Ergebnisse des Flussdialogs liegen vor

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Freilassing - Eine Umfrage zeigt einen breiten Konsens für die Erhaltung der Auwälder und seinen Stopp der Eintiefung durch ökologisch verträgliche Wasserkraft:

Ein halbes Jahr lang wurden Ideen präsentiert, Meinungen eingeholt und Positionen diskutiert. In mehreren Workshops, bei einer Online-Befragung sowie einer Dialogveranstaltung waren sowohl Stakeholder als auch die breite Bevölkerung im Freilassinger Becken in Bayern und Salzburg eingeladen, ihre Meinung zur Zukunft der Unteren Salzach zu äußern. Ziel des ersten grenzüberschreitenden Flussdialogs war es, offen und transparent über die Untere Salzach und ihre Herausforderungen zu kommunizieren. Die Ergebnisse des Flussdialogs werden nun bei Entscheidungen für künftige Maßnahmen an der Unteren Salzach berücksichtigt.

Mehr als 200 Stakeholder aus unterschiedlichen Bereichen präsentierten in Workshops ihre Ideen und Wünsche zur Sanierung der Unteren Salzach, exakt 1.744 BürgerInnen nutzten im Rahmen der Online-Befragung die Gelegenheit, ihre Vorstellungen zur zukünftigen Gestaltung der Unteren Salzach in ihrer Region zu äußern. Bei der Dialogveranstaltung diskutierten mehr als 120 TeilnehmerInnen – interessierte BürgerInnen und VertreterInnen von Verwaltung, Politik, Wirtschaft, Wasserkraft etc. – gemeinsam ihre Positionen zur Zukunft der Unteren Salzach im Freilassinger Becken. Nun wurden die Ergebnisse der einzelnen Dialogschritte des Flussdialogs zusammengeführt. Sie bilden eine weitere wichtige Entscheidungshilfe für weitere Planungen an der Salzach.

Bedingtes Ja zur Wasserkraft

51 Prozent der Befragten sprechen sich für den Bau von Wasserkraftwerken aus, aber nur wenn auch ökologische Vorteile wie beispielsweise eine Anhebung des Flussbettes oder eine bessere Anbindung der Auwälder an die Salzach damit verbunden werden können. Weitere 24 Prozent der Befragten sind ohne Vorbehalte für den Bau von Wasserkraftwerken. Gegen den Ausbau der Wasserkraft sind 12 Prozent, weil Kraftwerke in diesem Gebiet die natürlichen Entwicklungsmöglichkeiten des Flusslaufes und auch der umgebenden Auwälder auf Jahrzehnte einschränken oder gar verhindern würden. 3 Prozent der Befragten sprechen sich generell gegen den Ausbau von Wasserkraft aus, weil für sie Wasserkraft grundsätzlich sehr bedenklich ist. 8 Prozent der Befragten können keine Aussage treffen, weil sie die einzelnen Projektideen für Wasserkraft zu wenig kennen und deren Auswirkung auf Natur und Flussgebiet nicht ausreichend einschätzen können. Die restlichen Befragten vertreten eigene Positionen zur Wasserkraft.

Argumente für Wasserkraft sind aus Sicht der Befragten die Funktion eines Kraftwerks als Fußgänger- und Fahrradbrücke (56 %), dicht gefolgt von positiven Klimaschutzeffekten (55 %) und der möglichen Bewässerung der Auwälder durch Flussseitenarme bei einem dauerhaft höheren Wasserstand (54 %). Die dauerhafte Verminderung der Fließgeschwindigkeit (34 %) und die Verhinderung eines naturnahen Flusslaufes sowie sich laufend ändernder Uferstrukturen mit Sand- und Kiesbänken (33 %) werden von den Befragten als Gründe gegen Wasserkraftnutzung an der Unteren Salzach genannt.

Auch AnrainerInnen und Gemeinden im Freilassinger Becken traten in den Workshops mehrheitlich klar für eine Wasserkraftnutzung der Unteren Salzach ein, wenn damit Zusatznutzen wie die Sohlstabilisierung erreicht werden können. Die Vertreter des nichtamtlichen Naturschutzes lehnen dagegen ein Kraftwerk an der Unteren Salzach grundsätzlich ab.

