Betrauungsakt mit der BGLT wird gekündigt - Kooperation mit TRBK noch offen

Heiße Diskussionen zur touristischen Neuorientierung der Marktgemeinde Teisendorf

Markt Teisendorf Begrüßung am Ortseingang
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So begrüßt Teisendorf jetzt seine Gäste.

Teisendorf - Heiße Diskussionen gab es in der jüngsten Gemeinderatssitzung zur touristischen Neuorientierung der Marktgemeinde. Ausgangspunkt war der massiv kritisierte Ausstieg des Zweckverbandes Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK) aus der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT), an der auch der Verein Erlebnisregion Berchtesgadener Land Anteile hält.

Die Erlebnisregion vertritt die touristischen Interessen der Gemeinden des nördlichen Landkreises, darunter auch Teisendorf. Die Touristiker der Mitgliedsgemeinden sind sich weitgehend einig, dass sie zur Erledigung Ihrer Aufgaben auch weiterhin fachliche Unterstützung brauchen, so Bürgermeister Thomas Gasser, der auch erster Vorsitzender der Erlebnisregion ist. Bekräftigt wurde dies durch den Leiter der Tourist-Info, Michael Hofhammer, der als Gast an der Sitzung des Gemeinderates teilgenommen hat.


Die Stadt Bad Reichenhall will die BGLT als GmbH weiterführen und wird im neuen Jahr einen neuen Namen dafür suchen, teilte die Geschäftsführerin Dr. Brigitte Schlögl auf Nachfrage mit. Sie wird das Tourismus- und Stadtmarketing für Bad Reichenhall und Bayerisch Gmain weiterführen, so Schlögl. Die Gemeinden aus dem nördlichen Landkreis kann sie dann nicht mehr bedienen, weil die Markenrechte für die Marke „Berchtesgaden“, unter der die Gemeinden der Erlebnisregion ihren Auftritt haben, bei der TRBK liegen.

Zusammenarbeit in Form einer Zweckvereinbarung


Um kein Vakuum entstehen zu lassen, hat die TRBK den Gemeinden der Erlebnisregion eine Zusammenarbeit in Form einer Zweckvereinbarung angeboten. Alle Mitarbeiter/innen, die bisher bei der BGLT für die Erlebnisregion gearbeitet haben und daher bei den Touristikern der Nordgemeinden bekannt sind, arbeiten künftig bei der TRBK. Daher wäre, so der Rathauschef, eine Zusammenarbeit auf Mitarbeiterebene auch nach Verkauf der BGLT-Anteile wie bisher möglich. Einige Gemeinden wie Anger und Piding haben beschlossen im Verein Erlebnisregion der Veräußerung der BGLT-Anteile zuzustimmen und eine Kooperation mit der TRBK zu prüfen. Bürgermeister Gasser plädierte für eine ähnliches Vorgehen auch in Teisendorf, damit die Arbeit im Tourismus nahtlos weiter gehen kann.

In einem eigenen Tagesordnungspunkt vor der Diskussion zur künftigen Ausrichtung, stellte Dr. Brigitte Schlögl, Geschäftsführerin der BGLT, den Jahresbericht 2020 vor. Dieser stieß bei den Gemeinderäten auf sehr positive Resonanz und verstärkte das Unverständnis zu den touristischen Entwicklungen der letzten Monate im Landkreis. Es tue ihm in der Seele weh, dass das so erfolgreiche Projekt BGLT keine zwei Jahre konzentriert arbeiten durfte, so Bezirksrat Georg Wetzelsperger (CSU).

Es sei schwierig, jetzt eine Entscheidung für die Zusammenarbeit mit der TRBK zu treffen, weil die Vertrauensbasis zerstört worden sei. Ähnlich äußerten sich unter anderen auch die Räte Alois Stadler, Andreas Neumeier, Gitti Leitenbacher, Johann Helminger, Gernot Daxer (alle CSU) sowie Georg Quentin (SPD). Da auch der Vorsitzende der TRBK, Dr. Bartl Wimmer, und sein Stellvertreter, Hannes Rasp, Bürgermeister von Schönau bei der Gemeinderatssitzung anwesend waren, wollten die Gemeinderäte Ursachen und Entwicklungsstand aus erster Hand erfahren. „Warum treten sie aus der BGLT aus? Was wollen sie ändern?“ fragte zum Beispiel Rat Alois Stadler. „Der normale Bürger kann dies alles nicht mehr verstehen“, so die einhellige Meinung der Räte Georg Quentin und Johann Rauscher (SPD).

