Der Traditionsbetrieb besteht seit 423 Jahren

Thomas Braun aus Teisendorf: „Ich bin der letzte gelernte Hutmacher Deutschlands“

Hutmacher Thomas Braun Teisendorf
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Thomas Braun bei der Arbeit: Unter einer Glocke wird der Filzstoff für einen Hut im Wasserdampf elastisch gemacht. Bevor er in den Familienbetrieb einstieg war Braun Sport- und Fitnesskaufmann in der Bad Reichenhaller Rupertustherme.

Er ist Bodybuilder, ein wilder Vogel und gleichzeitig der letzte gelernte Hutmacher Deutschlands: „traurig“ findet Thomas Braun aus Teisendorf das - und will gerade deshalb den uralten Traditionsbetrieb seiner Eltern fortführen.

Teisendorf - „Hutmacher seit 1598“ - mit mehr Stolz könnte eine Tätowierung kaum getragen werden. Auf Thomas Brauns linkem Unterarm prangt der Schriftzug in Verbindung mit einem Zylinder. 31 Jahre ist er alt und führt mit Trotz und Leidenschaft einen Beruf fort, der zu verschwinden scheint. „In dieser Branche stirbt einer nach dem anderen weg“, erzählt Braun beim Besuch von BGLand24.de. „Aber ich fühle mich verpflichtet in unserem Betrieb auch die nächste Generation zu sichern.“

Thomas Braun aus Teisendorf letzter Hutmacher in Deutschland

2017 hat Braun seine Lehrabschlussprüfung als Hutmacher abgelegt. Aber nicht in München oder Berlin, nein, nach Wien musste der Teisendorfer dafür reisen. In Deutschland werden Prüfungen für angehende Hutmacher inzwischen gar nicht mehr abgenommen. „Zwei Lehrlinge waren wir damals, ein Österreicher und ich. Schon traurig“, erzählt er. Mit so einem Beruf wird Braun vollends zum Paradiesvogel: „Das glaubt keiner, aber jeder findet‘s lässig - vor allem auch mit meiner Kombination als Bodybuilder“, lacht er.

Mehrere tausend verschiedene Formen für die Hutpresse lagern in Teisendorf.

Das Geschäft ist seit der Corona-Krise nahezu weggebrochen. Einen Online-Shop gibt es nicht, zumindest über E-Mail oder Telefon kommen ein paar Bestellungen herein. Die „Corona-Pause“ nutzen die Teisendorfer um die Lagerbestände zu füllen oder neue Modelle zu entwerfen. Trotzdem sieht Thomas Braun die Hutmacherei „gut aufgestellt“: Im Normalfall stellt man in Teisendorf rund 10.000 Hüte jährlich her - und das alles leistet er mit seinen Eltern Gisela und Lothar sowie zwei weiteren Angestellten allein. Dazu kommen zwei Außendienstler.

Hydraulische Pressen, um die Hüte stabiler und formbeständiger zu machen.

„Wir haben eh ein Glück, dass wir in Bayern sind. In keinem anderen Bundesland werden noch so viele Hüte verkauft“, weiß der 31-Jährige. Die Vereine sind es, die zu den Stammkunden gehören - allen voran die Trachtler. Und an den Wochenenden ist die Hutmacherfamilie viel auf Märkten in Bayern unterwegs. In den Spitzenzeiten, in den 1970er- und 1980er-Jahren, arbeiteten 30 Leute bei Hut Braun. Nicht unbedingt die Trachtler waren es, die damals für das große Geschäft sorgten, sondern viele Karnevalsvereine vom Rhein, die man als Kunden hatte.

Gisela Braun ist vor allem für Garnitur und Verzierung der Hüte zuständig.

Einsteifen, aufziehen, trocknen, zuschneiden, pressen, garnieren, verzieren - das sind die Arbeitsschritte, bis ein Hut nach zwei Tagen fertig ist. Gearbeitet wird vor allem mit Wollfilz, Haarfilz, Stroh und Velours. Mehrere tausend verschiedene Formen für die Hutpressen lagern in Teisendorf. „Aber nur 50 bis 80 haben wir im regelmäßigen Gebrauch“, so Thomas Braun. Auch eine Handvoll Zylinder verkauft man noch von Jahr zu Jahr. Zauberer, Hochradfahrer oder Kaminkehrer sind die Kunden dann meist - und nicht zu vergessen der Zylinder auf Thomas Brauns Unterarm, der ihn ein Leben lang an seine Berufung erinnern wird.

xe

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