Terminal: Leuchtturm oder Schnapsidee?

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Das ContainerTerminal Salzburg wirbt mit genügend Kapaztäten für die Zukunft, Traunreut plant ein eigenes Terminal, braucht es dann noch eines in Teisendorf?

Teisendorf - Das geplante Güterterminal in Teisendorf ist weiter umstritten. Jetzt machen die Gegner mobil.

Nach Ansicht der Gegner eines geplanten Containerterminals in Teisendorf gibt es für eine solche Anlage weder einen regionalen Bedarf, noch sei eine solche Einrichtung an der geplanten Stelle „mitten auf der grünen Wiese“ und fernab von Industrie- oder Gewerbebetrieben sinnvoll. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Informationsveranstaltung von Interessengemeinschaft (IG) gegen ein Containerterminal in Teisendorf und Bündnis 90/Die Grünen.

Für und wider das Terminal

Wie der IG-Vorsitzende Klaus Richter in seiner Einleitung ausführte, sei ursprünglich eine Podiumsdiskussion mit Befürwortern und Gegnern der geplanten Anlage vorgesehen gewesen. Doch von Seiten der Befürworter habe es nur Absagen gehagelt. Man habe aber dennoch an der Veranstaltung festgehalten, um die Bevölkerung vom aktuellen Stand der Dinge zu unterrichten und noch einmal die Argumente für und Wider einer solchen Einrichtung öffentlich zu diskutieren.

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Ein formelles Raumordnungsverfahren, wie im August letzten Jahres angekündigt, sei zwar noch nicht eingeleitet worden. Allerdings gebe es von Seiten der möglichen Investoren zahlreiche Aktivitäten, um ein solches Verfahren zu eröffnen. Deshalb hätten sich die Grundbesitzer, welche einen Verkauf ihrer Flächen nach wie vor ablehnten, einen Anwalt genommen, um ihre Interessen zu wahren. So sei sichergestellt, dass die Grundbesitzer in ein mögliches Raumordnungsverfahren eingebunden wären.

Grünen-Kreis- und Gemeinderat Edwin Hertlein versuchte anhand einer Powerpoint-Präsentation darzustellen, dass die Errichtung eines Containerterminals in Teisendorf eher eine „Schnapsidee“ sei als ein Leuchtturmprojekt. Nirgendwo in Deutschland sei bisher ein Containerterminal auf der „grünen Wiese“ errichtet worden, ohne dass einen grösserer Industriebetrieb schon in unmittelbarer Nähe bereits existiert hätte. Ausserdem hätten diese Betriebe eine Flächenausdehnung, die weit über das hinausgehe, was in Teisendorf an Gewerbefläche neben dem geplanten Containerterminalgelände vorgesehen sei.

Was passiert in Straubing und Burghausen?

Näher beleuchtete Hertlein die vorgesehenen Containerterminalstandorte Straubing und Burghausen. In Straubing sei ein Containerterminal in unmittelbarer Nähe zu einem bestehenden Industriepark samt Donauhafen mit mehr als 200 Hektar Fläche vorgesehen. In Teisendorf sei neben dem Terminalgelände lediglich Platz für ein Gewerbegebiet mit rund 15 Hektar Fläche. Im Industriepark Straubing wären bereits heute namhafte Unternehmen wie Kühne und Nagel, Sennebogen oder Ingram Micro mit erheblichem Transportaufkommen vertreten. Trotz dieser im Vergleich zu Teisendorf wesentlich besseren Rahmenbedingungen sei aber in Straubing noch immer kein Raumordnungsverfahren für ein Containerterminal eingeleitet worden. Und das obwohl Terminal-Planer Mayer im April 2009 in einer Informationsveranstaltung in Teisendorf getönt habe, dass dort „demnächst die Bagger rollen“ würden.

In Burghausen sei man da schon wesentlich weiter. Dort seien die Verfahren abgeschlossen und in diesem Jahr werde die Anlage gebaut. Aber auch dort gebe es unter anderem mit den Firmen Wacker, OMV und Borealis bereits „Riesenfirmen“ mit einem erheblichen Transportaufkommen. Das unmittelbar neben dem künftigen Terminalgelände liegende Industriegebiet umfasse eine Fläche von fast 400 Hektar. Hertlein sieht für ein geplantes Containerterminal in Teisendorf aber auch keinen regionale Bedarf.

Nimmt Traunreut Teisendorf die möglichen Kunden?

Erst vor kurzem habe die Traunreuter Firma Bosch-Siemens Heimgeräte angekündigt, in absehbarer Zeit auf ihrem Werksgelände ein eigenes Containerterminal für ihren eigenen Bedarf zu errichten. Die erwartete Containermenge betrage rund zwei Container am Tag. Die Firma Bosch-Siemens Heimgeräte war immer als einer der potentiellen „Grosskunden“ für ein Terminal Teisendorf genannt worden. Angesichts der Containermenge dieses „potentiellen Grosskunden“ werde deutlich, dass die Annahme von einem regionalen Bedarf für ein Containerterminal Teisendorf in Höhe von täglich etwa 140 Containern absolut unseriös gewesen sei.

Erhebliche Restkapazitäten in Salzburg

Der Geschäftsführer des Containerterminals Salzburg (CTS), Otto Hawlicek, machte deutlich, dass das Terminal Salzburg noch über erhebliche Reservekapazitäten verfüge. Selbst im jetzigen Ausbauzustand sei die Anlage nur zu etwa 50 Prozent ausgelastet. Mit dem Bau des dritten Gleises zwischen Salzburg und Freilassing werde sich die Umschlagkapazität der Anlage aber noch deutlich erhöhen. Zudem gebe es in unmittelbarer Nähe noch Erweiterungsmöglichkeiten.

Hans Eisenbichler, Unternehmer aus Teisendorf, bezweifelte, dass mit der Ansiedlung eines Containerterminals in Teisendorf überwiegend Teisendorfer Arbeitskräfte dort zum Zuge kämen und sich so die Auspendlerzahlen nennenswert senken liessen. Wenn er sich für seine Firma um Arbeitskräfte bemühe, bekomme er aus Teisendorf nahezu keine Bewerbungen. Ausserdem gebe es in der Region praktisch Vollbeschäftigung. Für Robert Strauss vom Bund Naturschutz sind die Flächen zwischen Hörafing und Ufering ökologisch viel zu wertvoll, um diese einem Containerterminal „zu opfern“. Ludwig Zenz, einer der von einer möglichen Enteignung betroffenen Grundbesitzer, führte aus, dass er und weitere betroffene Bauern bereits 2008 deutlich gemacht hätten, dass sie ihre landwirtschaftlichen Flächen nicht verkaufen wollten. Trotzdem sei im Marktgemeinderat in Teisendorf ein mehrheitlicher Beschluss zur Prüfung der Errichtung eines Containerterminals gefasst worden.

In der anschliessenden Diskussion meldeten sich im vollbesetzten Saal der Alten Post unter der souveränen Leitung von Markus Gollinger vom Lokalradiosender Bayernwelle Südost eine Reihe von Bürgerinnen und Bürgern zu Wort. Dabei überwog die Ablehnung gegenüber einem Containerterminal in Teisendorf deutlich. IG-Vorsitzender Klaus Richter bedankte sich zum Schluss der Veranstaltung für das rege Interesse an dieser Informationsveranstaltung und versprach, die Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin auf dem Laufenden zu halten.

Pressemitteilung Grüne Teisendorf

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