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Azubi schätzt Freundin des Chefs älter: Rauswurf!

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Eine junge Frau hat die Freundin ihres Chefs älter eingeschätzt als sie. Dafür flog sie raus.

Mannheim - Sie schätzte die Freundin ihres Chefs älter ein als sie ist und flog dafür raus. Jetzt hat ihr Arbeitgeber die fristlose Kündigung zurückgenommen. Den Job ist sie trotzdem los. Außerdem droht ihr noch eine Schadensersatzklage.

Die junge Frau weint vor Erleichterung: Sie hatte die Freundin ihres Chefs älter gemacht als sie ist und dafür die fristlose Kündigung kassiert. Jetzt einigte sich die 19-Jährige mit ihrem ehemaligen Arbeitgeber, einem Anwalt, auf einen Vergleich. Am Donnerstag nahm er vor dem Arbeitsgericht Mannheim die fristlose Kündigung zurück. Allerdings droht neuer Streit. Der Anwalt fühlt sich im Internet gemobbt und macht dafür seine frühere Mitarbeiterin verantwortlich.

Ihre frühere Lehrstelle bekommt die junge Frau auch nicht zurück. Der Vergleich sieht vor, dass eine offizielle Kündigung rückwirkend Ende November ausgesprochen wird. Zudem zahlt der Anwalt eine noch ausstehende Ausbildungsvergütung von 333 Euro. Die 19-Jährige hat auch schon eine neue Stelle gefunden. Sie setzt ihre Ausbildung zur Rechtsanwalts-Fachangestellten seit Dezember in einer anderen Kanzlei fort. Auf die Einigung reagierte sie erleichtert: “Ich bin froh, dass es vorbei ist.“

Zum Verhängnis wurde ihr, dass sie die Partnerin ihres Chefs auf 40 Jahre schätzte, obwohl sie mit 31 Jahren deutlich jünger war. Der Anwalt empfand das als Angriff auf seine Freundin und sich und entließ die Auszubildende im September fristlos.

“Sie hat mich regelrecht ausgelacht. Dadurch fühlte ich mich beleidigt“, sagte der Anwalt. Er habe ihr dreimal leicht auf die Schulter geschlagen, sich später aber dafür entschuldigt. Die 19-Jährige habe sich in den folgenden Tagen dann grundlos krankgemeldet. Schon aus diesem Grund hätte er ihr kündigen können.

