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Vor 100 Jahren eingeweiht

Kriegergedächtniskapelle in Teisendorf: Ein Denkmal zum Nachdenken

Kriegergedächtniskapelle
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An ihrem 10-jährigen Geburtstag war die Kriegergedächtniskapelle mit Fahnen und Blumen festlich geschmückt.

Kriegergedächtniskapelle in Teisendorf wurde vor 100 Jahre eingeweiht – Bewegende Feier zum Jubiläum.

Teisendorf – Vor genau hundert Jahren, am 24. September 1922, wurde am Friedhofseingang in Teisendorf die Kriegergedächtniskapelle eingeweiht zum Gedenken an die im Ersten Weltkrieg 1914 bis 1918 gefallenen 120 Soldaten aus der Pfarrei Teisendorf. Ihre Namen stehen auf einer Tafel an der Wand der Kapelle.

Mit einer bewegenden Feier hat die Marktgemeinde das 100-jährige Bestehen dieser Gedächtnisstätte begangen und dabei an die Kriegsopfer beider Weltkriege gedacht. Denn der Zweite Weltkrieg hat aus der Pfarrei Teisendorf noch mehr Opfer gefordert. Die Namen der 182 gefallenen und 98 vermissten Soldaten sind auch auf einer Tafel an der gegenüberliegenden Kapellenwand nachzulesen. Die Feier war von Ludwig Gchwendner, 1. Vorsitzender der Soldatenkameradschaft Teisendorf federführend organisiert worden, wofür ihm Bürgermeister Thomas Gasser bei der Feierstunde herzlichst dankte.   

„Denk-mal-nach an diesem Denkmal!“

„Wir sind dankbar für diesen Ort des Gedenkens in unserer Mitte“, so Bürgermeister Thomas Gasser in seiner Ansprache. „Der Ort mahnt uns, nicht zu vergessen- weder die Opfer von damals noch den Auftrag, den wir alle haben, Frieden zu halten und Frieden zu schaffen.“ Wenn die 100 Jahre alte Kapelle in allen dieses „nicht vergessen“ zum Tragen bringe, sei der Zweck, wofür sie vor hundert Jahren erbaut wurde, erfüllt worden, so der Rathauschef weiter. Ob eine solche Feier mit Kranzniederlegung, Trauermusik, Ansprachen wohl noch in die Zeit passe oder einen Sinn habe, fragte Diakon Andreas Nieder, der die geistliche Andacht hielt, in seiner Ansprache. Und beantwortete die Frage mit einem klaren „Ja“.

„An die Toten der Kriege zu denken ist nicht militaristisch, es ist pazifistisch. Wir sprechen von Gefallenen, die leben wollten, nicht von Helden und Heldentod. Wer aufhört, sich der Toten zu erinnern, bereitet bereits den nächsten Krieg vor“, so Nieder. Die Erinnerung an den Bau dieses Denkmals rege zum Nachdenken an. „Denk-mal-nach an diesem Denkmal!“, ein Wortspiel, das bei den Anwesenden Eindruck hinterließ und nachdenklich machte. Friede in der Welt könne nicht von Menschen allein gemacht werden, er sei letztlich ein Geschenk des Himmels, ein Geschenk Gottes. Der beste Beitrag zum Frieden sei, den Glauben an Gott wiederzufinden. Eine Welt ohne Ehrfurcht vor Gott gerate aus den Fugen und ende in einem „Sodom und Gomorra“ so der Diakon weiter.  

Kranzniederlegung: Bürgermeister Thomas Gasser (links) und Ludwig Gschwendner bei der Kranzniederlegung.

Johann Winkler – der einzige noch verbliebene Kriegsteilnehmer

Wetterbedingt konnte die Gedenkfeier nicht wie geplant an der Kriegergedächtniskapelle abgehalten werden, sondern musste in die Pfarrkirche St. Andreas verlegt werden. Der Würde der Feier tat dies keinen Abbruch. Die Fahnenabordnungen zahlreicher Vereine, die sich im Altarraum aufgestellt hatten, bildeten den festlichen Rahmen. Vor dem Altar erinnerte ein Gesteck aus Kiefernzweigen an ein anonymes Grab. Die Ehrenwache hielten der Oberfeldarzt Dr. Michael Eisert und Obergefreiter Sepp Baumgartner von der Soldatenkameradschaft Teisendorf.