„Kein Beschluss gegen den Rupertiwinkel“

Als einen der Hauptgründe für das Ausscheiden der TRBK führte Hannes Rasp die fehlende Akzeptanz der BGLT bei den Vermietern sowie wiederholte Diskussionen zu den Marken „Berchtesgaden“ und „Berchtesgadener Land“ an. „Was uns gefehlt hat, war die konsequente Umsetzung der Marke „Berchtesgaden“, so Rasp. Gerade in dieser Aussage aber sahen die Teisendorfer Gemeinderäte, wie zum Beispiel Andreas Neumeier (CSU) ein großes Problem, weil sie um den Stellenwert des Tourismus im nördlichen Landkreis fürchten. Dem hielt Dr. Wimmer entgegen, dass die Entscheidung der TRBK „kein Beschluss gegen den Rupertiwinkel“ gewesen sei. Man wolle die Arbeit mit den Gemeinden der Erlebnisregion mit den gleichen Prinzipien weiterführen wie bei der BGLT.

Gleichzeitig stellte er fest „Ein Zurück zur BGLT kann es nicht mehr geben“. Der Übergang der Mitarbeiter von der BGLT zur TRBK habe bereits stattgefunden. „Wie konnten diese Voraussetzungen geschaffen werden, ohne die Gemeinden der Erlebnisregion zu fragen?“ wollte indes Rat Gernot Daxer wissen. Man habe Fakten geschaffen, die eigentlich keine weitere Alternative als die Zusammenarbeit mit der TRBK zuließen, wenn man im Tourismus nahtlos weitermachen möchte. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sähe anders aus, so Daxer weiter. Vor einer Entscheidung zur Zusammenarbeit müsse erstmal wieder Vertrauen geschaffen werden und dazu brauche man mehr Zeit, mahnte Gemeinderat Thomas Egger (CSU). Eine schnelle Entscheidung sei bei diesem hochkomplexen Thema kontraproduktiv, war auch Rätin Brigitte Leitenbacher überzeugt. Man müsse unbedingt auch nach Alternativen suchen und nicht nur auf die TRBK setzen.

Auch Gemeinderätin Anita Niederstrasser (FWG) plädierte für einen weiter gefassten Beschluss, damit der Bürgermeister auch mit anderen Organisationen in Verhandlungen treten kann. Dem schloss sich auch Georg Wetzelsperger an. Man müsse in allen Richtungen offen sein und die Beschlüsse auch so formulieren. Dr. Wimmer wies darauf hin, dass die Zweckvereinbarung mit der TRBK auch befristet abgeschlossen werden kann. Diesem pragmatischen Vorschlag konnte Rätin Elisabeth Aschauer (Grüne) einiges abgewinnen. Man würde sich nichts vergeben, wenn man jetzt dazu gehe und dann sehe, ob und wie es läuft, so ihr Vorschlag. Ähnlich argumentierte auch Zweite Bürgermeisterin Sabrina Stutz: „Wir werden uns ernsthafte Gedanken über die Zweckvereinbarung mit der TRBK machen, sie können beweisen, ob eine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist“, sagte sie in Richtung der TRBK Vorsitzenden. Man könne die touristischen Betriebe in Teisendorf nicht ab 1. Januar im Regen stehen lassen.

Kündigung mit der BGLT Tourismus GmbH beschlossen

Nach einer kurzen Pause zur Beratung in den Fraktionen wurde die Sitzung mit der Beschlussfassung fortgesetzt. Mit drei Gegenstimmen wurde die Kündigung des Betrauungsaktes mit der BGLT Tourismus GmbH beschlossen. Der Erste Bürgermeister wurde ermächtigt, in der Versammlung des Vereins Erlebnisregion Berchtesgadener Land einem Verkauf der BGLT-Anteile an die Stadt Bad Reichenhall zuzustimmen. Abgelehnt wurde der Beschluss, wonach der Bürgermeister in Verhandlungen für eine Zweckvereinbarung zur touristischen Zusammenarbeit mit der TRBK treten soll. Dafür wurde ein Beschluss gefasst, der den Bürgermeister beauftragt, gemeinsam mit den Tourismus-Verantwortlichen der Gemeinde die notwendigen Schritte zu erarbeiten, um die touristische Arbeit in der Marktgemeinde und der Erlebnisregion sicherzustellen. Dazu gab es zwei Gegenstimmen.

kon

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