Deutsch-britisches Wissenschafsteam

Durchbruch in der Corona-Forschung: Ist das der Schlüssel zur Vorbeugung?

Ein Wissenschaftler hat ein Probenröhrchen in der Hand. Er trägt Maske und Visir.
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Der Blick auf die Wissenschaft hat zugenommen. Nun stehen Forscher aus Deutschland und England im Fokus.

Die Corona-Forschung läuft auf Hochtouren. Nun hat ein deutsch-britisches Wissenschaftsteam ein Protein ausgemacht, das im Kampf gegen Covid-19 eine entscheidende Rolle spielen könnte.


Frankfurt - Die medizinische Forschung befindet sich im Ausnahmezustand. Derzeit wird kaum einem Thema so intensiv gearbeitet wie am neuartigen Coronavirus. Wann gibt es einen Impfstoff*? Wie kann Covid-19 früher erkannt beziehungsweise gestoppt werden? Nun gibt es neue Hinweise auf ein Protein, das zumindest einen schweren Krankheitsverlauf vorhersagen kann. Es wäre ein Durchbruch.

Corona-Forschung: Welche Rolle spielt das Protein Transferrin in puncto Covid-19-Vorbeugung?


Ein deutsch-britisches Forscherteam hat womöglich einen Frühindikator für einen schweren Covid-19-Verlauf ausgemacht. Wissenschaftler der Goethe-Universität und des Universitätsklinikums Frankfurt sowie der britischen University of Kent beschäftigen sich mit dem Eisen-Transport-Protein Transferrin.

Die Forscher untersuchten Daten aus menschlichem Gewebe und verglichen diese mit denen coronainfizierter kultivierter Zellen. Der Fokus des Wissenschaftsteams lag dabei auf bestimmten Molekülen, die an der Blutgerinnung beteiligt sind, da sich schwere Krankheitsverläufe oftmals mit Veränderungen in diesem Bereich bemerkbar machen. Zudem wiesen die ausgewählten Moleküle gewisse Andersartigkeiten hinsichtlich Alter und Geschlecht auf. Denn nach aktuellem Forschungsstand sind ältere Menschen signifikant häufiger von einer Sars-Cov-2-Infektion betroffen als jüngere. Zudem gibt es Evidenzen dafür, dass Männer generell anfälliger sein könnten als Frauen.

Corona-Forschung: Protein Transferrin als mutmaßlicher Frühindikator der Krankheit

Bei der Analyse von insgesamt 200 Gewebe-Daten stießen die Forscher auf das Protein Transferrin, das hauptsächlich für den Eisentransport im Blutkreislauf verantwortlich ist und die Blutgerinnung ankurbelt. Auffällig war, dass Transferrin bei Corona-Patienten offensichtlich hochreguliert wird, sich in seiner Konzentration je nach Verlauf unterscheidet und folglich Rückschlüsse auf die Virenausbreitung geben könnte. Die Goethe-Universität schreibt dazu auf ihrer Website: „Daher könnte Transferrin ein Früh-Indikator sein für Covid-19-Patienten, denen ein schwerer Krankheitsverlauf droht“ - ein mutmaßlicher Meilenstein in der Forschung.

Stellt sich Transferrin tatsächlich als tauglich heraus, hätte das massive Vorteile. Potenziell stark infizierte Personen könnten damit gezielter und vor allem schneller versorgt werden. Laut aktuellem Stand der Forschung ist die Schwere des Krankheitsverlaufs nämlich oftmals nicht sofort ersichtlich, mitunter verschlimmern sich die Symptome recht zügig. Ebenso ist unklar, weshalb Corona bei einigen Menschen einen milden Verlauf nimmt, während andere teils über Wochen mit der Lungenkrankheit zu kämpfen haben - obwohl sie frei von den als Gefährdung ausgemachten Vorerkrankungen* sind. Mit dem Einsatz von Transferrin könnte dem entgegengewirkt werden.

Corona-Forschung: Münchner Studie stützt Transferrin-These mit ähnlichen Ergebnissen

Die Ergebnisse des deutsch-britischen Forscherteams werden derzeit noch diskutiert. Ein abschließendes Fazit über die tatsächliche Evidenz ist noch nicht möglich, jedoch deuten andere Studien zumindest darauf hin, dass Transferrin als Corona-Indikator tragfähig ist. Forscher aus München hatten vor wenigen Wochen Biomarker entdeckt, die den Krankheitsverlauf vorhersagen könnten. In einer Pilotstudie konnten sie zeigen, dass bei Infizierten mit einem schweren Krankheitsverlauf der Botenstoff Interleukin-6 erhöht ist. Die aktuellen Ergebnisse schlagen nun in eine ähnliche Kerbe.

Ein deutsches Forschungsteam hat in einer Studie die Wirkung von Mundspülungen auf das neuartige Coronavirus untersucht, das Ergebnis überrascht. Außerdem interessant: Warum klagen mit dem Coronavirus infizierte Patienten häufig über den Verlust ihres Geruchssinns? Eine neue Studie beschäftigt sich damit - und liefert interessante Ergebnisse. (as) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Video: Die aktuellen Corona-Zahlen vom 4. August 2020

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