Auch die politische Gemeinde war zahlreich vertreten, allen voran die drei Bürgermeister erster Bürgermeister Thomas Gasser, zweite Bürgermeisterin Sabrina Stutz und dritter Bürgermeister Georg Quentin sowie zahlreiche Gemeinderäte. Anwesend war auch das älteste Mitglied der Soldatenkameradschaft Teisendorf, Johann Winkler von Högl. Der 96-Jährige ist der einzige noch verbliebene Kriegsteilnehmer im Verein. Er war 1943 eingezogen worden, ab Januar 1944 im Kriegseinsatz in Italien und geriet zu Kriegsende in Gefangenschaft der US-Armee.  

Zwei Ausrufezeichen, die unter die Haut gingen

Mit dem „Torgauer Marsch“ eröffnete die Musikkapelle Teisendorf kraftvoll die Feierstunde. Ihr großartiges Können zeigten die Musikanten dann auch bei den zwei Chorälen, die im Programmverlauf folgten. Der Teisendorf „Vokalexpress“ unter der Leitung von Heinrich Hinterreiter setzte mit dem Eingangslied zur Schubert Messe „Wohin soll ich mich wenden?“ und dem Trauerlied „Über den Sternen“ von Franz Wilhelm Abt zwei Ausrufezeichen, die unter die Haut gingen. Zum Abschluss der Andacht läutete die Totenglocke zum Gedenken an alle Gefallenen und Verstorbenen der Pfarrei. Es waren ergreifende Augenblicke als die dunkle Glocke mahnend durch die Stille des Gotteshauses tönte. 

Anschließend legten Bürgermeister Thomas Gasser und Ludwig Gschwendner als Vorsitzender der Soldatenkameradschaft Teisendorf im Namen der Marktgemeinde einen Kranz nieder. Während sich die Fahnen neigten und die Ehrenwache salutierte, spielten und sangen die Musikkapelle und der Vokalexpress das Lied „Ich hatt einen Kameraden“.  Mit der Bayernhymne im Anschluss endete eine würdige Feier in Erinnerung an ein Denkmal, das alle die vorbei gehen zum Gedenken und zum Nachdenken anregen soll, damit sich die Schrecken zweier Weltkriege nicht wiederholen.  

Im Anschluss an die Feier hatten die Marktgemeinde und die Soldatenameradschaft Teisendorf zu einem Unterhaltungsabend mit der Musikkapelle Teisendorf in den Saal der Alten Post eingeladen. Viele waren der Einladung gefolgt, sodass der Saal bis auf den letzten Platz besetzt war. Bei guter Stimmung saß man noch lange in geselliger Runde zusammen. 

Wie entstand die Kriegergedächtniskapelle Teisendorf?

In seiner Ansprache ging Bürgermeister Gasser auf die Entstehungsgeschichte der Kriegergedächtniskapelle ein. Nach dem 1. Weltkrieg entstand der Wunsch, für die 120 Gefallenen aus der Pfarrei Teisendorf, zu der auch Freidling, Roßdorf, Holzhausen und Rückstetten gehörten, eine Gedenkstätte zu errichten. Am 15. Dezember 1921 fasste ein eigens dafür gegründeter Planungsausschuss unter der Leitung des damaligen Bürgermeisters Josef Meßner den Beschluss, eine Gedächtnis-Kapelle nach den Plänen des Teisendorfer Kunstmalers Anton Vitzthum zu errichten. 

In einem Bittschreiben bat der Ausschuss die Teisendorfer Vereine, einen Teil ihrer Veranstaltungserlöse für die Kapelle zu spenden. Die ursprünglich mit 32 Tausend Reichsmark veranschlagten Kosten wuchsen durch die Inflation auf rund 123 Tausend an. Dennoch konnte die Kapelle durch Spenden aus der Bevälkerung und Scharwerker Tätigkeiten der Gemeinden finanziert werden. Nach nur neun Monaten Bauzeit konnte die Kapelle eingeweiht werden. Unverwechselbar ist die vom Planer Vitzthum gestaltete Dachkonstruktion in Form eines Wehrmacht-Stahlhelms.

kon

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