Freibad-Schließung? "Sonst haben wir doch nix"

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Teisendorf - Über 70 Gäste aus Neukirchen machten dem Gemeinderat Druck - Thema der emotionalen Debatte: Die Zukunft der defizitären Freibäder. Eine "historische Entscheidung" steht an.

"Das Schwimmbad wenn s' uns zusperren, das wär' natürlich scheiße", so nur eine der vielen Neukirchner Stimmen im Vorfeld der Marktgemeinderatssitzung. Aus den Nebenzimmern wurden noch Stühle für die über 70 Gäste aus Neukirchen herangeschafft, und trotzdem mussten sich noch viele mit einem Stehplatz im Sitzungssaal zufrieden geben - doch nicht nur dort: Bis auf den Gang hinaus standen die Bürger, um zu hören, was mit den Schwimmbädern passiert.

Kern der Debatte: Die beiden Schwimmbäder in der Gemeinde, Neukirchen und Teisendorf, fahren seit Jahren Defizite ein. Rund 180.000 Euro jährlich. Nun wäre es auch noch höchste Zeit beide Bäder zu sanieren. Der Kostendeckungsgrad könnte dann auf geschätzte zehn Prozent fallen. Genaue Sanierungspläne gibt es noch nicht, in der Gemeinde rechnet man aber mit Investitionskosten zwischen 3,2 und 4 Millionen Euro. Viele Neukirchner befürchten also, dass es vor allem ihrem kleineren Bad an den Kragen gehen könnte.

Lauter Applaus für klare Positionen

"Schon im Januar sind über 200 Unterschriften gesammelt worden, jetzt sind nochmal fast 200 dazugekommen", zeigte Schwimmbadreferent und Gemeinderat Thomas Prechtl am Beginn der Diskussion auf. "Sowohl in Neukirchen, als auch in Teisendorf würden Bürger Fördervereine gründen, um beim Bau und beim Betreiben der Bäder ehrenamtlich zu helfen", so Prechtl. "Hier lernen die Kinder das Schwimmen, das ist Lebensqualität!" Seine leidenschaftlichen Plädoyers für die Schwimmbäder kassierten lauten Applaus der Zuhörer.

25 Wortmeldungen: Leidenschaft und Spareifer

Doch als die Fraktionssprecher ein Stimmungsbild gaben wurde klar: Der Riss geht durch alle Parteien - "Meine Fraktion denkt da sehr gemischt", so stellvertretend Peter Schuhbeck (Freie Wähler). Eindeutige Neins waren kaum zu hören: Zu vieles ist noch unklar, zu unausgereift noch die Pläne und die absehbaren Kosten für die Schwimmbadsanierungen. Aber Zweifel hatten viele. Schwimmbäder seien ein Luxusobjekt, meinte Anita Niederstraßer. Elisabeth Aschauer brachte es auf den Punkt: "Das Herz sagt: beide erhalten. Das Hirn sagt: Die Kosten sind zu hoch."

Georg Quentin sprach gar von einer "historischen Entscheidung": "Man darf sich den Haushalt nicht wegen zwei Bädern blockieren". Einig waren sich alle nur in dem Punkt: Die Kosten müssen gesenkt werden. Neben ehrenamtlicher Arbeit durch Fördervereine kamen so noch andere, mögliche Lösungen ins Spiel: Der Bademeister ließe sich einsparen, wenn die Anlagen als Vereinsschwimmbäder geführt würden (Wetzelsperger). Die Bäder müssten auch außerhalb der warmen Tage öffnen, um Spielplätze oder Kioske zu nutzen (Stadler).

"...es wäre ein Skandal!"

"Unsere Kinder brauchen das Bad!" - trotz der Gegenstimmen mancher Räte bekam auch eine "Neukirchner Schwimmbadbürgerin" am Montag im Gemeinderat das Wort erteilt. Christine Schmid erinnerte an die zentrale Bedeutung des Bades für Neukirchen: "Sonst haben wir doch nix. Wenn uns das Bad weggenommen wird, es wäre ein Skandal!" Früh einigten sich die Räte, die Beschlussfassung zu verschieben: "Das Thema ist zu wichtig. Qualität vor Quantität", so Bürgermeister Thomas Gasser.

Ideen wurden gesammelt, Argumente mit viel Leidenschaft ausgetauscht, doch bevor über diese heißen Eisen abgestimmt wird, wollen die Gemeinderäte noch mehr über mögliche Sanierungsvarianten und Kosten wissen. Und trotz der vielen kritischen Stimmen der Abgeordneten: Ein mancher Neukirchner schöpfte nach der Sitzung bereits wieder Hoffnung für "sein" Schwimmbad: "Die ersten Nein-Sager knicken schon ein."

xe

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