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Das kommt auf den ÖPNV zu

Nahverkehrsplan im Berchtesgadener Land: Keine S-Bahn, aber ein Rufbus

Der Gemeindebus Teisendorf soll in das Rufbussystem des Landkreises integriert werden.
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Der Gemeindebus Teisendorf soll in das Rufbussystem des Landkreises integriert werden.

Der Gemeinderat Teisendorf erklärte sich mit dem kürzlich fertiggestellten Bericht zum Nahverkehrsplan für den Landkreis Berchtesgadener Land einverstanden. Er forderte aber auch bei der Umsetzung konkretere Maßnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrsangebotes stets eine enge Detailabstimmung zwischen dem Landkreis und der Gemeinde.

Teisendorf – Vor der Abstimmung hat Johannes Wick vom Landratsamt Berchtesgadener Land dem Gemeinderat die wichtigsten Punkte des Endberichts vorgestellt, den eine Münchner Fachfirma für Verkehrstechnik und Verkehrsplanung im Auftrag des Landkreises erstellt hat. Dabei ging er vor allem auf die Punkte ein, die Teisendorf besonders betreffen

Der Nahverkehrsplan ist ein Planungsinstrument, über das für den gesamten Landkreis eine Grundversorgung bei den Mobilitätsangeboten im öffentlichen Nahverkehr festgelegt und weiterentwickelt werden soll. Dabei soll landkreisweit ein einheitliches Qualitätsniveau gelten. Im Nahverkehrsplan ist ein Zielnetz definiert, das zwei Bus-Premium-Linien mit einem Halbstundentakt vorschlägt, von Salzburg nach Bad Reichenhall beziehungsweise nach Berchtesgaden. Das Hauptbusliniennetz umfasst neun Linien mit einem vorgesehenen Stundentakt.

Die Linie 829 verbindet Teisendorf mit Reichenhall und Anger und hat daher den Gemeinderat besonders interessiert. Zur Optimierung des öffentlichen Nahverkehrs auf dieser Strecke und zur Erreichung der Zielvorgaben des Nahverkehrplans wurden geschätzte Kosten zwischen 372.000 und  620.000 Euro angesetzt, je nachdem ob Kilometerkosten von drei oder fünf Euro zugrundegelegt werden. Von diesen Bruttokosten müsste man noch das Fahrgeld und die Förderung durch den Freistaat in Höhe von 60 Prozent abziehen, so Wick.

Die restlichen Kosten muss der Landkreis tragen. Gemeinderat Georg Wetzelsperger forderte, dass die Anbindung an Reichenhall vor allem am Abend verbessert werden müsse. Desweiteren sind im Landkreis fünf Ergänzungslinien mit Bus eingerichtet. In Teisendorf ist dies die Linie 516, die über Neukirchen nach Traunstein fährt und die Linie 9825 über Saaldorf-Surheim nach Laufen. Diese Linien haben keine bestimmte Taktung, sollen aber Mindeststandards bei der Bedienungsqualität erfüllen. Bei beiden Linien sind Verbesserungen notwendig und im Plan auch vorgesehen. 

Komplettiert werden soll das ÖPNV-Angebot durch einen landkreisweiten flächendeckenden Bedarfsverkehr in Form von Rufbussen, die ähnlich dem jetzigen Gemeindebus in Teisendorf funktionieren, aber über Gemeindegrenzen hinweg unterwegs sein können. Zur Koordinierung soll eine gemeinsame Anruf- und Dispositionszentrale für den ganzen Landkreis aufgebaut werden. Die Erfahrungen und Zahlen aus dem Betrieb des Gemeindebusses Teisendorf wären sehr hilfreich gewesen bei den Überlegungen zu dem landkreisweiten Rufbussystem, so Wick.

Eingerichtet werden sollen drei Bedienungsgebiete, die jeweils den südlichen, mittleren und nördlichen Landkreis umfassen, sowie ein Tarifwabensystem. Die Rufbusse sollen täglich zwischen 7 und 22 Uhr fahren. Mit einer Umsetzung ist nicht vor 2023 oder 2024 zu rechnen. Die landkreisweiten Kosten für diese Maßnahmen wurden mit 430.000 bis 740.000 Euro brutto beziffert. Bei Umsetzung aller im Nahverkehrsplan vorgesehenen Maßnahmen belaufen sich die Kosten auf jährlich rund vier Millionen Euro brutto. Hiervon sind Förderungen in Höhe von 60 Prozent sowie die Fahrgeldeinnahmen abzuziehen. Diese Kosten sind vom Landkreis zu tragen. Sofern eine Kommune zusätzliche Leistungen will, die über das im Plan festgeschriebene Leistungsniveau hinausgehen, muss sie die Kosten dafür selbst tragen. 

In der Diskussion kam auch die S-Bahnanbindung Traunstein-Salzburg zur Sprache, die von Teisendorf schon lange gewünscht wird. Gemeinderat Gernot Daxer (CSU) wollte von Johann Wick wissen, ob in dieser Sache etwas angedacht sei. Auch die Frage von Rat Georg Quentin (SPD), ob eine neue Bedarfsanalyse, zum Beispiel für den stark angewachsenen Ortsteil Rückstetten durchgeführt worden sei, ging in diese Richtung. Leider gäbe es in dieser Sache seitens der Bahn keine ermutigende Antwort, so Wick.

Im Moment sei es schwierig, weil die Kapazitäten auf der vielbefahrenen Trasse München-Salzburg Schienen für eine S-Bahn mit vielen Haltestellen nicht gegeben sind. Gemeinderat Johann Rauscher (SPD) mahnte zudem an, dass die Barrierefreiheit am Bahnhof Teisendorf ein leidiges Thema sei, dass man aber anpacken müsste, weil behinderte Menschen den Bahnhof nicht nutzen können. Auch hier kann der Nahverkehrsplan nicht weiterhelfen, weil dies Sache der Deutschen Bahn und nicht des Landkreises ist. 

„Gut, dass endlich beim ÖPNV was weitergeht“, meinte Gemeinderat Thomas Egger (CSU). Die Kosten seien zwar hoch, aber diese Investition in die Zukunft sei dringend notwendig. Unter anderem nannte Egger die Digitalisierung der Fahrpläne und die Barrierefreiheit als wichtige Anliegen, die schnell umgesetzt werden müssten. Zudem solle man darauf achten, dass Parallelfahrten Bus und Bahn vermieden werden. Ob die sechzig Prozent Zuschuss die obere Grenze wären, wollte Rat Andreas Neumeier (CSU) wissen. Im Moment sei das die Regelung, man könne nur hoffen, das es so bleibt, so die Antwort von Wick.  

Teisendorf gehört zu den ersten Kommunen, die über den Plan beraten und ihm zugestimmt haben. Nach der Zustimmung aller Kommunen im Landkreis soll der Kreistag in seiner Maisitzung den Nahverkehrsplan beschließen.

kon

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