Rettungshundeteams zeigten ihr Können

Rettungshundeteams zeigten ihr Können

Alle Teilnehmer und Verantwortlichen der RH-Prüfung
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Alle Teilnehmer und Verantwortlichen der RH-Prüfung

Berchtesgaden - Ausgebildete Rettungshunde des Schäferhundevereins Berchtesgaden unterzogen sich einem zweitägigen Leistungstest

Noch bevor im Berchtesgadener Land der Lockdown wegen der Corona-Pandemie verhängt wurde, konnte der Schäferhundeverein Berchtesgaden an den ersten beiden Wochenenden im Oktober zwei Prüfungen durchführen. Eine für Rettungshunde und eine weitere für Gebrauchshunde. Ein für den Verein erstelltes Hygienekonzept und die Zustimmung der örtlichen Behörden machten das Prüfungsgeschehen möglich. Das Ausbildungskonzept des Schäferhundevereins Berchtesgaden umfasst ein vielfältiges Angebot. Neben den Bereichen Agility, Begleithunde und Gebrauchshunde wie z.B. Schutzhunde werden auch Rettungshunde ausgebildet. Die Prüfungsordnung der „Internationalen Rettungshundeorganisation“ IRO bildet die Grundlage, auf der das Training aufgebaut ist. Der Schäferhundeverein unterhält keine Rettungshundestaffel, sondern der sportliche Gedanke steht in unserem Verein im Vordergrund. Dabei steht der Spaß und natürlich der Erfolg, gemeinsam mit seinem Hund jemanden gefunden zu haben, im Fokus. Nichtsdestotrotz sind einige unserer Rettungshundeteams bei der Rettungshundestaffel der Malteser in Bad Reichenhall, die vor allem durch die Initiative von unserer Mantrailing-Trainerin Gabi Kurz ins Leben gerufen wurde.


Am 03. Und 04. Oktober war es nun so weit. Nach zweijährigem intensivem Training stellten sich 11 Teams des Schäferhundevereins Berchtesgaden und 2 Teams aus Leipheim den fordernden Prüfungsaufgaben. Es wurden Rettungshunde in den Sparten Fährte und Mantrailing sowie 2 Spürhunde aus Leipheim geprüft. Als Leistungsrichter konnte Andreas Quint, der als SV-Beauftragter für Spezialhundeausbildung maßgeblich für die Rettungshundearbeit im Verein für Deutsche Schäferhunde verantwortlich zeichnet, gewonnen werden. Daneben war auch noch die Rettungshundebeauftragte der Landesgruppe Bayern Süd vom Verein für Deutsche Schäferhunde Sabine Becker anwesend, um sich vom Leistungsstand der Berchtesgadener Rettungshundler zu überzeugen und vor allem auch die freundschaftlichen Kontakte zu pflegen. Die Fährtenhunde-Teams hatten die Aufgabe, über eine Distanz von rund 1000 Schritte auf schwierigem, wechselndem Gelände nach 1,5 Stunden die Spur einer vermissten Person aufzunehmen, sie direkt zu verfolgen und am Ende zu finden und anzuzeigen. Dabei sind weitere 5 Gegenstände die der Person gehören und auf der Spur liegen vom Hund zu finden und anzuzeigen. Andreas Quint, der Leistungsrichter aus Berlin, war von der Leistung der 10-jährigen Deutschen Schäferhündin Vinja besonders beeindruckt. Mit ihrem Besitzer Michael Schröer erreichten sie beide die volle Punktzahl. 200 von 200 möglichen Punkten.

Die Mantrailer mussten eine bestimmte Person, die an einem bekannten Ausgangspunkt gestartet ist, nach 60 Minuten auf einer Länge von 1000 Schritte auffinden und deutlich anzeigen. Der Hund bekommt am Startpunkt einen Geruchsartikel des Vermissten als Hilfe vorgesetzt, um die Spur genau dieser Person zu finden. Jede Person hat einen Individualgeruch, dem der Hund folgt, bis er diese Person gefunden hat. Die Wetterbedingungen waren diesmal sehr schwierig. Es herrschte ein Föhnsturm an diesem Samstagnachmittag den 03. Oktober, und die Hunde hatten ganz schön zu kämpfen. Die beste Suche konnte das Hundeteam Nagel Kerstin mit ihrem Golden Retriever Josie, trotz starkem Wind und Staubaufwirbelungen, mit einer guten Leistung abschließen. Der Spürhund kann mit seiner speziellen Geruchserkennung für bestimmte Aufgaben eingesetzt werden. Darauf konditioniert ist er in der Lage, z.B. Tabak, Geldscheine, Brandbeschleuniger oder auch Pyrotechnik zu erschnüffeln. Diesmal mussten die Spürhundeteams Tabak finden. Der Suchbereich war eine Wiese von 1.000 qm, in dem der Tabak in einem Aluminiumröhrchen von ca. 12 cm Länge in ein gebohrtes Loch in die Erde gesteckt wurde. Der Geruchsartikel musste vom Hund durch Vorsitzen oder Vorliegen, sicher angezeigt werden. Auf dieser Fläche wurden 4 Röhrchen nicht mehr sichtbar für Hund und Hundeführer versteckt. Eine weitere Aufgabe war, aus fünf Koffern den anzuzeigen in dem das Aluröhrchen gefüllt mit Tabak versteckt war. Die Spürhunde aus Leipheim zeigten ein sehr intensives Suchverhalten und konnten die gestellten Aufgaben mit guten Ergebnissen absolvieren.


Am zweiten Prüfungstag mussten sich die Rettungshunde-Teams in Unterordnungs- und Gewandtheitsübungen auf dem Hundeplatz im Loipl beweisen. Grundvoraussetzung für Hund und Hundeführer sind dabei Vertrauen und Gehorsam. Wer hat es nicht schon erlebt, dass sein Hund wegläuft und aus heiterem Himmel eine Gefahrensituation entsteht. Ein eingeübtes Kommando, wie z.B. „Sitz“, „Platz“ oder „Steh“, kann hier durchaus Leben retten. Laute Geräusche, wie z.B. Schüsse oder Maschinengeräusche hört der Hund 8-mal lauter und es liegt in seiner Natur diese zu meiden. Seinem Hundeführer zuliebe und voller Vertrauen zu ihm, wird er neben ihm bleiben. Das wird von einem Rettungshund verlangt und deshalb werden auch solche Situationen in der Prüfung nachgestellt und abgeprüft. Darüber hinaus mussten die Teams auch noch Kommandos und Zeichen aus einer gewissen Entfernung befolgen. Nicht nur Unterordnungsübungen, sondern auch Gewandtheitsübungen sind Teil der Prüfung. Da der Hund bei der Arbeit als Rettungshund nicht nur auf festem Grund arbeitet, werden bei der Gerätearbeit die Geschicklichkeit und Geländegängigkeit trainiert. Dabei lernt der Hund das Betreten von beweglichem Grund, das Begehen von Röhren und Leitern und das Überqueren von Hindernissen verschiedener Art. Der Hund bewältigt die Hindernisse alleine allerdings mit dem Hundeführer in „greifbarer“ Nähe. Besonders bei dieser Arbeit ist das Vertrauen zwischen Hund und Hundeführer sehr wichtig und ist eine gute Basis für ein tolles Team. Alle Teams waren gut vorbereitet und hatten im Vorfeld fleißig trainiert und somit konnten alle diesen Prüfungsteil bestehen. Folgende Teams stellten sich dieser überaus anspruchsvollen 2 Tagesprüfung. Sparte Fährte (Stufe A): Schröer Much mit Vinja vom Sulzachgrund (Deutscher Schäferhund) Mark Lydia mit Felicity vom Glonntal (Riesenschnauzer) Lorenz Burgerl mit Onja vom Waisagrund (Deutscher Schäferhund) Sparte Fährte (Stufe V): Flatscher Gertrud mit Byiba-Ihakpa von Bod Chen (Tibetterrier) Sparte Mantrailing (Stufe V): Angerer Anita mit Lady Anne vom ganzen Herzen (Jack Russel) Nagel Kerstin mit Josie (Golden Retriever) Schnitter Sylvia mit Nalani (Schäfer-Mix) Springl Grit mit Sammy (Australian Shepherd) Nagel Lisa mit Cookie (Mix) Sparte Mantrailing (nur Nasenarbeit): Binsdorf Michaela mit Julie (Mix) Wust Evi mit Lisi (Mix) Sparte Spürhund (Stufe A): Maria-Christina Picone mit Disney von Tyr (Deutscher Schäferhund) Sparte Spürhund (Stufe V): Bianca Vogt mit Fromax vom Falkenseer Stern (Deutscher Schäferhund)

Zum Abschluss der Rettungshundeprüfung war 1. Vorstand Hans Walch voll der lobenden Worte und bedankte sich bei all denen, die zum guten Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben. Allen voran der Prüfungsleiterin Luise Rannetsberger, die für den reibungslosen Ablauf verantwortlich zeichnete. Beim Leistungsrichter Andreas Quint, der sehr fair und nachvollziehbar die Vorführungen bewertete und auch immer wieder gute Tipps und Anregungen für das weitere Training parat hatte. Bei den Trainern Schröer Much, der die Fährtenhunde ausbildete sowie das Unterordnungs- und Gewandtheitstraining durchführte und bei der Trainerin Gabi Kurz, die die Ausbildung der Mantrailer leitete. Auch den Helfern im Hintergrund dankte Hans Walch, ohne die so eine umfangreiche Prüfung nicht zustande kommen könnte, wie den Versteckpersonen und Fährtenleger, die von den Hunden gefunden werden mussten oder die fleißigen Hände, die für das leibliche Wohl sorgten. So konnten alle nach einem fordernden Wochenende zufrieden die Heimreise antreten.

SV OG Berchtesgaden

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