC-frei“. Der Erzeuger-Bundesverband wirft Spanien mangelnde Bereitschaft zur Aufdeckung der Quelle für verunreinigte Gurken vor.


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Die Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO) in Bonn berichtete am Samstag über die Laborbefunde mehrerer ihrer Mitglieder. So seien Waren der führenden deutschen Vermarktungsorganisation Landgard am Niederrhein “erwartungsgemäß EHEC-frei“. Zu den getesteten Waren gehörten mehrere Salatsorten, Tomaten und Gurken. Dasselbe Ergebnis legte auch die Gartenbauzentrale Papenburg vor - die größte Gurken vermarktende Organisation in der Bundesvereinigung. Sowohl Landgard als auch die Gartenbauzentrale haben viele Kunden in Norddeutschland, wo die Zahl der durch den EHEC-Erreger erkrankten Menschen besonders hoch ist.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

dapd
Was verbirgt sich hinter der Abkürzung EHEC? © 
Es handelt sich bei EHEC-Bakterien um die sogenannten Enterohämorrhagischen Escherichia Coli-Bakterien. Seit Anfang Mai verbreitet ein besonders aggressiver Erreger Angst und Schrecken in Deutschland. © dpa
Bisher sind 36 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Überraschend: Betroffen sind vor allem junge Frauen. Normalerweise erkranken Kleinkinder unter fünf Jahren, ältere und immunschwache Menschen durch eine EHEC-Infektion. © dpa/ap
Bei EHEC handelt es sich um eine gefährliche Variante des für den Menschen harmlosen Darmbewohners Escherichia coli. EHEC kommt im Darm von Weiderkäuern vor. Gelangt es jedoch in den Körper des Menschen, setzen die Bakterien dort gefährliche Giftstoffe frei. © dpa/ap
Wissenschaftler haben das Genom des Erregers bereits entschlüsselt. Dabei fanden sie heraus, dass zwei Bakterienstämme ihre Erbsubstanz miteinander ausgetauscht haben. © dpa
Welche Symptome bringt eine EHEC-Erkrankung mit sich? © dpa/ap
Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben. © dpa
Wie wird die Krankheit übertragen? © dpa/ap
Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich. © dpa/ap
Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle? © dpa/ap
Schnell gerieten Gurken und Tomaten in Verdacht. Das Bundesamt für Risikobewertung hat allerdings inzwischen die Empfehlung, auf den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat in Norddeutschland zu verzichten, aufgehoben.  © dapd
Denn inzwischen haben Wissenschaftler Sprossen von einem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel zweifelsfrei als Träger des Erregers identifiziert. © dpa
Beunruhigend: EHEC-Bakterien wurden auch auf bayerischem Salat gefunden. Er befand sich auf Lollo Rosso-Salat eines Fürther Gemüseerzeugers. Erste Laborergebnisse deuten jedoch nicht darauf hin, dass es sich um den gefährlichen Erreger-Typ handelt. © dapd
Wie kann ich mich vor EHEC-Erkrankungen schützen? © dpa/ap
Die Behörden empfehlen, dass in Deutschland derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden sollten - auch keine selbst gezogenen.  © 
Der beste Schutz vor dem Keim ist allerdings Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem RKI zufolge das Risiko einer EHEC-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Es gibt keine Impfung gegen den Keim. © dpa
In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das? © dpa/ap
HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein. © dpa/ap
Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin? © dpa/ap
Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen EHEC-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. © dpa/ap

Der Geschäftsführer der Bundesvereinigung, Karl Schmitz, sagte der Nachrichtenagentur dpa am Samstag, mit den Laboruntersuchungen solle die Suche nach der Quelle der EHEC-Verunreinigung unterstützt werden. Scharfe Kritik übte er an den spanischen Behörden, die diese Suche überhaupt nicht unterstützten, sondern mit Schuldzuweisungen in die deutsche Richtung arbeiteten.

Aus einem spanischen Betrieb stammen Gurken, auf denen in Deutschland der EHEC-Erreger festgestellt wurde. Schmitz geht davon aus, dass dieser Anbieter noch mehr Kunden in Deutschland hat: “Ich erwarte, dass die spanische Seite umgehend darüber informiert, an welche sonstigen Kunden sie Gurken verkauft hat“, sagte Schmitz. Es könne damit gerechnet werden, dass der EHEC-Erreger noch in weiteren Regionen Deutschlands auftauche. Dass die Spanier dies nicht offenlegten sei “destruktiv“. “Es geht jetzt darum, alle Quellen von EHEC zu finden - nicht um Schuld zuzuweisen, sondern um aufzuklären“, sagte Schmitz.

dpa

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