Veranstaltung des CSU-Ortsverbands Bad Reichenhall:

Offene Worte und konstruktive Diskussion zur Kinderbetreuung

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Bad Reichenhall - Anlässlich der jüngsten Veranstaltung des CSU-Ortsverbands Bad Reichenhall zur Mittagsbetreuung im Stadtgebiet entspann sich eine rege und lebhafte Diskussion, die mitunter kontrovers in der Sache, aber höflich im Ton geführt wurde. Die Palette der Themen war dabei durchaus breit und reichte von der Anzahl der Krippenplätze bis hin zur inhaltlichen Ausrichtung der Mittagsbetreuung.

Zunächst dominierten freilich die Kindergärten die Diskussion: Angesprochen auf die in Aussicht gestellten Zusagen wurde der Oberbürgermeister gefragt, welchen Zeitraum diese Zusagen abdeckten. Dr. Lackner antwortete, diese würden ab September gelten und enthielten sowohl die gewährleistete Betreuungszeit wie auch die Bezeichnung der zugeteilten Kindereinrichtung. Grundsätzlich würden Zusagen an Kinder aus dem Stadtgebiet Bad Reichenhall auch unbefristet erteilt. Zum Themenkomplex der Kindergärten wurde kritisiert, dass teils Kinder in unterschiedlichen Kindergärten untergebracht würden. Dies warf die Frage auf, ob dies auch bei Zwillingen der Fall sein könne. Dr. Lackner erklärte hierzu, manche Eltern würden gerade die unterschiedliche Unterbringung von Zwillingen wünschen. Es werde aber grundsätzlich bei Zwillingen geschaut, dass sie in die gleiche Einrichtung gehen könnten. Das gleiche gelte für unterschiedlich alte Geschwister: Dort könne aber nicht immer die Gewähr gegeben werden und so werde es wohl weiterhin Fälle geben, in denen für Geschwister unterschiedliche Einrichtungen zur Verfügung gestellt würden.

Auf die Frage, welche Kriterien bei der Vergabe von Kindergartenlätzen zu Grunde gelegt würden, konnte in der Versammlung adhoc keine Antwort gegeben werden. Lediglich soziale Gründe wurden genannt. Tatsächlich ist dies in der städtischen Satzung zu Kinderbetreuungseinrichtungen geregelt: Sind nicht genügend Plätze verfügbar, wird eine Auswahl nach sozialen und pädagogischen Belangen getroffen. Solche Belange liegen insbesondere bei Kindern vor, deren Familien sich in einer besonderen Notlage befinden oder die im Interesse einer sozialen Integration der Betreuung der jeweiligen Kindertageseinrichtung bedürfen. Entscheidungskriterien sind aber auch, wenn Mutter bzw. Vater alleinstehend und berufstätig ist oder ob die Eltern beide berufstätig sind. Außerdem sollen Kinder bevorzugt werden, die im nächsten Jahr schulpflichtig werden bzw. solche, die vom Schulbesuch zurückgestellt worden sind. Auch die Sinnhaftigkeit eines Waldkindergartens wurde hinterfragt. Die Vorteile eines Waldkindergartens seien vielfältig, erklärte OB Dr. Herbert Lackner anhand eines aktuellen Artikels aus der Süddeutschen Zeitung: Erwartet würden eine bessere Entwicklung der Grobmotorik, eine bessere Stärkung des Immunsystems, eine verstärkte Förderung von Sprachentwicklung, Kreativität und Fantasie sowie eine höhere Sensibilisierung für den Umgang mit Gefahren. Kurzum: Kinder aus Waldkindergärten seien nach übereinstimmenden Expertenmeinung besonders kreativ, robust und fantasievoll. Zwar sei ein Spielen im Freien bei Wind und Wetter nicht jedermanns Sache, aber die Anmeldung für den Waldkindergarten erfolge ausschließlich freiwillig und sei oftmals gerade dem speziellen pädagogischen Konzept geschuldet.

