Letzter Schlagabtausch vor Waginger Bürgerentscheid

Stimmungsmehrheit für Supermarkt-Befürworter

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Auch eine ganze Reihe an Bürgern schaltete sich in die Diskussion ein. Gut 200 Gäste kamen am Dienstagabend ins Kurhausstüberl. 
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Waging - Am 2. Juli wird im Bürgerentscheid über die Ansiedlung von Rossmann und Rewe abgestimmt - bei der großen Podiumsdiskussion am Dienstag waren die Befürworter stimmungsmäßig in der Mehrheit.  

Die Großmärkte Rossmann und Rewe vor den Toren der Marktgemeinde an der Ottinger Straße - ein Gewinn oder eine Gefahr für den Ort? Drei Kritiker und drei Befürworter der Ansiedlung wurden am Dienstag im Kurhausstüberl aufs Podium geladen. Unter den gut 200 Gästen fanden sich auch zwei Vertreter der beiden Supermarkt-Ketten. 

Das Podium

  • Christian Klotz (IHK-Handelsausschussvorsitzender): "Das Zentrum wird ausbluten. Der Standort ist rein autoorientiert."
  • Walter Wimmer (Bürgerinitiative): "Das Grundstück an der Salzburger Straße stünde zur Verfügung und wäre der bessere Standort."
  • Georg Huber (Gemeinderat): "Der Ort wird durch die Ansiedlung verlieren. Spielwaren, Bioprodukte, Geschenkartikel gibt es auch jetzt schon im Zentrum."
  • Markus Oswald (Waging bewegt e.V.): "Unser riesiges Umland soll auch in Waging einkaufen."
  • Herbert Häusl (Bürgermeister): "In der Grundversorgung tun sich in Waging Lücken auf, die müssen gefüllt werden"
  • Fritz Gerstl (Architekt): "Die Tendenz geht einfach zu immer größeren Märkten."
Von links auf dem Podium: Christian Klotz, Walter Wimmer, Georg Huber, Markus Oswald, Herbert Häusl, Fritz Gerstl.

Schaden für den Ortskern?

So könnte es an der Ottinger Straße künftig aussehen. Das Grundstück misst rund 11.000 Quadratmeter.

Die zentrale Frage in der Diskussion war, ob die neuen Märkte den Geschäften im Zentrum schaden würden. "Natürlich wird die Konkurrenz schärfer werden", gab auch Bürgermeister Häusl zu und Markus Oswald gestand ein, dass ein Teil der Geschäftsleute im Zentrum durchaus Angst vor Rewe und Rossmann hätten: "Aber alles im Leben verändert sich und außerdem werden durch die Märkte nur fehlende Sortimente im Ort wieder aufgefüllt", so Häusl. 

"Das Zentrum wird katastrophal ausschauen und ausbluten", prophezeite Christian Klotz und verwies auf Trostberg oder Freilassing: "Wer dort draußen einkauft hat keinen Grund mehr im Zentrum einzukaufen." Walter Wimmer erinnerte auch daran, dass in den vergangenen Jahren Millionen in die Ortskernsanierung gesteckt wurden. 

Die Befürworter haben dagegen die Hoffnung, dass Kunden aus dem Umland nicht nur an die Ottinger Straße fahren werden, sondern auch ins Zentrum und so die dortigen Geschäfte zusätzlich unterstützen.

Alternative Standorte?

Ist der Standort an der Ottinger Straße alternativlos? Walter Wimmer von der Bürgerinitiative pochte darauf, dass auch an der Salzburger Straße Grundstücke zur Verfügung stehen würden - wenn auch auf kleinerer Fläche. "Die Lage wäre passend", so Bürgermeister Häusl dazu, "aber das größte Problem an der Salzburger Straße wären die Parkplätze." 

Über Jahre sei versucht worden, einen passenden Standort in Zentrumsnähe zu finden, so Häusl - ohne Erfolg. Auch in der Strandbadallee regte sich schon Anwohnerprotest. Wimmer war sich dagegen sicher, wenn "alle zusammenhalten", würde sich ein Drogeriemarkt im Zentrum verwirklichen lassen.

Arbeitsplätze

Wie viel Wert haben die Arbeitsplätze, die die Supermärkte mitbringen? Rewe plant mit rund 45 Mitarbeitern, Rossmann mit zehn bis 15. Christian Klotz nahm sich die Zahlen aber genau vor: "Viele dieser Stellen werden nur auf Teilzeit oder 450-Euro-Basis sein", außerdem würden die Supermärkte (im Verhältnis zum Umsatz) mit nur einem Drittel der Beschäftigtenzahl von kleineren Läden auskommen. "Teilzeitarbeitsplätze zählen doch auch", meinte dagegen der Rossmann-Vertreter. 

Gewerbesteuer

Rewe wird mit einem selbstständigen Kaufmann in Waging vor Ort sein und dementsprechend auch hier die Gewerbesteuer zahlen, bei Rossmann ist es umgekehrt, dessen Gewerbesteuer fließt an den Standort der Firmenzentrale im niedersächsischen Burgwedel. 

"Insgesamt braucht man sich keine Hoffnungen auf große Gewerbesteuer-Einnahmen machen", so Herbert Häusl auf eine Frage aus dem Publikum. 

Verkehrsentwicklung

Moderiert wurde der Abend von Christoph Grabner vom Radiosender Bayernwelle SüdOst.

Dass der Standort an der Ottinger Straße "rein autoorientiert" ist, wie Christian Klotz anmerkte, ist den meisten wohl klar. Doch welche Auswirkungen würden die Märkte auf den Verkehr haben?"Geht es überhaupt ohne einen Ausbau der Ottinger Straße oder neue Zufahrtsstraßen?", fragte Beate Rutkowski aus dem Publikum - schließlich würden Rossmann und Rewe auf der "falschen Seite" des Ortes liegen und wären im Osten an der Staatsstraße besser aufgehoben. 

"Die Hauptzufahrt wird über die Martinstraße laufen - zugegebenermaßen ist sie jetzt schon problematisch, aber der Verkehr dort würde künftig sicher noch mehr", so die Antwort von Bürgermeister Häusl. Zum besseren Verkehrsfluss brachte er einen möglichen Kreisverkehr bei der Lidl-Kreuzung ins Spiel. 

Bürgerentscheid am 2. Juli

Noch ist offen, wie sich die Waginger beim Bürgerentscheid am Sonntag, den 2. Juli entscheiden werden. Zumindest am Dienstagabend hatten die Befürworter der Supermärkte im Kurhausstüberl die Oberhand. 

"Sind Sie dafür, dass das Investoren-Großprojekt Rewe und Rossmann an der Ottinger Straße in Waging nicht entstehen soll?", wird die Frage im Bürgerentscheid lauten. Es ist eine Vorgabe, dass die Fragestellung der Bürgerinitiative "positiv" formuliert wird. Wer also gegen die Supermärkte ist, muss mit "Ja" stimmen - wer für die Supermärkte ist mit "Nein"

Um die Pläne der Discounter wirklich zu kippen, müssen beim Bürgerentscheid wegen des Quorums mindestens 20 Prozent der Wahlberechtigten die Fragestellung bejahen - 1120 Bürger. Von allen insgesamt abgegebenen Stimmen braucht es aber auch darüber hinaus natürlich eine Mehrheit für den Antrag der Bürgerinitiative. Sollte der Bürgerentscheid am Ende Erfolg haben kommen auf die Gemeinde keine zusätzlichen Kosten zu, das Risiko für bereits angefallene Planungskosten liegt beim Investor.

chiemgau24.de wird beim Bürgerentscheid am 2. Juli aktuell aus dem Waginger Rathaus berichten. 

xe

Quelle: chiemgau24.de

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