Kein Rettungsprogramm für Waginger See

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Waging - Das millionenschwere Rettungsprogramm für den Waginger See wird es nicht geben. In einem Gespräch gab Landwirtschaftsminister Brunner seine Gründe bekannt.

Bei der Übergabe der 6700 Unterschriften der Initiative Waginger See am Montag an den bayerischen Landwirtschaftsminister Helmut Brunner nahm sich der Minister viel Zeit für einen Gedankenaustausch, verwies auf die bestehenden und noch geplanten Maßnahmen, auch im Rahmen des neuen Kulturlandschaftsprogramm KULAP, stellte aber auch fest, dass es neben dem Waginger See in Bayern noch eine ganze Reihe mehr an Seen gebe, über die man sich Gedanken machen müsse. Er gab den Vertretern der Inititiative aber das Angebot mit auf den Weg, ihm noch zwei, drei als besonders wichtig eingeschätzte Maßnahmen mitzuteilen, was man noch zusätzlich für den Waginger See machen könnte.

Geschlagene eineinhalb Stunden – statt nur eine halbe Stunde, wie ursprünglich angeboten – hat sich Helmut Brunner in seinem Ministerium Zeit genommen für die Problematik um den Waginger See. Vier Vertreter der Initiative Waginger See bekamen zunächst eine halbe Stunde Zeit, ihr Anliegen umfassend vorzutragen, ehe sich dann ein interessantes, überaus konstruktives Gespräch mit dem Minister und seinen Referenten entwickelte.

Allerdings war es Brunner durchaus wichtig, darauf zu verweisen, dass die Situation „nicht von heute auf morgen gekommen“ sei und von daher auch nicht kurzfristig „in die Wunschsituation verwandelt“ werden könne. Seiner Meinung nach müssten die vielen kleinen Aktionen, die jetzt für den Waginger See angelaufen sind und noch anlaufen werden, gerade auch über das für 2015 geplante, neue KULAP, konsequent weitergeführt werden. Wichtig sei dabei, dass alle Beteiligten mit eingebunden werden.

Möglicherweise, so räumte der Minister ein, reichten die bisherigen Maßnahmen nicht aus. Aber man habe das Problem erkannt, „nicht erst jetzt“, und versuche zusammen mit den Ämtern, mit Programmen entgegenzusteuern – stets unter der Vorgabe „Freiwilligkeit statt Verordnungen“. „Ich entnehme Ihren Worten“, zeigte sich der Minister als aufmerksamer Zuhörer, „dass Sie mit dem bisherigen Tempo und Programmangebot nicht so recht zufrieden sind, weil sich der Erfolg aus Ihrer Sicht nur bedingt einstellt.“ Man müsse tatsächlich genau überlegen, wie man die vorhandenen Angebote attraktiv machen, aus Betroffenen Beteiligte machen kann – und zwar so, dass nicht nur ein Berufsstand die Zeche zahlen und die Lösungen allein finanzieren müsse. Und, so fügte Minister Brunner an: „Wir wollen Bauern auch nicht zu einer anderen Wirtschaftsweise zwingen, sondern sie sollten es aus Überzeugung machen.“

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Für Ulrich Kühn, den Sprecher der Initiative Waginger See, sind die bisherigen Maßnahmen bei weitem nicht ausreichend. Seiner Meinung nach muss es „als Anreiz für die Umstrukturierung zu einer bodenverträglichen Bewirtschaftung ein Seenprogramm geben“. Die derzeitigen Maßnahmen seien finanziell einfach nicht attraktiv genug. Dennoch ließ der Minister daraufhin seinen Referenten Anton Dippold einige der Maßnahmen aufzählen, die demnächst geplant sind: erneute Förderung bodennaher Gülleausbringung, die Einstellung von Beratern, bäuerliche Betriebe als Demo-Betriebe einrichten, Gemeindeentwicklungspläne wie in Kirchanschöring anstoßen und unterstützen, Pufferflächen einrichten, Zulaufkartierungen anfertigen, Vermarktung und Verarbeitung in der Region fördern und interkommunale Allianzen schaffen.