Durch alle Kindergärten hindurch scheint ein Bedarf zu bestehen, die Betreuungszeiten flexibler zu gestalten und damit zu modernisieren: Derzeit seien die Abholungszeiten nämlich statisch und immer und für alle gleich geregelt, was ein anwesender Vater bemängelte. Die Anforderungen der modernen Arbeitswelt würden aber eine gleitende Betreuungszeit notwendig machen. Stadtrat und CSU-Fraktionssprecher Martin Schoberth gab dem Fragesteller grundsätzlich recht, dass dies wünschenswert sei. Nur würde sich dies flächendeckend nicht realisieren lassen. Denn einerseits würden dann die Kosten der Stadt generell steigen und andererseits ergebe sich dann auch ein Gerechtigkeitsproblem: Eltern mit generell kürzerer Betreuungszeit würden solche mit längerer Betreuungszeiten mitfinanzieren, was man nicht unversehens allen aufzwingen dürfe. Es sei aber ein anzustrebendes Ziel, flexible Betreuungszeiten in einzelnen Einrichtungen zu ermöglichen, die von Eltern, die dies benötigten auch gezielt angefragt werden könnten. Die Einrichtung von Übergangskindergärten im Evangelischen Gemeindehaus und auf dem Grundstück der ehemaligen Pension Eva Maria stießen in der Elternschaft auf ungeteilte Zustimmung. Lediglich die praktische Umsetzung scheint herausfordernd zu werden. Die Eltern stellten sich die Frage, ob wirklich alle Zusagen ab dem 1. September gelten könnten. Denn immerhin könnten nicht 25 Kinder auf einmal in der für sie unbekannten Umgebung eingewöhnt werden. Üblich sei eine individuelle Eingewöhnungsphase für jedes Kind, was sich aber in den Übergangskindergärten nicht auf einen Schlag realisieren lässt. Die anwesenden Stadträte nahmen diesen Hinweis dankbar auf und versprachen, diese Frage an die zuständigen Mitarbeiter der Verwaltung weiterzutragen.

Von den Kindergärten verlagerte sich die Diskussion zu den Kinderkrippen: Hier stellte sich die Frage, ob auch ein Mangel an Kinderkrippenplätzen herrsche. Dr. Herbert Lackner betonte, dass seine Zusage an Betreuungsplätzen lediglich für die Kindergärten gelte. Bei den Kinderkrippen sei die Lage aber deutlich entspannter, sodass er keine Probleme sehe. Genaue Zahlen habe er aber nicht dabei und versprach, er werde sie nachreichen. Es sei aber zu erwarten, dass auf Grund der hohen Anzahl von Kindern, die in die Kindergärten wechselten, auch entsprechend viele Plätze in den Krippen freiwerden sollten.

Eine gewisse Brisanz erhielt die Diskussion, als anwesende Eltern die Situation der Mittagsbetreuung ansprachen: Dabei wurde gefordert, in der gesamten Stadt den Bedarf an Mittagsbetreuung zu ermitteln. Zudem sei unverständlich, warum die Kosten der Mittagsbetreuung in der Stadt Bad Reichenhall so eklatant gestiegen seien, während die Betreuung in Piding etwa kostenfrei gewährleistet werden könne, so eine Mutter. Zu den Unterschieden in den Kosten erklärte Stefan Kantsperger, dass der Vergleich mit Piding hinke: Dort sei das Konzept ein völlig anderes und dort sei auch die Finanzierung eine völlig andere; die Förderung komme aus ganz anderen Töpfen. Überdies seien die Gebühren in der Stadt Bad Reichenhall im Vergleich zu anderen Kommunen noch günstig und ebendies habe auch die sukzessiven Erhöhungen der letzten Jahre gerechtfertigt. Es sei aber ein Ding der Unmöglichkeit, ausreichend Plätze in allerhöchster Qualität zur Verfügung zu stellen, die dann aber den Einzelnen nichts kosten dürften. Gleichwohl bleibe es das Ziel, die Qualität der Einrichtungen zu steigern und bezahlbar zu halten.

CSU-Ortsverband Bad Reichenhall

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