Gekündigt! Diese Bagatellen können Sie den Job kosten

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Brot
Der erste Fall, in dem das Bundesarbeitsgericht über eine Kündigung wegen eines Bagatelldiebstahl entschieden hat, führte zum „Bienenstich-Urteil“ von 1984. Eine Verkäuferin hatte einen Bienenstich verzehrt aber nicht bezahlt. Sie erhielt eine fristlose Kündigung. Das „Bienenstich-Urteil" gehört heute zum Einmaleins jedes Arbeitsrechtlers. © dpa
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Oktober 2009: Weil sie für Gäste und den Chef bestimmte Brötchen selbst gegessen haben, müssen zwei Sekretärinnen des Bauverbands Westfalen um ihren Job kämpfen. Ein erster Gütetermin der einen Frau vor dem Arbeitsgericht Dortmund bleibt ohne Ergebnis. © Fotos und Texte: dpa
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Der Verband will für die 59-Jährige eine außergerichtliche Lösung finden. Der Fall ihrer Kollegin wird voraussichtlich Ende November verhandelt. Die Frauen waren nach 34 beziehungsweise fast 20 Dienstjahren im Betrieb fristlos entlassen worden. © dpa
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September 2009: Ein Bäcker bestreicht am Arbeitsplatz ein gekauftes Brötchen mit firmeneigener Paste im Wert von vermutlich unter zehn Cent - nach seiner Darstellung, um sie abzuschmecken. © dpa
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Der Arbeitgeber wertet das als Diebstahl und wirft ihn raus. Das Landesarbeitsgericht Hamm hebt die fristlose Kündigung durch die Bäckereikette aber als unverhältnismäßig auf. © dpa
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Juli 2009: Der Streit um die gekündigte Supermarkt-Kassiererin “Emmely“ geht in die höchste Instanz. Wegen grundlegender Bedeutung des Falls lässt das Bundesarbeitsarbeitsgericht in Erfurt ein Revisionsverfahren zu. © dpa
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Der unter ihrem Spitznamen bundesweit bekanntgewordenen Berlinerin war nach 31 Jahren Betriebszugehörigkeit fristlos gekündigt worden. Sie soll zwei Pfandmarken im Gesamtwert von 1,30 Euro unterschlagen haben. © dpa
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Juli 2009: Ein Prozess um drei angeblich gestohlene Brötchen endet mit einem Vergleich. Das Arbeitsgericht Heilbronn hebt die Kündigung einer 59 Jahre alten Küchenhilfe eines Krankenhauses zwar nicht auf. Die Klinik wirft der Frau aber nicht länger Diebstahl vor und zahlt ihr Gehalt noch bis Ende September. © dpa
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Juli 2009: Eine Abfallentsorgungsfirma in Mannheim kündigt einem Mitarbeiter fristlos, weil der Vater zweier Töchter ein Reisekinderbett aus dem Müll mit nach Hause genommen hatte. Eine Kündigung sei unverhältnismäßig, urteilt das Arbeitsgericht Mannheim. © dpa
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Februar 2009: Wegen eines Fehlbetrags von 1,36 Euro in der Kasse wird eine Bäckereiverkäuferin in Friedrichshafen am Bodensee fristlos entlassen. Nach einem Vergleichsvorschlag des Arbeitsgerichts Ravensburg erhält sie eine ordentliche Kündigung. © dpa
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Januar 2006: Ein Arbeiter hatte Aluminiumreste aus seinem Betrieb mitgehen lassen und an ein Recyclingunternehmen verkauft. Das Argument, es habe sich um Abfall gehandelt, überzeugt das Landesarbeitsgericht Mainz nicht. Es weist die Kündigungsschutzklage © dpa
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Mai 2005: Das Zerreißen von drei Briefen wird einem Postboten zum Verhängnis. Das hessische Landesarbeitsgericht bestätigt seine fristlose Entlassung. Der Briefträger hatte sein Verhalten mit einem “Blackout“ angesichts privater Probleme begründet. © dpa
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Oktober 2009: Wegen sechs Maultaschen im Wert von drei bis vier Euro verliert eine 58-jährige Altenpflegerin in Konstanz ihren Job. Das Arbeitsgericht Radolfzell gibt zunächst dem Arbeitgeber Recht. Bei der Berufungsverhandlung vor dem Landesarbeitsgericht Freiburg einigten sich die Parteien. Die Gekündigte erhält 42.500 Euro Abfindung und Gehaltsnachzahlung. Im Gegenzug akzeptiert sie die Kündigung. © dpa

Zudem warf der Anwalt aus Edingen-Neckarhausen (Baden-Württemberg) seiner ehemaligen Auszubildenden vor, nicht immer korrekt gearbeitet zu haben. “Sie konnte keine Zinsen ausrechnen und machte bei Vollstreckungsbescheiden Fehler“. Ihm gegenüber sei sie oft respektlos gewesen.

Regelrecht gemobbt fühlt sich der Jurist mittlerweile von Kommentare auf der Internetplattform Facebook. “Ich werde dort auf übelste Weise beschimpft und bloßgestellt“, klagte er. Der Anwalt prüft nun eine Schadenersatzklage gegen die junge Frau, die er für die Kommentare in dem sozialen Netzwerk verantwortlich macht. “Ich habe seinen Namen nie in den Dreck gezogen“, verteidigte sich die 19-Jährige.

Die Vorsitzende Richterin zeigte wenig Verständnis für die Gefühle des Anwalts. “Ich verstehe nicht, warum Sie sich durch die falsche Altersschätzung beleidigt gefühlt haben“, sagte Sigrid Bouwhuis. Für eine fristlose Kündigung reiche auch nicht aus, dass die 19-Jährige ihre Arbeit manchmal nicht richtig erledigt habe. Der Anwalt hätte sie erst abmahnen müssen. “Die Gründe für die außerordentliche Kündigung sind nicht ganz stichhaltig“, sagte die Richterin.

Dass die junge Frau möglicherweise nicht immer richtig gearbeitet hat, spielte laut Gericht allerdings bei der Höhe der noch ausstehenden Ausbildungsvergütung eine Rolle. Eigentlich hätte die 19-Jährige noch 666,50 Euro von dem Anwalt bekommen müssen. Das Gericht setzte 333 Euro an.

Von Friederike Marx

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