Berlin-Tempelhof: Vom Airport zum Super-Park

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Berlin - Seit einem Jahr ist das Flugfeld des früheren Flughafens Tempelhof geöffnet. Die Berliner haben ihre riesige Wiese lieben gelernt. Anwohner wollen, dass sie so bleibt, wie sie ist. Doch es gibt große Pläne. Ein Kletterfelsen soll 60 Meter hoch werden.

Die Berliner haben kein blaues, sie haben ein grünes Meer. Wer sich dem stillgelegten Flughafen Tempelhof vom Stadtteil Neukölln aus nähert, hat das Gefühl, er gehe auf einen Strand zu. Denn hinter der letzten Häuserfront sieht er kilometerweit nichts. Nichts als eine riesige Wiese mit ein paar Landebahnen - die neue Erholungsoase der Hauptstädter. Mit der Ruhe ist es jedoch bald vorbei: 2013 rücken die Bagger an und richten das Gelände für die Internationale Gartenschau 2017 her. Anschließend soll ein “Park der Superlative“ entstehen.


Die zehn gefährlichsten Flughäfen der Welt

Washington-Touristen kennen den nervigen Fluglärm über der US-Hauptstadt: Der Reagan National Airport befindet sich mitten in der Stadt zwischen zwei Flugverbotszonen. Piloten müssen beim Landen Gebäude wie das Pentagon und das CIA-Hauptquartier meiden und während des Starts schnell an Höhe gewinnen, um nicht ins Weiße Haus zu fliegen. © AP
Flughafen gefährlich
Der Anflug auf den Flughafen Santa Catarina ist eine Belastungsprobe für Flugpersonal und Passagiere. Piloten müssen für den Anflug speziell ausgebildet werden: Die Landebahn ist nicht nur extrem kurz, sondern verläuft auch noch direkt an einem Steilküstenabhang. Die Piloten müssen lange auf die Berge zufliegen und erst im letzten Augenblick das Steuer rechts herumreißen, um auf dem Rollfeld zu landen. © dpa
Die Rollbahn des Toncontin-Flughafens in Tegucigalpa (Honduras) ist mit 1863 Metern die weltweit kürzeste eines internationalen Airports. Größere Flugzeuge können hier nicht landen. Vor der Landung muss der Pilot bergiges Gelände überfliegen, primitive Navigationsausrüstung machen den Flughafen zusätzlich gefährlich. Bei schlechter Witterung müssen die Flugzeuge oft nach San Salvador ausweichen. © dpa
Insel Barra
Auf der westschottischen Insel Barra muss ein Sandstrand als Flugfeld herhalten. Die Größe des "Rollfelds" hängt ganz von den Gezeiten ab. Simple Autoscheinwerfer auf dem Parkplatz weisen Piloten nachts den Weg über die flache Bucht. © dpa
La Guardia und Newark
Viel beflogen, aber ziemlich gefährlich: der John F. Kennedy Airport in New York. Die Herausforderung für die Piloten besteht im Vermeiden von Flugzeugen anderer Flughäfen in der Nähe - La Guardia und Newark. Die Crew ist gezwungen, etwa 460 Meter Abstand und eine Sicht von knapp 8000 Metern zu haben, bevor sie die Landebahn anfliegen dürfen. © dpa
Am 9. November 2007 kam ein Flugzeug der Airline Iberia von der Landebahn in Quito, Ecuador, ab (Foto). Piloten fürchten die abschüssige Landebahn der ecuadorianischen Hauptstadt seit langem. Der Flughafen liegt nur wenige Minuten vom Finanzzentrum entfernt und ist umringt von einer Wohnsiedlung. Das Problem wurde jedoch erkannt. Ein neuer Flughafen einige Kilometer entfernt gebaut. © dpa
Am 19. Februar 2013 schließt der berüchtigte Flughafen in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito für immer. © AP
Der Flugplatz von Lukla in Nepal ist nur 527 Meter lang und 20 Meter breit. Die Landebahn neigt sich um 12 Grad, der Höhenunterschied zwischen beiden Endpunkten beträgt 60 Meter. Die Piloten haben nur einen Versuch, Durchstarten ist wegen der Hochgebirgslage unmöglich. Eine lebensgefährliche Angelegenheit: Auch eine Reisegruppe aus München stürzte hier 2008 in den Tod. © dpa
Die Startbahn der 13-Quadratkilometer-Insel Saba auf den Niederländischen Antillen ist gerade mal 400 Meter lang und säumt eine Steilküste. Der Flughafen der Karibikinsel ist außerdem sehr anfällig für Sturmböen. © dpa
Unglaublich: Eigentlich ist der Flughafen von St. Maarten, Karibik, nur für kleine und mittlere Jets geeignet. Piloten größerer Flieger müssen die Landebahn (2180 Meter lang) daher sehr tief über dem traumhaften Sandstrand von Maho Beach und seinen Urlaubern anfliegen und berühren dabei fast den zehn Meter hohen Sicherheitszaun. © dpa
Höchste Präzision erfordert der Landeanflug auf den Flughafen von Gibraltar, Südspanien. Der kleine Airport liegt zwischen der Bucht von Algeciras und dem Mittelmeer. Das Rollfeld ist knapp 1830 Meter lang. Wie auf den anderen kleineren Flughäfen brauchen Piloten hier eine Spezialausbildung. © dpa

