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News-Ticker zum Militärgeschehen

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Was wurde versäumt? Wird genug getan? Welche Rolle spielt Gewerbe?

Bäche rund um Tittmoning am Limit: „Die Situation wird immer schärfer“

Stillbach bei Tittmoning bei Hochwasser
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Der Stillbach in Kirchheim bei Tittmoning ist bei Hochwasser kaum wiederzuerkennen.

Kleine Bäche, die sich bei Starkregen zu reißenden Fluten entwickeln - Tittmoning hat gleich mehrere solcher Fälle. Im Stadtrat kam es nun zur großen Aussprache: Was wurde versäumt? Wird genug getan? Und welche Rolle spielt die Versiegelung durch Betriebe, die sich vergrößern?

Tittmoning - „Wir hatten allein heuer drei Starkregenereignisse. Die Situation wird immer schärfer“, befand Ute Sesselmann (mitBürger) in der Stadtratssitzung am Donnerstag (2. Dezember) und war mit dieser Meinung nicht allein. Der Eschelbach bei Inzing, der Stillbach durch Kirchheim oder der Ponlach-Bach im Stadtzentrum - sie alle machten heuer Probleme: „2021 hat uns alle wieder aufgeweckt“, so Sesselmann. Gleich drei Punkte drehten sich im Stadtrat um Tittmonings Bäche, die bei Starkregen außer Kontrolle geraten.

Hochwasser bei Bächen in Tittmoning großes Thema im Stadtrat

Bürgermeister Andreas Bratzdrum (CSU) gestand ein: „Auf die Extremereignisse heuer waren wir nicht gut vorbereitet.“ In früheren Jahren sei mehr die Salzach im Mittelpunkt gestanden, inzwischen sind es aber die Nebengewässer. „Wir müssen uns das Thema hinter die Ohren schreiben. Es ist dringend, wir dürfen keine Zeit verlieren.“ Denn Zeit hat man an der ein oder anderen Stelle schon genug verloren: Für den Kirchheimer Stillbach wollte man schon voriges Jahr ein Hochwasserschutzkonzept erstellen und fragte um Fördermittel an. 50.000 Euro kostet das Konzept. Aber von den Behörden kam kein Geld: Auf der Dringlichkeitsliste der Regierung von Oberbayern sei der Stillbach zu weit unten.

Der Stillbach in Kirchheim (Tittmoning) im direkten Vorher-Nachher-Vergleich einmal bei Hochwasser und bei normalem Wasserstand.

Für den Stillbach und seine Zuflüsse Eschelbach, Lanzinger Bach und Kugelthaler Bach soll ein Hochwasserschutz- und Rückhaltekonzept entwickelt werden. Wegen der Dringlichkeit angesichts der heurigen Überschwemmungen will man nun erneut auf Fördergelder bei den Behörden pochen. Auch der Antrag von Ute Sesselmanns „mitBürger“-Fraktion ging einstimmig durch: Die Zuständigkeiten bei den Bächen sollen schnellstmöglich geklärt und Gefahren behoben werden; bei Baugenehmigungen soll dem Thema Oberflächenentwässerung oberste Priorität eingeräumt werden; für Landwirte und Anrainer soll es Infoveranstaltungen mit Experten aus der Region geben.

Gewerbegebiet Inzing wird größer - Gefahr für den Eschelbach?

Apropos Baugenehmigung und Oberflächenentwässerung: Mit einem konkreten Fall - just am Eschelbach in Inzing - musste sich der Stadtrat am Donnerstag auch gleich beschäftigen. Ein Metallbearbeitungsbetrieb will erweitern, plant eine zusätzliche Produktionshalle und ein weiteres Lager. Direkt daneben verläuft der Eschelbach. „Es werden wieder 600 Quadratmeter versiegelt“, so Stadtrat Hans Glück (Ökoliste). Die Erweiterung sei an sich „nicht schlimm“, aber man müsse das Gesamtbild des dortigen Gewerbegebiets sehen, dass sich über die Jahre und Jahrzehnte immer mehr ausbreitete. „Da steht auch ein Wohnhaus drin, das heuer zweimal fast abgesoffen ist.“

Jene rotmarkierte Fläche in Inzing, zwischen Törring und Wiesmühl, will der dortige Metallbearbeitungsbetrieb bebauen. Der Eschelbach verläuft in einem Bogen nördlich des Gewerbegebiets.

„Auch das Landratsamt wird das noch prüfen. Wenn der Eschelbach nicht mehr aufnahmefähig ist, wird es nicht genehmigt“, versuchte Bürgermeister Bratzdrum zu beruhigen. „Das ist ja das Thema“, hakte Ute Sesselmann ein: „Das Landratsamt prüft immer und trotzdem sind die Bäche übergegangen.“ Dem Metallbaubetrieb andere Flächen im Tittmoninger Gewerbegebiet anzubieten, wie es Barbara Forster (Ökoliste) vorschlug, lehnte der Bürgermeister ab. „Das wäre für den Betriebsablauf wohl nicht förderlich. Und es ist doch erfreulich, dass sich der Betrieb weiterentwickelt“, so Bratzdrum. Gegen die Änderung des Flächennutzungsplanes in Inzing stimmte schließlich nur Barbara Forster.

„Von 2017 bis 2020 nichts unternommen“ - Bürgermeister wehrt sich

Hat die Stadt von 2017 bis 2020 nichts gegen Hochwasser unternommen? Den Vorwurf von Sesselmann wollte Andreas Bratzdrum so nicht stehenlassen. In jenen Jahren seien an 28 kleineren Gewässern zusammen mit den Grundeigentümern Maßnahmen für 28.000 Euro ergriffen worden und mit allen Ortsteil-Feuerwehren habe es 2019 Untersuchungen zur Risikovorsorgen an den Bächen gegeben. „Seitdem hat sich das Thema natürlich verschärft“, so Bratzdrum. Insgesamt 120 Kilometer an sogenannten Gewässern dritter Ordnung gibt es im Tittmoninger Gemeindebereich.

Pia und Georg Huber vor dem Stillbach, der bei niedrigem Pegel idyllisch an den Werkstätten und dem Grund der Familie im Tittmoninger Ortsteil Kirchheim vorbeifließt.

Rund um Tittmoning wurde es heuer vor allem am 30. August brenzlig mit den Wassermassen. Rund 130 Einsatzkräfte konnten verhindern, dass das Wasser beim Elektrizitätswerk Großmühltal bei Kay über die Ufer trat. Der nachfolgende Bach hätte eine Wohnsiedlung überflutet. In Wiesmühl lief Wasser durch die Ortschaft und in Kirchheim trat der Stillbach über die Ufer. „Das Wasser stand bei uns knöcheltief in der Werkstatthalle“, so Landmaschinenhändler Georg Huber aus Kirchheim bei einem Besuch von chiemgau24.de.

xe

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