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Forschen in Teisendorf für den Wald der Zukunft

Am Amt für Waldgenetik wird die Eignung von Baumarten im Klimawandel untersucht

Amt für Waldgenetik Teisendorf
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In den forstgenetischen Laboren des AWG werden die Erbanalgen der Waldbäume untersucht.

Eine kleine aber feine Forschungseinrichtung in Teisendorf soll helfen, den Wald zukunftstauglich zu machen. Denn der Klimawandel mit steigenden Temperaturen, zunehmenden Witterungsextremen wie Dürre, Stürme und Starkregen, setzt auch den Wäldern in Bayern mächtig zu. Waldlandschaften, vor allem im bisher schon trockenen Franken, ändern ihr Gesicht in wenigen Jahren, der Schadholzanteil steigt, der Holzpreis hat sich seit 2018 mehr als halbiert.

Teisendorf - Der Wald braucht Unterstützung, wenn er die Auswirkungen des Klimawandels überstehen soll. Waldumbau hin zu klimatoleranten Mischwäldern mit vielen Baumarten ist ein Gebot der Stunde. Einen Beitrag dazu will das Bayerische Landwirtschaftsministerium leisten und fördert deshalb mit drei Millionen Euro zehn Forschungsprojekte unter dem Motto „Mischbaumarten für einen klimastabilen Wald“. Welches Anbaurisiko besteht, wenn man nichtheimische Baumarten einbringt? Von wo soll man das Saat- und Pflanzgut ausgewählter heimischer Mischbaumarten für bestimmte Regionen nehmen? Wie können sich Wälder an den Trockenstress anpassen? Wie wirkt sich der Klimawandel im Gebirgswald aus? All diese Fragen sind für Waldbesitzer von direkter praktischer Bedeutung.

Zwei Projekte werden in Teisendorf am Amt für Waldgenetik (AWG) bearbeitet. Die in Bayern einzigartige Forschungseinrichtung betreibt seit 1964 Herkunftsforschung für heimische und nichtheimische Baumarten. In den ersten Jahrzehnten lag der Fokus auf Anbauversuchen und langjährigen Herkunftsversuchen, die in verschiedenen Regionen Bayerns angelegt und betreut werden. Mit fortschreitender Entwicklung der Möglichkeiten zur Erforschung der Erbanlagen der Bäume mit Labormethoden und mit der Inbetriebnahme eines der ersten forstgenetischen Labore Süddeutschlands in Teisendorf ab 1990, kam eine zweite Säule hinzu.

Rund 800.000 Euro Fördermittel

Heute ergänzen sich die beiden Bereiche, Feld- und Laborforschung, und profitieren auch bei den beiden neuen Forschungsprojekten voneinander. „Wir sind froh, dass wir mit den bewilligten Mitteln einen Beitrag zur Auswahl von Baumarten und Herkünften für einen klimastabilen Wald leisten können. Denn Kenntnisse über die genetische Ausstattung von Waldbäumen und Beständen sind wichtig, um die Fähigkeit zur Anpassung an schnelle Umweltänderungen zu beurteilen“, so Dr. Alwin Jansen, Leiter des AWG. Insgesamt werden durch die beiden Projekte in den nächsten drei Jahren rund 800.000 Euro an Fördermitteln an die Teisendorfer Forschungseinrichtung fließen.

In einem der beiden Projekte wollen die Wissenschaftler untersuchen, ob sich die mediterranen Eichenarten Flaumeiche, Zerreiche und Ungarische Eiche aus wärmeren und trockeneren Gebieten, als Mischbaumarten für unsere zukünftigen Wäldern eignen. Eine besondere Herausforderung wird dabei die Beschaffung passenden Saatguts sein. Dazu sollen die drei Arten in Süddeutschland auf Versuchsflächen ausgepflanzt werden, wo ihr Wuchsverhalten und die Wuchsleistung über viele Jahre beobachtet werden kann. Schon heute gibt es Anbauversuche mit neuen Arten im Osinger Wald bei Laufen und im Eichet bei Freilassing.

„Trockenperioden werden zunehmen“

„Bis ins Mittelalter war in vielen Regionen Bayerns die Eiche auf großen Flächen die vorherrschende Baumart. Auch im Klimawandel wird sie eine der Gewinnerinnen sein. Ergänzend ist die versuchsweise Einführung von trockentoleranten Eichenarten aus dem Balkan- und Mittelmeerbereich eine zukunftsweisende Antwort auf die große Herausforderung, vor der die Forstwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten steht, denn Trockenperioden werden zunehmen“, meint Randolf Schirmer, stellvertretender Leiter des AWG. In zehn bis fünfzehn Jahren wird man dann wissen, ob Flaumeiche, Zerreiche und Ungarische Eiche im Klimawandel in unseren Wäldern als Mischbaumart eine Zukunft haben.

In dem zweiten Projekt geht es um die seltenen heimischen Baumarten Spitzahorn, Hainbuche und Sommerlinde. Sollen sie in Zukunft vermehrt als Beimischung zu den Hauptbaumarten wie Tanne, Buche oder Eiche gepflanzt werden, bedarf es hochwertigen Saat- und Pflanzgutes. Der erste Schritt dazu ist die Suche nach geeigneten Erntebeständen. Die Projektmitarbeiter aus Teisendorf werden gute Bestände in ganz Bayern suchen, sie nach Vitalität, Form und Wuchsleistung beurteilen und im Labor ihre genetische Vielfalt untersuchen. Neben der Saatgutbeschaffung steht die Entwicklung von Herkunfts- bzw. Verwendungsempfehlungen an vorderster Stelle. Bereits in zwei bis drei Jahren sollen aus diesem Projekt für Saatgutfirmen, Baumschulen und Waldbesitzer konkrete Ergebnisse vorliegen.

kon

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