Fast 100 Jahre lang war der Traditionsflughafen, dieses gewaltige Stück Natur mitten in der Stadt, für die Öffentlichkeit tabu. Bis im vergangenen Jahr die Tore geöffnet wurden: Seitdem strömen am Wochenende im Schnitt bis zu 35 000 Besucher in Berlins größten Park, der fast so groß ist wie der Central Park in New York. Viel hat sich seit der Öffnung nicht verändert. Bis heute sieht die Tempelhofer Freiheit nach Flughafen aus. Jogger, Radfahrer und Inline-Skater können ungestört ihre Runden drehen. Andere werfen Frisbees oder spielen Fußball. Freunde treffen sich zum Grillen, Familien treffen sich zum Picknick. “Es ist so speziell. Ich liebe es, hier zu sein“, sagt Timmy Ryan.


Der Fotograf kommt fast jeden Tag her und wünscht sich wie viele Anwohner, dass der Park so bleibt, wie er ist - ein Provisorium. “Einfach schauen, wie sich die Dinge entwickeln“, sagt Ryan, nippt an seinem Bier und schaut in die Ferne. So eine riesige freie Fläche mitten in einer Metropole gibt es in Europa wohl nur einmal. Für manche ist das Flugfeld bereits ein fertiger Park, für Landschaftsarchitekten und Städteplaner ist es eine Spielwiese der Fantasie geworden. 78 nationale und internationale Büros hatten ihre Konzepte beim Ideenwettbewerb zur Parkgestaltung eingereicht.

Die Kreativen regt es an, dieses 285 Hektar große Areal zu gestalten, sich mit der Weite, der Geschichte, dem Mythos zu beschäftigen. Früher landeten hier während der Luftbrücke 1948/49 die “Rosinenbomber“, später die Beatles, John F. Kennedy und Marilyn Monroe. Der Flughafen Tempelhof war West-Berlins Tor zur Welt. Nun soll aus ihm für rund 60 Millionen Euro nach Pariser Vorbild eine Art “Parc de la Villette“ in Berlin werden, sagt Andreas Kipar. Der Architekt saß der Expertenjury vor, die sich zwischen den Konzepten einstimmig für das Projekt des britischen Architektenbüros Gross.Max und Sutherland Hussey entschied. Welche Konzepte noch im Gespräch waren, ist derzeit in einer Ausstellung zu sehen.

Bereits 2009 hatte Berlin den Zuschlag für die Ausrichtung der renommierten Internationalen Gartenausstellung erhalten. Der Senat hofft auf 3 bis 3,5 Millionen Besucher aus der ganzen Welt. Ob es bald mit der großen Freiheit in Tempelhof vorbei ist? Die Planer sagen nein. Kipar spricht von “einer robusten Grundstruktur“, die der Siegerentwurf vorgebe. Es sei noch genug Raum für Entwicklung. Geplant sind Nachbarschaftsgärten, Naturbiotope, eine Eisbahn und ein 60 Meter hoher Kletterfelsen. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher spricht von einem Konzept zwischen “Anmut und Größenwahn“.

dpa

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