Veranstaltung der Hanns-Seidel-Stiftung in Ainring

Afrika: einmal Entwicklungskontinent - immer Entwicklungskontinent

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Foto v.l.: Alfred Janzik (Hanns-Seidel-Stiftung), Dr. Martin Pabst (Referent) und Sven Kluba (CSU Ortsvorsitzender)

Ainring - Zu dieser Vortragsveranstaltung hatte die Hanns-Seidel-Stiftung ins Gasthaus Doppler in Ainring, Adelstetten eingeladen und war dabei einem Impuls von CSU Ortsvorsitzenden Sven Kluba gefolgt. Der Regionalbeauftragte der 1967 gegründeten CSU-nahen politischen Stiftung, Alfred Janzik, wies in seiner Einführung darauf hin, dass die Namensgebung der Stiftung, die sich in ihrer Arbeit am christlichen Menschenbild orientiere, an den ehemaligen bayerischen Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden Hanns Seidel erinnere. Diese Stiftung mit ihrem Institut für politische Bildung sei zu parteipolitischer Neutralität verpflichtet und wolle vor Ort Wissen vermitteln, eine Wertorientierung geben und den Dialog fördern, um ihren Beitrag zur Demokratieförderung zu leisten. Das Institut für Internationale Zusammenarbeit der Hanns-Seidel-Stiftung beschäftige sich u. a. mit dem Thema Entwicklungszusammenarbeit.

Dr. Martin Pabst, selbständiger Politikwissenschaftler aus München, führte das Publikum in grundlegende Fragen der Entwicklungszusammenarbeit ein. Er betonte, dass für eine Win-Win-Situation sowohl günstige globale Rahmenbedingungen wie eine Förderung ökologischer Produktionsweisen, eine verantwortungsvolle Exportpolitik und ein verantwortungsvolles Konsumverhalten, wie auch günstige lokale Rahmenbedingungen, wie entwicklungsorientiertes staatliches Handeln, Rechtssicherheit und Partizipation der Bevölkerung, notwendig sind.

Der Referent beleuchtete die ungünstigen wirtschaftlichen Ausgangsbedingungen von Subsahara-Afrika. Darunter sind zu nennen: schwierige klimatische Bedingungen, zergliederte Räume, viele „land-locked countries“, mangelhaft ausgebaute Transportwege, teilweise immens großflächige Staaten mit einer Vielzahl von Ethnien und tribalen Gruppen, von außen aufgezwungene Staatsgrenzen, die unzureichende Vorbereitung in der Kolonialzeit für die Unabhängigkeit, die Hinterlassenschaften des „Kalten Kriegs“ wie Bürgerkriege und Waffenlager sowie Seuchen und Epidemien wie HIV/Aids. So sei die durchschnittliche Lebenserwartung in Botswana von 63 Lebensjahren im Jahre 1991 aufgrund von HIV/Aids auf rund 46 Lebensjahre im Jahr 2007 gesunken. Es fielen viele die produktivsten Mitglieder dieser Gesellschaft aus – im Alter zwischen 35 und 50 Jahren - Väter und Mütter, im Arbeitsprozess stehend, auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft, viele von Ihnen qualifizierte Arbeitskräfte. Dies führte zu einem signifikanten Rückgang des Wirtschaftswachstums. Aids-Waisen fielen häufig in die Hände von kriminellen Gruppen oder Rebellenbewegungen. Nach dem Ende des Kalten Kriegs seien in manchen Ländern, wie z.B. Liberia, Somalia, Demokratische Republik Kongo, und Somalia, jahrzehntelang kontrollierte Konflikte in aller Schärfe aufgebrochen. Langdauernde Bürgerkriege hätten dort die Entwicklung massiv zurückgeworfen. Doch gäbe es auch Hoffnung: So hätten die Afrikaner eine handlungsfähige Afrikanische Union sowie subsidiäre Regionalorganisationen gegründet, die bei Bürgerkriegen und Konflikten vermitteln, Peacekeeping-Aufgaben übernehmen sowie in Kooperation mit ausländischen Gebern Entwicklungsvorhaben anstoßen und nach dem Vorbild der EU großräumige afrikanische Wirtschaftsgemeinschaften vorantreiben.

Vorgestellt wurde die Entwicklungspartnerschaft zwischen der Europäischen Union und der Afrikanischen Union sowie die multilaterale und bilaterale Entwicklungszusammenarbeit Deutschlands. Dafür betrugen die deutschen Mittel im Jahr 2016 7,4 Mrd. Euro. Schwerpunktthemen waren Good Governance, Nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Wasser, Energie, Umwelt- und Ressourcenschutz sowie Bildung, Gesundheit, ländliche Entwicklung. Die von der UNO beschlossenen 17 „Sustainable Development Goals“ bis zum Jahr 2030 betreffen erstmals alle Länder weltweit – jedes Land ist nun ein Entwicklungsland, auch Deutschland, das z.B. seine Hausaufgaben im Bereich Klimaschutz machen müsse. Das Abschlussurteil des Referenten war zwiespältig. Große Defizite bei Regierungsführung, Institutionen, Infrastruktur, makroökonomischer Stabilität, Bildung, Gesundheit, Informations- u. Kommunikationstechnik würden in vielen Staaten Entwicklung noch massiv behindern. Wichtig sei, dass klassische Entwicklungspolitik heute durch Handelserleichterungen für die afrikanischen Partner flankiert werden müsse. Positive Ausnahmen seien die bereits weit entwickelten Länder Republik Südafrika, Mauritius, Ruanda, Seychellen und Botswana – letzteres Land habe es geschafft, von einem der ärmsten Länder bei der Unabhängigkeit (1966) zu einem Land Mittleren Einkommens aufzusteigen. Die Ressourcen Diamanten, Fleischproduktion und Tourismus seien in Botswana effizient, nachhaltig und weitgehend korruptionsfrei gemanagt worden. Signifikante Wachstumspotenziale hätten auch Ghana, Kenia, Sambia, Nigeria, Uganda, Kamerun, Senegal, Äthiopien und – nach dem überfälligen Abtritt des 93jährigen Autokraten Robert Mugabe – Simbabwe. Den restlichen Ländern in Subsahara-Afrika stehe hingegen aufgrund struktureller wie auch selbstverantworteter Hindernisse noch ein langer Entwicklungsweg bevor. Den Dankesworten von Alfred Janzik an den Referenten schloss sich Sven Kluba im Namen alle Anwesenden an.

Hanns-Seidel-Stiftung

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