Untere Salzach - Neue Wasserkraftnutzung

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Die Referenten des Abends wussten durch ihr Fachwissen zu überzeugen. Von links: SPD-Kreisvorsitzender Dirk Reichenau, Professor Dr. Markus Aufhauser von der Universität Innsbruck, Robert Wührer, Leiter technischer Dienste der Österreichisch- Bayerischen Kraftwerke AG/Grenzkraftwerke GmbH und Bürgermeister Johann Schild.

Fridolfing - Der SPD-Kreisverband Traunstein lud vergangenen Mittwoch zu einer interessanten Veranstaltung mit dem Thema „Neue Wege zur Wasserkraftnutzung an der Unteren Salzach“ ein.

Wie aktuell und brisant die Thematik „Wasserkraft an der Salzach“ ist, zeigte das rege Interesse der Bevölkerung an diesem Vortrags- und Diskussionsabend. Etwa 80 Teilnehmer, unter ihnen stellvertretender Landrat Sepp Kohnhäuser und die gesamte Kreistagsfraktion der SPD gaben der Versammlung einen würdigen Rahmen.

In seinem Eingangsreferat führte der SPD-Kreisvorsitzende Dirk Reichenau in die Thematik „Atomausstieg“, für den bereits 1979 ein SPD-Parteitagsbeschluss getroffen worden sei und für dessen Forderung Hans Jochen Vogel 1986 im Bundestag als „unseriös“ verlacht wurde, ein. Er bezeichnete die Verlängerung der AKW- Laufzeiten durch die aktuelle Bundesregierung als elementaren Fehler und den „sensationellen Politikwechsel“ nach dem Reaktor Unglück von Fukushima als populistisch. Die SPD habe sich, so Reichenau, seit dem Supergau von Tschernobyl 1986 konsequent für die Abschaltung der AKWs eingesetzt und deshalb sei es ganz einfach unlogisch, jetzt nach der „Atomwende“ die Zusammenarbeit mit der Regierung Merkel zu verweigern.

In seinen weiteren Ausführungen nannte der Kreisvorsitzende „Strom aus erneuerbarer Energie“ energiepolitische Vernunft und ein Grundanliegen der SPD. Es gelte hierbei mehr Selbstbewußtsein zu entwickeln, wie man Ökonomie und Ökologie miteinander versöhnen könne. Strom aus erneuerbaren Energien müsse für den Konsumenten bezahlbar sein, wenn die staatlichen Subventionen für die Nutzung der Kernenergie wegfielen. Eine Energiewende als richtig zu betrachten, Anlagen „aber bitte nicht bei mir vor der Haustür“ haben zu wollen, sei widersprüchlich. Deshalb sei es, so Reichenau abschließend, nur folgerichtig, den Bau von Wasserkraftwerken an der Salzach im Vorfeld der Flußsanierung auszuloten.

Als Fachleute und Referenten des Abends stellte er Robert Wührer, Leiter technischer Dienste der Österreichisch-Bayerischen Kraftwerke AG/Grenzkraftwerke GmbH, und Professor Dr. Markus Aufhauser von der Universität Innsbruck vor. Mit einem Grußwort trat sodann Fridolfings Bürgermeister Johann Schild ans Rednerpult. Nach Vorstellung „seiner“ Gemeinde in wesentlichen Eckdaten nannte auch er die Laufzeitverlängerung der aktuellen Bundesregierung für Atomkraftwerke eine unverständliche Entscheidung, aber, so Schild, die Gegenwart habe nach Fukushima die Regierung eingeholt. Als großer Befürworter regenerativer Energien erachte er erneuerbare Energie, erzeugt in der Region, als einen zukunftsweisenden Beitrag zur Energiewende. Neben der Nutzung der „klassischen“ alternativen Energien fände er es diesbezüglich schade, die Salzach hierbei als denkbare Option nicht in Betracht zu ziehen. Er halte dies für ökologisch vertretbar. Mit der Nennung von „Fließgewässer Kraftwerken“ als einer neuen Generation von Laufkraftwerken leitete Schild zum Hauptredner des Abends, Prof. Dr. Aufhäuser, über.