Die Bürgerkraftwerke haben auf bayerischer Seite bereits Projekte an zwei Standorten an der Unteren Salzach eingereicht. Die Österreichisch-Bayerische Kraftwerke AG (ÖBK) arbeitet derzeit umfassend an der Vorbereitung zur Einreichung ihres geplanten Kraftwerkprojektes an der Unteren Salzach. Beim Kraftwerksprojekt Muntigl werden derzeit die erforderlichen Studien für die Einreichung – diese ist spätestens für das Frühjahr 2014 geplant – durchgeführt. Eine behördliche Stellungnahme zu einem geplanten Kraftwerk im Freilassinger Becken kann erst zu einer konkreten Einreichung erfolgen. Ob der Bau eines Kraftwerkes in dem Natura2000-Gebiet „Salzach-Auen“ grundsätzlich möglich ist oder gegen EU-Recht verstößt, wird derzeit aus rechtlicher Sicht geprüft. Dazu wurden von den staatlichen Stellen auf bayerischer und österreichischer Seite Gutachten beauftragt. Diese Gutachten befinden sich derzeit in Endabstimmung und werden im September vorliegen.

Auftakt zum „Flussdialog Untere Salzach“

Sohlstabilisierung und Erhaltung der Auwälder

Breiter Konsens herrscht sowohl bei der Bevölkerung als auch bei den Stakeholdern bezüglich der Erhaltung der Auwälder: Eine Anbindung der Salzach-Auen an den Fluss soll künftig wieder erreicht werden. Auch beim Thema Sohlstabilisierung sind sich die Beteiligten des Flussdialogs einig: eine weitere Sohleintiefung ist nach Möglichkeit zu vermeiden, Maßnahmen zur Stabilisierung der Sohle sollen zeitnah umgesetzt werden. Unterschiedliche Vorstellungen gibt es hingegen, wie etwa die Bewässerung und damit die Erhaltung der Au erreicht werden: Die Bevölkerung, die Gemeinden sowie teilweise die AnrainerInnen befürworten eine Kombination mit Wasserkraft. Die Naturschutzgruppen favorisieren dagegen einen dynamischen Fluss, um dieses Ziel zu erreichen. Die Online-Befragung zeigte dazu allerdings keinen besonders ausgeprägten Rückhalt.

Weitere Planungen

Bevor nun jedoch weitere Planungen zur Sanierung der Unteren Salzach in Angriff genommen werden können, muss überprüft werden, welche Schäden das extreme Hochwasserereignis Anfang Juni verursacht hat. Ob es etwa zu einem Sohldurchschlag wie beim Hochwasser 2002 gekommen ist, wird derzeit untersucht. Dazu wird mit Hilfe eines Echolots zentimetergenau die Flusssohle der Unteren Salzach vermessen und mit Aufnahmen aus den Vorjahren verglichen. Diese Untersuchungsergebnisse werden im Herbst 2013 vorliegen und veröffentlicht. Sie sind eine weitere Grundlage für Planungen an der Unteren Salzach.

BürgerInnen informieren

Um dem Informationsbedürfnis der BürgerInnen und Bürger nachzukommen – 80 % der BefragungsteilnehmerInnen wollen über Maßnahmen an der Unteren Salzach im Freilassinger Becken informiert werden – , werden Interessierte künftig über die nächsten Schritte an der Unteren Salzach per E-Mail und auf www.flussdialog.eu informiert.

Zum Flussdialog Untere Salzach

Um bei zukünftigen Entscheidungen die Meinung der Bevölkerung zu berücksichtigen, haben das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit in München, das Land Salzburg sowie das Lebensministerium in Wien im Sommer 2012 mit einer Auftaktveranstaltung in Bergheim den Flussdialog Untere Salzach im Freilassinger Becken gestartet. Im September 2012 fanden drei Workshops für InteressensvertreterInnen zu den Themen Naturschutz, Wasserkraft und Hochwasserschutz/GrundanrainerInnen in Bayern und Salzburg statt. VertreterInnen des nichtamtlichen Naturschutzes stiegen zu diesem Zeitpunkt aus dem Flussdialog Untere Salzach aus: Sie treten für eine freifließende (ungestaute) Untere Salzach ein und lehnen Kraftwerke grundsätzlich ab. Die Ergebnisse der Workshops dienten als Grundlage für die Online-Befragung der breiten Bevölkerung, die im Januar 2013 startete: Drei Wochen lang konnten BürgerInnen aus Freilassing, Saaldorf-Surheim und Laufen in Bayern sowie aus Anthering, Bergheim, Oberndorf und Nußdorf in Salzburg an der Online-Befragung teilnehmen und bei der zukünftigen Gestaltung ihres Flusses mitreden. Die Ergebnisse wurden am 28. Februar 2013 bei einer Dialogveranstaltung in Bergheim präsentiert und diskutiert.

Weitere Informationen: www.flussdialog.eu

Pressemitteilung Flussdialog/Projektmanagerin Sabine Burghart/Nachhaltige Projekte Wien

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