Zusätzliche Vorschläge kamen von den Vertretern der Initiative Waginger See. Franz Obermayer aus Tengling schlug vor, in jeder Gemeinde einen Güllebeauftragten aus den Reihen der Bauern zu ernennen, der auf den richtigen Zeitpunkt der Gülleausbringung achten solle. Derzeit gehe es oft genug, selbst vor erwarteten Starkregen nur um eines: „Hauptsache, die Gülle ist ausgefahren.“ Agnes Thanbichler aus Laufen wünschte sich Anreize für Gemüseanbau, um eine größere landwirtschaftliche Vielfalt zu ermöglichen und die Vermarktungsstrukturen in der Region anzukurbeln. Der ehemalige Leiter der Akademie für Naturschutz in Laufen, Sepp Heringer, plädierte für mehr Hecken auf den landwirtschaftlichen Flächen: „gegen Erosion und für die Produktion von Hackschnitzeln“.

Zu Beginn des Treffens hatte Ulrich Kühn die Situation am Waginger See im vergangenen Sommer geschildert und dies mit Fotos von reichem Algenbewuchs untermauert. Waging lebe vom Tourismus, betonte er, aber angesichts der Entwicklung und des zunehmenden Blaualgen-Vorkommens sei zu befürchten, dass der Strand eines Tages gesperrt wird. Mit der Petition, die mit 6700 Unterschriften einen Erfolg gebracht habe, der weit über allen Erwartungen lag, wolle man erreichen, dass sich die Politik des Problems annimmt. Kühn verwies dabei auf die besondere geologische Situation am Waginger See, wo der Boden so dicht sei, dass wenig versickert, vieles einfach abgeschwemmt wird.

Kühn führte Beispiele aus anderen Bundesländern und den Nachbarländern an, die mit mehr Nachdruck gehandelt hätten: mit Düngeverordnungen, mit dem Verbot von Schweinemast in bestimmten Regionen. Franz Obermayer sprach die aktuelle Situation der Bauern an. Durch die enorme Zunahme von Biogasanlagen in den letzten Jahren seien die Pachtpreise dermaßen angestiegen, dass gerade auch Biobauern Probleme bekommen, Flächen zu vertretbaren Preisen zu pachten. Man könnte in Richtung ökologischer Landwirtschaft sehr viel mehr machen, meinte Obermayer, wenn dieser Preisdruck nicht wäre. Man müsste gerade in der Seeregion auch die Verpächter mit einbinden, dass sie „ihren Grund nicht versteigern“: „Dazu brauchen wir auch Sie mit Ihrem Gewicht als Minister“, appellierte Obermayer an eine Beteiligung von ganz oben.

Als Minister Brunner nach eineinhalb Stunden zu einem weiteren Termin weg musste, gab es nur ein kurzes Gespräch vor allem mit seinem Referenten Dippold. Dieser hielt fest, dass der Minister „eine gewisse Bereitschaft“ signalisiert habe, eventuell noch zwei, drei weitere Maßnahmen in den Katalog mit aufzunehmen: „ein paar pfiffige, lohnende Dinge“. Dippold bot sich auf eine entsprechende Nachfrage von Ulrich Kühn gern als zentraler Ansprechpartner für die Initiative an und schlug seinerseits vor, doch sich mal direkt vor Ort zu einem Workshop zu treffen. Als eine gute Idee empfand er Obermeyers Vorschlag für einen Güllebeauftragten. In dieser Sache etwas sozialen Druck zu erzeugen – „So etwas tut man nicht als Bauer!“ – könnte man sich durchaus wünschen.

Die vier Vertreter der Initiative empfanden das Gespräch als sehr positiv. Ulrich Kühn: „Der Minister hat unseren Anliegen aufmerksam zugehört. Wir fühlen uns ernstgenommen und damit auch das Anliegen der Bevölkerung“, verwies auf die vielen, die die Petition unterschrieben haben. Das Angebot des Ministers, einige weitere konkrete Dinge vorzuschlagen, werde man gern annehmen. Dazu wolle man aber vorher das Gespräch mit Bauern und Behörden suchen. Spätestens im neuen Jahr soll zu dem Thema auch eine öffentliche Versammlung stattfinden. Allerdings, auch das wurde festgestellt, habe es doch keine Zusage für das gegeben, was man eigentlich erreichen wollte: ein umfassenden Seenprogramm.

Pressemeldung Initiative Waginger See

Quelle: chiemgau24.de

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