Prof. Dr. Aufhäuser verstand es geschickt, dem Plenum das Konzept der Fließgewässer Kraftwerke, an deren Erarbeitung an der Universität Innsbruck er maßgeblich mit beteiligt war, in verständlichen Worten näher zu bringen und deren Sinnhaftigkeit im Bereich der Unteren Salzach, das heißt dem Freilassinger Becken und dem Tittmoninger Becken, zu begründen. Den möglichen Einwand von Kritikern, ob Fließgewässersanierung und Wasserkraft hier zusammen paßten, beantwortete er mit einem eindeutigen „Ja“. Die Rampe, mittels derer die Sohldurchbruchsgefahr gebannt werden soll, bringe die für die Stromerzeugung nötige Fallhöhe und bleibe „nicht sichtbar“ unter dem Flusswasserspiegel. Durch die innovativen Fließgewässer Kraftwerke werde keine Staufläche erzeugt und der Fließgewässer Charakter bleibe somit immer erhalten. Auch unterschiedliche Wasserstände seien kein Problem, da mit variablen Gefällehöhen gearbeitet werde. Außerdem sei die Durchlässigkeit für Fische, sowohl flußauf- wie flußabwärts durch „Migrationskorridore“ garantiert, was in Modellversuchen mit speziell markierten echten Fischen bereits erfolgreich getestet worden sei. Auch die Problematik des Salzach Geschiebes könne durch die Durchlässigkeit der Rampen gelöst werden und es komme zu keiner Sedimentation an derselben. Nach dem sehr kompetenten Wissenschaftler von der Uni Innsbruck erläuterte der Praktiker Robert Wührer die Rahmenbedingungen für die Wasserkraft Nutzung. Nach kurzer Vorstellung der bisher existierenden, überaus effektiven Laufkraftwerke am Inn befasste sich Wührer näher mit der deutsch-österreichischen Grenzstrecke an der Unteren Salzach.

Obwohl man sich der ökologischen Sensibilität der Salzach im Bereich des Tittmoninger Beckens bewußt sei und es auf die Europaschutzgebiete (Natura 2000) zu achten gelte, sei die Möglichkeit einer energetischen Mitnutzung der gegenwärtigen Salzachsanierung durch Fließgewässer Kraftwerke, wie sie an der Uni Innsbruck entwickelt wurden, gegeben. Auf die Ergebnisse einer Machbarkeitsuntersuchung hinweisend, zog er folgendes Fazit: Eine Sohle-Stabilisierung der Salzach werde erreicht, die Variante „Fließgewässer Kraftwerk“ sei mit einer Anlage im Stadtbereich von Tittmoning und zwei Anlagen im Gemeindegebiet von Fridolfing optimal umzusetzen, die Sanierungsziele der Salzach können gemeinesam mit dieser Kraftwerksart uneingeschränkt umgesetzt werden. Das erfreuliche Endergebnis sei eine mögliche Erzeugung von 90 GWh an erneuerbarer Energie im Tittmoninger Becken, was die Versorgung mit elektrischer Energie von 25.000 Haushalten entspreche.

Harmonisch, von der Fridolfinger Gemeinderätin Anna Aigner souverän moderiert, folgte eine Aussprache zu verschiedenen Aspekten der Referate. So sprach sich auch stellvertretender Landrat Sepp Kohnhäuser für die Wasserkraft als zuverlässigste der regenerativen Energien aus und fügte hinzu, dass der Landkreis Traunstein in Zukunft mit einem Energiemix inklusive der Wasserkraft arbeiten müsse.

Bürgermeister Schild brachte Bedenken einiger Fridolfinger Bürger bezüglich des Grundwasseranstiegs als Folge der Rampen in der Salzach in die Diskussion ein; Keller von Salzach-Anrainern könnten eventuell Gefahr laufen, in Extremsituationen mit Wasserschäden rechnen zu müssen. Prof. Aufhäuser bestätigte den Anstieg des Grundwassers; er sehe die befürchtete Gefahr jedoch nicht. Weitere Diskussionsbeiträge zweifelten die Sinnhaftigkeit der Migrationskorridore für Fische an, fragten mögliche Unterschiede im Ökologieverständnis zwischen Deutschland und Österreich an oder äußerten Bedenken bezüglich der Tauglichkeit des geologischen Fundaments der Salzach (Seetone) für die Anlage der Kraftwerksrampen.

SPD OV Fridolfing

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Rupertiwinkel

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser