Vortrag des Polizeichefs fasziniert Firmlinge

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Palling - Mit einem Vortrag über Gruppenzwang und zu Gesetzeskonflikten zog der Traunreuter Polizeichef nicht nur die Firmlinge in seinen Bann.

Schneller als man denkt, kann man als Jugendlicher mit dem Gesetz in Konflikt kommen und oftmals sind die Freunde die Ursache.

Traunreuts Polizeichef Johann Bohnert besuchte vergangenen Freitag eine Firmgruppe in Palling und sprach über Themen wie Gruppenzwang, Gewalt, Alkohol, Sucht und viele weitere Gefahren, die auf die jungen Leute warten. Als interessierte Zuhörer waren auch Pfarrer Johannes Bozic, Pater Paul sowie die Lehrerin Marion Kotte ins Pfarrheim gekommen.

“Vor allem die Aufklärung der 13- und 14-Jährigen, die an der Schwelle zur Strafmündigkeit stehen, liegt mir sehr am Herzen”, so Bohnert. Den jungen Leuten wurde eingehend erläutert, von welchen Straftaten Jugendliche besonders betroffen sind: “Auffallend ist die Häufigkeit von Diebstahl- und Körperverletzungsdelikten, aber auch Rauschgiftdelikte und Verstöße gegen das Verkehrsrecht.’”

Auf die Frage, wieso Jugendliche überhaupt Straftaten verüben, hatte der Polizeihauptkommissar eine plausible Antwort: “Vor allem durch den Gruppenzwang entsteht bei den Jugendlichen immenser Druck und viele haben Angst, vor den Freunden als Feigling dazustehen oder sogar ausgeschlossen zu werden. Deshalb lassen sich viele Jugendliche zu Straftaten verleiten.” Zu diesem Thema steuerte Pater Paul seine eigenen Erfahrungen bei: “Komischerweise tritt das Phänomen des Gruppenzwangs immer nur dann auf, wenn es um irgendwelche Dummheiten geht. Wenn man unangenehmen Verpflichtungen nachkommen muss, hat der Gruppenzwang dagegen keine Bedeutung.”

Auch der Konsum von Alkohol oder Rauschgift beginnt oft unter Druck einer Gruppe. “Mit Rauschgift ruiniert man sein komplettes Leben. Der Einstieg ist meist sehr harmlos: Oft wird man vom besten Freund dazu verleitet eine Haschzigarette zu rauchen, weil dieser seinen eigenen Konsum finanzieren muss. Und ehe man sich versieht, ist man selbst süchtig.

Aber nicht nur die Abhängigkeit ist eine belastende Folge des Verzehrs von Drogen: “Langzeitstudien zeigen, dass regelmäßige Rauschgiftkonsumenten meist ihre Schullaufbahn nicht abschließen. Starker Leistungsabfall, hochgradige Vergesslichkeit, passives Verhalten und sinkendes Interesse an seiner Umgebung sind nur einige Konsequenzen des Konsums. Der Lebensinhalt Abhängiger ist in der Regel nur noch von der Befriedigung ihrer Sucht geprägt“.

Auch die Alkoholsucht hat gerade auf junge Menschen ungeahnte Auswirkungen: “Je früher man anfängt, alkoholische Getränke zu konsumieren, desto größer ist die Gefahr, süchtig zu werden. Wenn Kinder regelmäßig zu Alkohol greifen , so besteht die große Gefahr, dass sie in kurzer Zeit abhängig werden, während es bei einem Erwachsenen zumindest einige Jahre dauert.”

Ein besonders drastisches Beispiel zum Thema Sucht erzählte Bohnert aus dem polizeilichen Einsatzgeschehen: “Vor kurzem wurde ein 12-Jähriger auf seinem Fahrrad kontrolliert, weil er eine Zigarette im Mund hatte. Völlig verständnislos meinte er, dass er schon seit 2 Jahren regelmäßig rauche und noch nie hätte sich jemand daran gestört.“

Verwundert waren die Firmlinge, als sie hörten, dass die Polizei jeden Jugendlichen, der mit Alkoholmissbrauch auffällt, der Führerscheinstelle meldet. Wenn dieser dann seinen Führerschein beantragt, ist die Überraschung groß, wenn es dann zu Schwierigkeiten kommt. Denn es wird dann erst einmal geprüft, ob er überhaupt geeignet ist, am Straßenverkehr teilzunehmen.

“Auch das beliebte Auffrisieren von Mofas und Mopeds kann Auswirkungen auf den begehrten Führerschein haben. Dass zudem der Versicherungsschutz erlischt und man im Falle eines Unfalls selber haften muss, darüber denken die wenigsten nach“, erläuterte Bohnert seinen Zuhörern.

Am Beispiel eines Ladendiebstahls verdeutlichte der Polizist, welche Folgen Straftaten haben können. So haben vor einigen Monaten zwei 15-jährige Mädchen in einem Traunreuter Bekleidungsgeschäft einige Kleider entwendet. Eine aufmerksame Verkäuferin hatte den Diebstahl bemerkt und die Polizei verständigt: “In so einem Fall bringt man die Täter auf die Dienststelle, wo sie verhört und ihre Personalien aufgenommen werden. Zudem müssen sie noch ihre Fingerabdrücke abnehmen lassen. Und die Straftat findet schließlich Eingang ins polizeiliche Führungszeugnis, was sich beispielsweise negativ auf einen angestrebten Ausbildungsplatz auswirken kann.”

Bei Wiederholungstätern kann es sogar zu Wohnungsdurchsuchungen kommen, was oft auch in der Nachbarschaft nicht unbemerkt bleibt und für die betreffende Personen sehr unangenehm ist.

Gegen Ende seines Vortrags kam Bohnert auf das Thema Zivilcourage zu sprechen. So erzählte er den Jugendlichen von einem älteren Ehepaar, das mit gutem Beispiel voranging und beherzt in eine Schlägerei zweier Männer eingriff, um dem Unterlegenen zu helfen. Wenn man Gewalttaten beobachtet, ist es in jedem Fall ratsam, einen Notruf abzusetzen, sich als Zeuge zur Verfügung zu stellen und sich die Tätermerkmale genau einzuprägen. Wenn man einschreitet, sollte man jedoch möglichst keine Gewalt anwenden, um Gegenangriffe zu verhindern.

Zum Schluss zeigte der Beamte noch ein Arsenal an verbotenen Gegenständen und Waffen, dessen Besitz einen Verstoß gegen das Waffengesetz nach sich ziehen. Angesichts der Gefährlichkeit der Gegenstände scheint es verständlich, dass der Gesetzgeber die Handhabung mit diesen Dingen verboten hat.

Pressemeldung Polizeistation Traunreut

Quelle: chiemgau24.de

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